Parmalat Der König der Milch hat abgedankt

"Parmalat war, ist und bleibt mein Leben", sagte der 65-jährige Self-Made-Manager und Parmalat-Gründer Calisto Tanzi bei seinem Abschied. Mit dubiosen Finanz-Transaktionen hatte er das Unternehmen an den Rand des Abgrunds gewirtschaftet. Jetzt soll Enrico Bondi den Milchkonzern retten.

Rom - Für Calisto Tanzi war es einer der schwersten Schritte überhaupt. "Ich habe in Übereinstimmung mit dem Aufsichtsrat beschlossen, einen Schritt zurück zu machen. In diesem Moment braucht Parmalat eine Wende", erklärte der Gründer des italienischen Milch- Giganten Parmalat seinen Rücktritt als Präsident und Vorstandschef der Gruppe.

Seit mehr als 40 Jahren hatte Tanzi die Geschicke des Konzerns gelenkt, der vor rund einem Jahr in seine bisher tiefste Finanzkrise rutschte. "Parmalat war, ist und bleibt mein Leben", sagte der 65-jährige Self-Made-Manager bei seinem Abschied.

Das Schicksal seines Milch-Imperiums liegt jetzt in den Händen von Enrico Bondi (69). "Bondi ist der Mann, der Parmalat wieder auf Kurs bringen wird, er ist ein Zeichen des Vertrauens und eine Garantie für alle Mitarbeiter und den Markt", sagt Tanzi. Der ehemalige Chef von Montedison und Telecom Italia hat sich in Italien als gewiefter Sanierer von Großunternehmen einen Namen gemacht.

Undurchsichtige Bilanzen

Der Top-Manager wurde vor allem auf Druck der Gläubigerbanken an die Konzernspitze gerufen. Zunächst soll er sich einen Überblick über die Schulden verschaffen, die angeblich zwischen 6 und 8 Milliarden Euro betragen.

Zudem muss er feststellen, wie viele der in der letzten Quartalsbilanz angegeben Barmittel in Höhe von 4,2 Milliarden Euro tatsächlich verfügbar sind. Revisoren hatten zuletzt vor allem beanstandet, dass Parmalat eine 497 Millionen Euro hohe Investition in den Anlagefond Epicurum mit Sitz auf den Cayman Inseln nicht einmal in einer Fußnote der Bilanz erwähnte.

Eine gravierende Unterlassung, nicht nur weil die Summe immerhin ein Drittel der Börsenkapitalisierung von Parmalat ausmachte, sondern auch weil das Geld trotz Kündigung des Fonds noch nicht wieder in die Parmalat-Kassen zurückgeflossen ist.

"Der Mann, der ein Imperium schuf und es dann zerstörte"

"Calisto, der Mann, der ein Imperium schuf und es dann zerstörte", titelte die Zeitung "La Repubblica". Es gibt Vermutungen, dass Parmalat sich in den vergangenen Jahren durch undurchsichtige Investitionen in Steuerparadiesen Abgaben erspart haben könnte.

Für Tanzi hatte zunächst alles so gut angefangen: Nach dem Tod seines Vaters gründet er 1961 eine kleine Milchfabrik in Collecchio bei Parma. 1968 gibt er dem stetig wachsenden Unternehmen den Namen Parmalat und bringt es schon fünf Jahre später an die Börse.

Die echte Revolution schafft Tanzi aber schon vorher, als er Mitte der 60er Jahre das innovative schwedische System "Tetra Pak" adoptiert, das fortan die Milch aus Flaschen ersetzt. Auch bringt er das neue "UHT"-Verfahren (Ultra High Temperature) nach Italien, das Milch haltbar macht: Das Familienunternehmen mausert sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem der größten Milch-Konzerne der Welt.

Niki Lauda, schnellster Milchmann aller Zeiten

In den 70er Jahren erweitert die Gruppe ihre Geschäftsbereiche und sponsort in der Formel 1 ab 1978 das Brabham-Team mit Fahrern wie Niki Lauda und Nelson Piquet. Lauda hatte schon 1976 einen Sponsorvertrag mit Parmalat abgeschlossen - und kassierte immerhin mehr als 25 Jahre Geld für das Tragen seiner roten "Parmalat"-Kappe. Der Konzern sponsort zudem den Fußball-Erstligisten AC Parma. Auch für die Kicker könnte die Finanzkrise zu einem Desaster werden.

Heute beschäftigt der Konzern, der mittlerweile auch Kekse, Säfte, Mineralwasser, Suppen und Yoghurt produziert, rund 36.000 Menschen in 30 Ländern. Jedoch entfielen 2002 von dem 7,5-Milliarden-Euro-Umsatz noch immer 57 Prozent auf Frischmilch. Parmalat war, ist und bleibt schließlich der Name für eine italienische Milch-Erfolgsstory. Ihr Schicksal liegt jetzt in den erfahrenen Händen Enrico Bondis, denn - so schrieb am Dienstag eine Zeitung - "der König der Milch hat abgedankt".

Carola Frentzen, dpa