Gründer-Kolumne Kneipe contra Luxusbüro

Es gibt viele Geschichten darüber, wie die Ideen zu neuen Unternehmen entstanden sind. Von der Fünf-Minuten-Skizze auf dem Bierdeckel bis hin zur fünfjährigen Entwicklung in teuren Forschungslabors. Doch welche hat größere Erfolgschancen? Wo liegen potenzielle Vor- und Nachteile?

"Am Anfang stand die Idee." So fangen die meisten Erinnerungen von Gründern an. Es folgt meist ein wahres Sammelsurium von Legenden im Hinblick auf die Begleitumstände der Ideenfindung.

Im Prinzip kann man hinsichtlich der äußeren Umstände der Ideenfindung vier verschiedene Gruppen unterscheiden.

Als Unterscheidungsmerkmal kann zum einen angeführt werden, ob die Idee im privaten oder beruflichen Umfeld geboren wurde und zum anderen, ob der Einfall eher zufälliger Natur ist oder systematisch erarbeitet wurde. In der Kombination dieser vier Merkmale ergeben sich die vier typischen Ideengruppen.

Der Typ "Kneipe"

Hier werden die Ideen in einem privaten Umfeld und eher spontan geboren. Hintergrund ist ein allgemeines Gespräch über Märkte, Branchen, Personen und Technologien beziehungsweise die Gesellschaft im Allgemeinen. Dabei werden alternative oder neue Bedürfnisse auf der Kundenseite identifiziert und ein erster Lösungsvorschlag formuliert.

Der Vorteil hier ist die Unbefangenheit bei der Ideenfindung. Man macht sich kaum Gedanken über Sinn bzw. Unsinn der Ideen und identifiziert kaum Problemfelder hinsichtlich der Umsetzung. Der Kreativität ist keine Grenze gesetzt. Dies ist zugleich der Nachteil, da kaum Erkenntnisse über den tatsächlichen Bedarf am Markt existieren. Und da der Teufel bekanntlich im Detail steckt, erweisen sich viele Ideen schon einen Tag später als wenig tragbar.

Nach der Umsetzung der neuen Kennzeichnungspflicht für Tabakwaren ist die Idee für www.pushover.de - Umhüllungen für Zigarettenschachteln - entstanden. Impulse dazu kamen den Gründern nach einem Kneipenbesuch, bei dem die neue EU-Verordnung Gesprächsthema war. Nach erfolgreicher Patentierung der Ummantelung aus Pappe, wird www.pushover.de als Marke weiter vorangetrieben.

Der Typ "Garage"

Hier werden die Ideen zwar auch im privaten Umfeld geboren, jedoch wesentlich systematischer gesucht und gefunden. Es sind meist Tüftler und Erfinder, die über einen längeren Zeitraum an einer Innovation arbeiten und hierzu über eine entsprechende private Ausstattung verfügen (zum Beispiel Werkstatt oder Büro).

Als Vorteil ist zu werten, dass diesbezügliche Ideen tendenziell über mehr Substanz verfügen und ständigen Verbesserungen unterliegen. Als Nachteil wirkt sich aus, dass die Idee oftmals isoliert vom übrigen Marktgeschehen entwickelt wird. Daneben traut sich der Initiator erst mit der Erstellung eines Prototyps an die Öffentlichkeit.

Wie man mit Ideen umgeht

Bill Gates, der Gründer von Microsoft, hat die Idee zu seiner Software in der Garage entwickelt und dort den ersten Prototyp entwickelt. Die weitere Entwicklung ist hinreichend bekannt.




Der Typ "Büro"

Hier werden die Ideen eng mit dem beruflichen Umfeld des Ideengebers verbunden und orientieren sich direkt an dessen Aufgabengebiet. Die Initialzündung erfolgt hier aus dem täglichen Umgang mit einer Materie und oftmals spontan beziehungsweise zufällig. Eine Quelle können beispielsweise Meetings und/oder Beratungsaufträge sein.

Der Vorteil hierbei ist der direkte Verbund mit dem möglichen Anwendungs- beziehungsweise Einsatzgebiet. Als Nachteil ist häufig zu beobachten, dass die Idee keine besondere Tragweite besitzt, sondern meist eine isolierte Anwendung im beruflichen Umfeld des Ideengebers erfährt.

Die Netskill AG, eine Ausgründung aus dem Paderborner Fraunhofer-Anwendungszentrum für logistikorientierte Betriebswirtschaft, ist ein solches Beispiel. Dort hat sich der Gründer mit logistikorientierter Betriebswirtschaft und dem Denken in Flüssen und Netzwerken befasst. Erkenntnisse aus diesem Umfeld haben zur Realisierung der Competence-Site geführt.

Der Typ "Labor"

Hier werden die Ideen in einem beruflichen Umfeld und als Ergebnis einer systematischen Suche geboren. Damit steht dieser Typ im genauen Gegenteil zu der vorangegangenen Situation. Hier regiert weniger der Zufall als die strategische Planung und Entwicklung. Es wird sich ganz konkret mit zukünftigen Entwicklungen auseinandergesetzt und konkrete Lösungen entwickelt.

Nachteil dieses Verfahrens ist die Gefahr, dass die Innovationen am tatsächlichen Bedarf vorbei konzipiert werden. Meist finden sich hier Ideen, die technologiegetrieben und weniger marktorientiert sind. Google ist ein erfolgreicher Vertreter der "Laborgründung". Auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen über Suchalgorithmen, haben die Gründer die bisher erfolgreichste Internetsuchmaschine entwickelt.

Wie geht man mit Ideen um?

Ideen führen in den besten Fällen zu einer Innovation und damit zu einem neuen Produkt, welches am Markt angeboten beziehungsweise innerhalb eines Unternehmens zum Einsatz kommt. Ideen sind somit ein wesentlicher Bestandteil der wirtschaftlichen Entwicklung. Allerdings sind Ideen nur dann tragfähig, wenn sie in der Umsetzung eine Nachfrage befriedigen und Kunden finden, die für die resultierenden Produkte bezahlen wollen.

Vor diesem Hintergrund lassen sich in allen vier Ideengruppen positive und negative Beispiele finden, so dass keiner Alternative ein eindeutiger Vorzug zu geben ist. Für alle Quellen der Ideenfindung muss eine Notwendigkeit formuliert werden: Nicht nur die Idee ist wichtig, sondern auch der Markt für die Idee und die Fähigkeiten der handelnden Personen hinsichtlich der Umsetzung der Idee! Potenzielle Gründer sollten dies nicht außer Acht lassen.

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