Freitag, 15. November 2019

Elite-Unis Der Kanzler paukt bei McKinsey

Bevor deutsche Studenten ganz elitär ins Büffeln kommen, will Kanzler Schröder von den Konzernchefs der Telekom, Siemens, Lufthansa und Schering etwas lernen. Aggressiver kann die SPD bei diesem Thema kaum in das Terrain der CDU eindringen. Und so kommt auch McKinsey-Chef Jürgen Kluge zu Wort.

Berlin - Der Deutschland-Chef des Beratungsunternehmens McKinsey, Jürgen Kluge, hat den Sozialdemokraten bei der Vorstandsklausur in Weimar eine weit reichende Umgestaltung der Bildungs- und Forschungslandschaft vorgeschlagen.

Gilt als Freund der CDU: McKinsey-Chef Jürgen Kluge stärkt dem Kanzler beim Thema Elite den Rücken
Wie die "Berliner Zeitung" berichtet, soll nach Kluges Plänen die Humboldt-Universität in Berlin zum "Flaggschiff" unter den deutschen Hochschulen ausgebaut und künftig unter Regie des Bundes geführt werden. Zudem müsse jedes Bundesland eine Universität der Sonderklasse bekommen.

Unterdessen hat Bundeskanzler Gerhard Schröder bereits Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft zu einem "Ideen-Gipfel" zu Forschung und Bildung eingeladen. Dabei soll es unter anderem um die Frage gehen, wie sich Deutschland wieder an die Spitze der Forschung setzen kann. Dabei setzt Schröder vor allem auf die Beratung von Wirtschaftsführern.

So sind unter anderem Siemens-Chef Börsen-Chart zeigen Heinrich von Pierer, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen, Kai-Uwe Ricke, Lufthansa-Chef Börsen-Chart zeigen Wolfgang Mayrhuber und der Vorstandsvorsitzende des Pharmakonzerns Schering Börsen-Chart zeigen Hubertus Erlen, eingeladen. Ein Regierungssprecher bestätigte am Donnerstag einen entsprechenden Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (Freitag). Außerdem würden der Unternehmensberater Roland Berger, der Vizepräsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Dietmar Harting, sowie BMW-Aufsichtsrat Joachim Milberg teilnehmen.

Aus der Wissenschaft habe Schröder den Präsidenten der Fraunhofer- Gesellschaft, Hans-Jörg Bullinger, den Präsidenten der Berliner Humboldt-Universität, Jürgen Mlynek, sowie den Geschäftsführer des Deutschen Forschungszentrums für künstliche Intelligenz (DFKI), Wolfgang Wahlster, zum Gedankenaustausch gebeten.

Nach Ansicht des McKinsey-Managers Kluge sind für die Schaffung von herausragenden Universitäten Studiengebühren zwischen 2000 bis 4000 Euro jährlich nötig. Außerdem sollten die Elitehochschulen ihre Studenten künftig selbständig auswählen können. Notwendig sei daneben die Gründung einer "Albert-Einstein-Gesellschaft", die sich allein um die Spitzenforschung in ausgewählten Schwerpunkten kümmern solle, berichtet das Blatt.

Nach Einschätzung Kluges müssen Staat und Wirtschaft jedes Jahr zusätzlich zwischen fünf und zehn Milliarden Euro zusätzlich ausgeben, um wieder Anschluss an die wichtigen Weltmarkt-Konkurrenten USA und Japan zu finden. Andernfalls drohe, so der McKinsey-Chef in seinem Vortrag vor den Sozialdemokraten, das Szenario "Kein Wirtschaftswachstum, kein Wohlstand und keine Lösung für die Schwierigkeiten unserer Sozialsysteme".

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