Fraport Vorstandsvorsitzender unter Bakschisch-Verdacht

Einige ehemalige Mitarbeiter aus dem Umfeld des Frankfurter Flughafens sind erwiesenermaßen korruptionserfahren. Nach diversen Skandalen ist es wenig verwunderlich, dass jetzt der Fraport-Vorstand Ziel der Ermittlungen der Frankfurter Staatsanwaltschaft ist.

Frankfurt/Main - Am Frankfurter Flughafen stehen erneut Mitarbeiter der Betreibergesellschaft Fraport  unter Korruptionsverdacht. Diesmal sind mit dem Vorstandsvorsitzenden Wilhelm Bender und seinem Stellvertreter Manfred Schölch sogar die Unternehmensspitzen in das Visier der rührigen Korruptionsermittler bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft geraten.

In der Geschichte des öffentlich kontrollierten Unternehmens - die Aktienmehrheit von gut 70 Prozent halten Bund, das Land Hessen und die Stadt Frankfurt - ist es beileibe nicht der einzige Fall, dass sich Fraport-Angestellte wegen aktiver Bestechung oder Vorteilsnahme verantworten müssen.

Aktuell geht es um die Frage, was der Vorstand über rund 600.000 US-Dollar Schmiergeld wusste, mit dem zwei mittlerweile entlassene Fraport-Manager Millionenaufträge im usbekischen Taschkent akquirieren wollten. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft wollte keinen Kommentar zu einer angeblichen Vorstandsvorlage abgeben, in der laut SPIEGEL das Bakschisch als "nützliche Aufwendung" verzeichnet sein soll.

"Notiz auf Arbeitsebene"

Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes gegen internationale Bestechung existiert diese Abschreibungsmöglichkeit für deutsche Unternehmen nicht mehr, vielmehr müssen die Manager für Bestechungen im Ausland mit bis zu fünf Jahren Haft rechnen. Fraport spricht daher von einer "Notiz auf Arbeitsebene", die nie an den Vorstand weitergereicht worden sei.

Das Geschäft des Flughafenkonzerns ist mit dem auf internationalen Vereinbarungen basierenden Gesetz nicht einfacher geworden. Eine Bruchlandung erlitten die Frankfurter in der philippinischen Hauptstadt Manila, wo sie nach Meinung der dortigen Presse die falschen Leute bestochen haben sollen. Über Tochterfirmen soll Fraport dem Berater Alfonso Santo Liongson eine Korruptions- Kriegskasse von 2,1 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt haben. Fraport beharrt hingegen aus seiner Darstellung, dem Berater seien Schmiergeldzahlungen ausdrücklich untersagt worden.

Das 350-Millionen-Euro-Grab Manila

Das 350-Millionen-Euro-Grab Manila

Auch ein Parlamentsausschuss habe keine Anhaltspunkte für korruptive Praktiken gefunden, sagt Fraport-Sprecher Klaus Busch. Tatsache bleibt, dass sein Unternehmen statt der erhofften 25 Jahre währenden alleinigen Betriebsgenehmigung für den Aquino-Airport sein komplettes Investment in Höhe von 350 Millionen Euro abschreiben musste und nun vor der Weltbank um eine Entschädigung streitet.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat noch nicht entschieden, ob sie auch im Manila-Fall Korruptionsermittlungen gegen Fraport- Verantwortliche einleitet. Bislang stehen nur der im März 2003 ausgeschiedene Finanzvorstand Johannes Endler und ein weiterer ungenannter Manager wegen des Verdachts der Untreue gegenüber den Fraport-Anteilseignern im Feuer. Dass die erstaunlich duldsam sind, zeigte sich Ende vergangenen Jahres, als Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) die erhöhten Bezüge und Erfolgsprämien der wenig erfolgreichen Vorstände Bender und Schölch verteidigte.

Doch nicht nur im Ausland sind die Frankfurter wiederholt ins Zwielicht geraten. Im Bieterverfahren um den Bau des neuen Hauptstadt-Flughafes bei Berlin flog das Fraport-Konsortium aus dem Rennen, weil einige ihrer Beschäftigten "nebenberuflich" in genau dem Ingenieursbüro arbeiteten, das die Länder Berlin und Brandenburg bei ihrer Entscheidung beraten sollte.

Fünf Jahre Gefängnis für den Vize der Bauabteilung

Der Bau des 1994 in Betrieb genommenen Terminals 2 an der Heimatbasis Frankfurt wurde weit teurer als veranschlagt und zog eine heftige Prozesswelle nach sich. 170 Beschuldigte hatten die Ermittler ausgemacht, der Vize der Fraport- Bauabteilung ging für fünf Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht führte das Ausmaß des Sumpfes auf das Fehlen einer effektiven Kontrolle zurück.

Gut 300 eigene Mitarbeiter aus Einkauf, Bauabteilung und Marketing hält Fraport selbst für schmiergeldgefährdet und hat sich einen umfassenden Kodex gegen Korruption gegeben. Tickets, Bargeld oder Urlaubsreisen dürfen gar nicht mehr, Geschenke nur noch in einem Wert von bis zu 40 Euro angenommen werden.

Angesichts eines Investitionsvolumens von 3,3 Milliarden Euro in den nächsten Jahren für die neue Landebahn und ein weiteres Terminal scheinen Sorgen Benders vor neuer Korruption nur zu berechtigt: Es stünden schon etliche bereit, um sich an den Projekten zu bereichern, hatte er unlängst gesagt.

Christian Ebner, dpa

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