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Roland Berger 11,7 Millionen Euro zum Wohl der Truppe

Nach dem geplatzten Vertrag zwischen dem Arbeitsamt und der Beratungsfirma WMP gerät nun ein Kontrakt des Verteidigungsministeriums mit dem Unternehmensberater Roland Berger ins Zwielicht. Für eine dreimonatige Expertise bezahlt Struck eine Million Euro. Insgesamt flossen seit August 2001 rund 11,7 Millionen Euro an Berger.

Berlin - Norbert Bicher, Sprecher des Verteidigungsministeriums, gab sich gelassen. Er sei kein Fachmann in diesen Dingen, aber solche Kostenleistungen seien wohl üblich, erklärte er in der Bundespressekonferenz.

Er bestätigte damit, was am Mittwoch die "Bild"-Zeitung gemeldet hatte: Dass das Verteidigungsministerium unter Leitung ihres Ministers Peter Struck (SPD) mit dem Unternehmensberater Roland Berger zuletzt einen Vertrag über eine Million Euro abgeschlossen hatte. Laufzeit: rund drei Monate.

Der Haushaltsexperte der Unions-Bundestagsfraktion, Dietrich Austermann, hatte daraufhin wegen des angeblich "ungewöhnlich hohen Beratervertrags" von Struck Auskunft verlangt. Zudem solle die Auftragsverschreibung geprüft werden.

Hier ist jedoch nach Auffassung des Ministeriums alles mit rechten Dingen zugegangen. Nach Prüfung durch die Rechtsabteilung sei im Falle von Berger keine Ausschreibung notwendig gewesen. Grund: Es habe sich um Folgeleistungen gehandelt, die Berger in der Vergangenheit erbracht habe. Der am 27. August abgeschlossene Vertrag lief Ende November aus.

"Wirtschaftliche Expertise unabdingbar"

Berger sei gebeten worden, den Aufbau eines Kompetenzzentrums der Bundeswehr zu begleiten. Dieses habe zum 1. Dezember seine Arbeit aufgenommen. Ziel der Beratungen sei es gewesen, an konkreten Projekten zu prüfen, ob effektivere Abläufe bei privater Leistung zu erwarten sind und ob handelsübliche Waren preiswerter eingekauft werden können. Allein in letzterem Bereich gehe es um ein Volumen von 1,8 Milliarden Euro, so Bicher.

Das Verteidigungsministerium verteidigte die externe Beratung. Für die geplante Effizienzsteigerung der Bundeswehr sei "externe wirtschaftliche Expertise unabdingbar".

Der Münchener Unternehmensberater Berger ist für die Bundeswehr ein alter Bekannter. Unter Strucks Amtsvorgänger Rudolf Scharping war er beauftragt worden, die Wirtschaftlichkeitsreserven zu untersuchen - so in der Wehrverwaltung. Auch an einem internen Prüfbericht der Bundeswehr über die geplante private Gesellschaft zur Modernisierung der Informationstechnologie, der im Sommer dieses Jahres bekannt wurde, waren Revisoren des Unternehmens von Roland Berger beteiligt.

Seit August 2001 unter Vertrag

Seit August 2001 unter Vertrag

Am Abend bestätigte das Verteidigungsministerium, dass Berger seit August 2001 rund 11,7 Millionen Euro an Beraterhonoraren erhalten hat. Darunter sind die jetzt von der Opposition monierten eine Million Euro.

Im Rahmen des Modernisierungsprozesses der Bundeswehr sei Bergers Unternehmen durch die "Gesellschaft für Entwicklung, Beschaffung und Betrieb" (GEBB) als eine von vier Firmen ausgewählt und dem damaligen Ministerium unter Scharpings Leitung als Beraterfirma vorgeschlagen worden, hieß es. Unter Führung der GEBB sollte die oft kostspielige Verwaltung der Bundeswehr privatisiert und modernisiert werden.

Schließlich erhielt Bergers Unternehmen für das so genannte Integrierte Reformmanagement den Zuschlag - über 10,7 Millionen Euro. Dass das Auswahlverfahren vom Ministerium "freihändig" vorgenommen wurde - also ohne Ausschreibung - wird heute intern mit dem "Know-How" erklärt, "das sich durch die GEBB-Erfahrung bei Berger angesammelt hatte und auf die im Integrierten Reformprozess aufgebaut werden sollte." Die Wahl eines anderen Unternehmen hätte bedeutet, dass man "wieder von vorne hätte anfangen müssen." Die freihändige Vergabe sei nach Prüfung und Empfehlung durch die zuständigen Stellen im Ministerium erfolgt.

"Mit Vorsatz Geld verbrannt"

Doch der von Scharping so groß angekündigte Integrierte Reformprozess geriet ins Stocken. Viele Menschen in der Bundeswehr seien nicht mitgenommen worden, hieß es im Ministerium. Die Folge: Ein "Modernisierungsreport" wurde aufgelegt - für den Berger im Sommer einen Folgevertrag über eine Million abschliessen konnte.

Genau dieser Vertrag über drei Monate war es nun, den der CDU-Haushaltsexperte Austermann im Haushaltsausschuss des Bundestags zur Sprache bringen will. Denn seinen Angaben zufolge sollte laut Vertrag eine "ganzheitliche Modernisierungsstrategie" unterstützt werden. Das sei als Vertragsgrundlage "sehr vage" und "zweifelhaft", so der CDU-Politiker. Er habe den Eindruck, hier werde "mit Vorsatz Geld verbrannt".

Immerhin: Der nächste Vertrag im Rahmen der Modernisierung der Bundeswehr-Verwaltung wird aller Voraussicht nicht mehr automatisch an Bergers Unternehmen gehen. "Es wird wohl ausgeschrieben", so ein Ministeriumssprecher am Mittwochabend. Nachdem die Management-Struktur im Kompetenzzentrum aufgebaut worden sei, gehe es jetzt um Optimierungen. Und das könnten auch andere Beraterfirmen leisten.