John Jahr "In den Ruhestand gehe ich nicht"

Vor rund drei Jahren zog sich das Oberhaupt der Hamburger Verlegerfamilie aus dem Verlagsgeschäft zurück. Seitdem kümmert sich John Jahr intensiver um das Geschäft der eigenen Spielbanken. Am Freitag feiert der Unternehmer seinen 70. Geburtstag.

Hamburg - John Jahr hat Wort gehalten. "In den Ruhestand begebe ich mich nicht", hatte er bei seinem Abschied aus dem Vorstand des Hamburger Verlagshauses Gruner + Jahr vor drei Jahren versprochen. Das Oberhaupt der Hamburger Verlegerfamilie Jahr hat sich seitdem intensiver um die Spielbanken der familieneigenen Holding in Hamburg und Wiesbaden gekümmert. Am 27. Dezember feiert John Jahr seinen 70. Geburtstag.

Er spricht weiterhin in Vokabeln, die er aus dem Verlagsgeschäft bestens kennt: Konzessionsverlängerung, Verdrängungswettbewerb, Expansion ins Internet. "Das Spielbanken-Geschäft ist auf Grund der wirtschaftlichen Verhältnisse nicht einfacher geworden", sagt Jahr. Zu wirtschaftlichen Boom-Zeiten war er aus dem Vorstand von Gruner + Jahr ausgestiegen.

Das Pressehaus am Hamburger Baumwall lässt ihn auch heute noch nicht los. Schließlich hält die Jahr-Holding mit 25,1 Prozent an Europas größtem Zeitschriftenhaus - die Mehrheit liegt beim Medienriesen Bertelsmann - eine dauerhafte Beteiligung.

Der große Zusammenschluss

Und darauf hat der gelernte Schriftsetzer auch im wahrsten Sinne des Wortes stets ein Auge, liegt sein Büro doch vis-à-vis zum G+J-Verlagsgebäude. Und die Vergangenheit hat John Jahr geprägt: "Wenn man sich mehr als 38 Jahre mit dem Zeitschriftengeschäft beschäftigt hat, dann wacht man immer noch mit dem Gedanken daran auf und geht abends damit ins Bett", sagt das G+J-Urgestein heute.

Ihren Ursprung nahm die Jahr-Dynastie 1924, als John Jahr senior (1991 gestorben) die Zeitschrift "Sportchronik" gründete. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgten Magazine wie "Constanze", die Ende 1969 in der "Brigitte" aufging, "Capital" und "Schöner Wohnen" - Titel, die noch heute Aushängeschilder von G+J sind.

Der Name Jahr kam in den Firmentitel, als sich 1965 drei Unternehmen in Hamburg zusammenschlossen: der Henri-Nannen-Verlag von Gerd Bucerius, der Constanze-Verlag von Jahr senior und die Itzehoer Druckerei von Richard Gruner. Damit wollten die drei damals ein Gegengewicht zum Hamburger Axel-Springer-Verlag schaffen. Für John Jahr junior galt diese Fusion stets als ein "absoluter Höhepunkt" seines beruflichen Wirkens bei G+J.

Auf diese Zeit blickt er heute ohne Wehmut zurück. Gerne würde er zwar manchmal noch mitmischen, doch eigentlich tut das nicht Not: "Wenn es darauf ankäme, melde ich mich sowieso zu Wort", räumt Jahr unumwunden ein. Mit neutralerem Blick - "die Scheuklappen gehen mit 70 Jahren verloren" - könne er jetzt die Entwicklung von Medien, Wirtschaft und Gesellschaft gelassen beobachten. So bleibt dem Familienvater, der nach dem Motto "In der Ruhe liegt die Kraft" lebt, viel Muße - auch für mittlerweile fünf Enkelkinder.

Almut Kipp, dpa

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