Boris Becker Teure Netz-Geschäfte

Als Boris Becker noch richtig reich war, investierte er sein Geld nach dem Gießkannenprinzip. Auch dem erfolglosen Web-Portal Sportgate spendierte er einen gehörigen Batzen. Jetzt verlangt der Insolvenzverwalter vor Gericht 1,5 Millionen Euro Nachschlag vom Ex-Tennisstar.

München - Für Ex-Tennisstar Boris Becker steht heute vor dem Landgericht München I wieder eine wichtige Gerichtsentscheidung bevor.

Nach seiner Verurteilung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und zur Zahlung von 500.000 Euro im Oktober 2002 wegen Steuerhinterziehung geht es für den 36-Jährigen auch beim nun anstehenden Urteil um viel Geld.

Das Internetportal Sportgate, an dem Becker beteiligt war, steht im Mittelpunkt des millionenschweren Zivilstreits. Ende März 2001 ging Sportgate, das mit Sportinformationen und Kontaktbörsen vor allem Freizeitsportler ansprechen wollte, an den Start. Beckers Portal sollte den Online-Auftritt der rund 87.000 Vereine im Deutschen Sportbund (DSB) bündeln. Nur wenige Monate später - im Sommer 2001 - schlidderte das mit viel Tamtam angekündigte Unternehmen in die Insolvenz.

"Das ist doch kein Taschengeld"

Insolvenzverwalter Hartwig Albers verklagte den Ex-Tennisstar auf Zahlung von 1,5 Millionen Euro plus Zinsen. Er berief sich dabei auf eine Erklärung, in der Becker sich zum Ausgleich von Sportgate- Verlusten bis zu 1,5 Millionen Euro bereit erklärt hatte.

Das Erstaunen des Richters beim Prozessauftakt Mitte September war unüberhörbar. "Ich kann nicht verstehen, warum Sie das unterschrieben haben. Das ist doch kein Taschengeld, auch wenn man über ein viel größeres Vermögen verfügt", sagte der Vorsitzende Richter der 12. Zivilkammer des Landgerichts München I, Stefan Bischoff, damals dem Ex-Tennisstar mit Blick auf die von ihm im Sommer 2000 unterzeichnete Erklärung. "Ich habe den Eindruck, Sie haben sich nicht viel dabei gedacht."

"Wir waren nicht von Juristen umgeben", versuchte Becker vor Gericht die Entstehung des recht laienhaft wirkenden Papiers zu erklären.

"Locker aus der Hüfte"

"Locker aus der Hüfte"

Becker verteidigte sich damals, er habe dem früheren Pixelpark-Chef und Sportgate-Initiator Paulus Neef bei einem Treffen in Washington nur "locker aus der Hüfte" eine Erklärung unterzeichnet, ohne Garantien zu geben. Die Kammer muss nun klären, ob Becker nur eine Absichtserklärung oder eine rechtsverbindliche Haftung abgegeben hat.

Nun ist das in englischer Sprache verfasste Blatt aber in der Welt, und seine Bewertung durch das Zivilgericht scheint für den Ausgang des millionenschweren Streits entscheidend. Die Kammer muss mit ihrem Urteil entscheiden, ob es sich nur um eine unverbindliche Goodwill-Erklärung oder um eine rechtsverbindliche Haftungserklärung handelte.

Beim ersten Prozesstermin im September hatte Richter Bischoff die Parteien zu einem Vergleich aufgefordert - und zur Klage des Insolvenzverwalters gegen Becker bemerkt, deren Erfolgschancen seien "mit großen Fragezeichen versehen".

Insolvenzverwalter Albers stellt auf stur

Dennoch lehnte Insolvenzverwalter Albers den Vergleichsvorschlag des Gerichts auf Zahlung von 150.000 bis 300.000 Euro ab. Beckers Anwälte signalisierten Gesprächsbereitschaft, doch die Anwälte der Gegenseite pochen auf mindestens eine Million Euro.

Auch alle Anstrengungen kurz vor der Urteilsverkündung waren offensichtlich erfolglos. Mit Blick auf einen doch noch möglichen außergerichtlichen Vergleich war der Urteilstermin eigens vom 11. Dezember um eine Woche nach hinten verlegt worden. Doch es half alles nichts - nun muss das Gericht den Streitfall Becker gegen Sportgate entscheiden.

Eine Niederlage wäre ein weiterer Rückschlag für den einstigen Tennisstar, der 1999 seine Profikarriere beendet hatte. Im Oktober 2002 verurteilte das Münchner Landgericht Becker wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 500.000 Euro. Das Gericht sah es damals als erwiesen an, dass Becker dem Fiskus einen Wohnsitz im Münchener Nobelstadtteil Bogenhausen verschwiegen und so 1,7 Millionen Euro vorenthalten hatte. Auch beim Aufbau einer neuen Karriere lief für Becker nicht alles gut: Neben Sportgate stellte auch seine Sportler-Agentur BBM ihre Geschäfte ein.

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