US-Bankenfusion Die späte Rache des James L. Dimon

Lange Jahre war James L. Dimon Mitarbeiter der größten Bank der Welt. 1998 entledigte sich Citigroup-Chef Sanford I. Weill seines engen Vertrauten. Der revanchierte sich auf seine Weise: Er machte die Bank One zum schärfsten Konkurrenten der Citigroup.

New York - Die Bankenfusionswelle in den USA gewinnt mit der Übernahme der Bank One durch die J.P. Morgan Chase  weiter an Fahrt. Rund 58 Milliarden Dollar (46 Milliarden Euro) gibt J.P. Morgan Chase für die Übernahme aus.

J.P. Morgan Chase könnte nun mit einer Bilanzsumme von 1,1 Billionen Dollar dem Branchenführer Citigroup  (1,2 Billionen Dollar) in absehbarer Zeit sogar die Spitzenposition als größter US- Finanzdienstleister streitig machen.

Das wäre die späte Rache von Bank-One-Chef James L. Dimon, der langjähriger Vertrauter und enger Mitarbeiter des Citigroup-Verwaltungsratsvorsitzenden Sanford I. Weill war. Dimon musste 1998 - nur einen Monat nach dem Zusammenschluss der Citicorp und der von Weill geführten Travelers Group zur jetzigen Citigroup - seinen Hut nehmen.

Sanierung am Rande

Zwischenzeitlich hat Dimon die Bank One saniert und ihren Aktienkurs um 80 Prozent in die Höhe getrieben. Der 47-Jährige gilt als erfolgreicher Kostensenker und ist ein Star an der Wall Street. Er wird zunächst Präsident und damit die Nummer zwei bei der J.P. Morgan und soll 2006 die Führung von Konzernchef William B. Harrison (60) übernehmen.

Kurz hinter den beiden Spitzenreitern Citigroup und J.P. Morgan folgt die Bank of America  mit einer Bilanzsumme von 933 Milliarden Dollar. Sie hatte kürzlich die Übernahme der Fleet Boston Financial für 48 Milliarden Dollar angekündigt. Seit Anfang vergangenen Jahres wurden mehr als 200 US-Bankenzusammenschlüsse im Wert von 124 Milliarden Dollar bekannt gegeben.

Die drei Branchenführer bringen es künftig zusammen auf eine Bilanzsumme von 3,2 Billionen Dollar. Das ist mehr als ein Drittel der Bilanzsumme aller US-Kreditinstitute. Es folgen weit abgeschlagen die Wells Fargo, Wachovia, U.S. Bancorp und SunTrust Banks.

Bank mit Hang zur Vielweiberei

Die Bank of America und die J.P. Morgan wollen sich durch die Übernahmen vor allem die riesigen Zweigstellennetze der Fleet Boston beziehungsweise der Bank One sichern.

So kommen sie auch an das grundsolide Geschäft der beiden großen Regionalbanken mit den kleinen Privatkunden. Teilzahlungs-, Auto- und Hypothekenkredite sowie das lukrative Geschäft mit den Kreditkarten versprechen stetige und hohe Gewinne. Dagegen hat das früher von den Großbanken forcierte Investmentbankgeschäft im Gefolge der langen Wall-Street-Probleme und Unternehmensskandale stark gelitten.

Andererseits scheint das enorme Gewinnwachstum der Regionalbanken angesichts der befürchteten Anhebung der US-Zinsen durch die Notenbank gefährdet. Auch aus diesem Grund dürften sie nun verstärkt auf Partnersuche gehen. Das "Wall Street Journal" nennt die Comerica, Key Corp., U.S. Bancorp., SunTrust Banks, National City, Sovereign Bancorp, Union Planters (Memphis) und SouthTrust als potenzielle Fusionskandidaten.

Unter den Finanzdienstleistern mit starken Kreditkartenoperationen werden CapitalOne Financial, Providian Financial und MBNA Corp. gehandelt. Angesichts des schwachen Dollar könnten dabei auch ausländische Großbanken mit großen US-Banktöchtern wie etwa die Royal Bank of Scotland in Versuchung geraten.

Peter Bauer, dpa