Friedel Neuber Auf dem Holzmann-Weg

Dem ehemaligen Chef der WestLB dräut neues Ungemach: Erst wird wegen des Boxclever-Desasters der Landesbank gegen Neuber ermittelt, nun soll er sich auch im Fall der Holzmann-Pleite vor Gericht verantworten.

Frankfurt/Köln - Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat gegen den früheren WestLB-Chef Friedel Neuber und Ex-Vorstandsmitglieder des zusammengebrochenen Holzmann-Konzerns Anklage wegen Untreue beziehungsweise Beihilfe dazu erhoben. Das bestätigte am Mittwoch Neubers Verteidiger, der Kölner Rechtsanwalt Christian Richter.

Die Anklage richte sich gegen zehn Personen, darunter drei Mitarbeiter der WestLB. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Rainer Schilling bestätigte die Anklage, nannte aber keine Namen.

Den früheren Holzmann-Vorstandsmitgliedern werde vorgeworfen, im Jahr 1994 angesichts einer drohenden feindlichen Übernahme durch den Konkurrenten Hochtief gesetzeswidrig eigene Aktien erworben zu haben, berichtete der Rechsanwalt. Die WestLB Manager - unter ihnen Neuber - sollen dazu Beihilfe geleistet haben, indem sie auf Rechnung und Risiko des Bauriesen von der BHF-Bank und dem Bankhaus Warburg gehaltenen Holzmann-Aktienpakte von insgesamt gut fünf Prozent des Stammkapitals kauften. Richter bestätigte damit einen Bericht der "Rheinischen Post".

"Kein Erwerb eigener Aktien stattgefunden"

Neubers Verteidiger wies die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen den früheren WestLB-Chef entschieden zurück. Der Anklagevorwurf laufe schon deshalb ins Leere, weil die von der BHF-Bank und dem Bankhaus Warburg nominell auf die WestLB übertragenen Aktienpakete bereits zuvor wirtschaftliches Eigentum der Philipp Holzmann AG gewesen seien.

Die Übertragung auf die WestLB sei deshalb kein "Erwerb" eigener Aktien, so dass der Vorwurf einer Beihilfe entfalle. Außerdem seien damals mit der drohenden feindlichen Übernahme durch "Hochtief aktienrechtliche Tatbestände gegeben gewesen, die den Erwerb eigener Aktien gerechtfertigt hätten.

Dem zuständigen Frankfurter Staatsanwalt warf Richter Befangenheit vor. Er habe sich nämlich bereits zu einem Zeitpunkt auf eine Erhebung der Anklage festgelegt, als die Staatsanwaltschaft mit der Verteidigung noch über den Umfang der Akteneinsicht diskutiert habe und entsprechende Stellungnahmen der Verteidigung noch ausgestanden hätten. Die Verteidigung habe deshalb bereits im Dezember vergangenen Jahres beim Leitenden Oberstaatsanwalt einen Ersetzungsantrag gestellt, über den bisher aber noch nicht entschieden worden sei.

Der Sprecher der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Schilling, erläuterte die Anklage und sagte, die Aktien sollten bei der WestLB geparkt gewesen sein, dann habe es einen Kursverlust gegeben, welcher der WestLB einen Verlust von 100 Millionen D-Mark gebracht habe. "Dann soll es eine Vereinbarung gegeben haben, wonach die Philipp Holzmann AG diese Verluste ausgleicht."

"Die Leistungen wurden gar nicht erbracht"

"Die Leistungen wurden gar nicht erbracht"

Weiter laute der Vorwurf, dass diese Vorgänge mit Rechnungen über angebliche Beratungs- und Vermittlungsleistungen hätten verschleiert werden sollen. "Diese Leistungen sollen laut Anklage gar nicht erbracht worden sein", sagte Schilling weiter.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hatte im Zuge ihrer Ermittlungen bereits im Jahr 2000 Büros der WestLB und von Wirtschaftsprüfern durchsucht. Die Recherchen gingen auf eine Anzeige von Holzmann Ende 1999 zurück, als das Unternehmen kurz vor der Pleite stand.

Der Baukonzern hatte seit 1993 Milliardenverluste aufgehäuft und sich in einen undurchdringlichen Dschungel von Töchtern sowie riskante Engagements verstrickt. Erst eine angekündigte Bürgschaft der Bundesregierung verschaffte dem Konzern vorübergehend eine Atempause. Zwei Jahr später brach das Unternehmen endgültig zusammen und musste Insolvenz anmelden.

Holzmann-Insolvenzverwalter Ottmar Hermann schloss nicht aus, dass sich aus dem Justizverfahren auch Auswirkungen auf die Insolvenzmasse ergeben. "Wir werden das analysieren und sind gespannt auf die Anklageschrift", sagte der Rechtsanwalt am Mittwoch der dpa.

Friedel Neuber stand mehrere Jahrzehnte an der Spitze der früheren Westdeutschen Landesbank (heute WestLB AG) und war 2001 in den Ruhestand gegangen. Derzeit ermittelt die Staatsanwalt Düsseldorf ebenfalls wegen des Verdachts der Untreue gegen Spitzenmanager der öffentlich-rechtlichen Bank. Er bezieht sich auf eine riskante Kreditvergabe an den britischen Fernsehverleiher Boxclever aus dem Jahr 1999.