Bertelsmann Geht Thielen in die Verlängerung?

Trotz seines Altershandicaps könnte Gunter Thielen über das Jahr 2005 hinaus Bertelsmann-Chef bleiben. Der frühere BASF-Chef Jürgen Strube schob die Personaldebatte im Vorwege der Strategietagung an. "Es gibt keinen Grund, warum er nicht weitermachen sollte", sagte der einflussreiche Bertelsmann-Aufsichtsrat.

Gütersloh - Ende der Woche will Gunter Thielen mit seinem Führungspersonal aus aller Welt in Berlin die Strategie des Medien-Riesen Bertelsmann für die kommenden Jahre diskutieren. Der 61 Jahre alte Vorstandsvorsitzende denkt dabei möglicherweise langfristiger, als sein 2005 auslaufender Arbeitsvertrag vermuten lassen könnte.

Einen entsprechenden Fingerzeig hat Aufsichtsrat Jürgen Strube im "Wall Street Journal" gegeben, als er für eine Verlängerung der Amtszeit des Frontmannes plädierte. Thielen sei voller Energie. "Es gibt keinen Grund, warum er nicht in dieser Position für die kommenden Jahre weitermachen sollte", sagte der frühere BASF- Vorstandsvorsitzende.

Thielen hatte bereits die Bertelsmann-interne Altersgrenze von 60 Jahren fast erreicht, als er Mitte 2002 den Stab von Thomas Middelhoff (damals 49) übernommen hatte und wirkte deshalb nach außen zunächst wie ein Übergangskandidat. Doch innerhalb eines guten Jahres führte er den Konzern so, wie es vor allem die mächtige Familie des 82 Jahre alten Firmenpatriarchen Reinhard Mohn gerne sah: Konzentration auf die Kernkompetenzen und Konsolidierung des Geschäfts bei verbesserter Rendite. Der Weltkonzern mit Sitz in Ostwestfalen wurde unter Thielens Führung deutlich bodenständiger.

Plansoll erfüllt - dank Thielen?

Der Vorstoß Strubes für Thielen hat Gewicht: Nicht nur ist er als Mitglied des Aufsichtsrat für die Besetzung der Vorstandsämter mitverantwortlich - Strube gehört auch der exklusiven Bertelsmann- Verwaltungsgesellschaft an. Sie hält 75 Prozent der Anteile an der Aktiengesellschaft. Mit Reinhard Mohn, seiner Frau Liz, Sohn Christoph und Tochter Brigitte vereint die Eigentümer-Familie allein vier der acht Stimmen. Neben Strube, Mitarbeitervertreter Erich Ruppik und dem Nachfolger des scheidenden Aufsichtsratschefs Gerd Schulte-Hillen sitzt noch Thielen selbst in dem Gremium.

Im nächsten Jahr wird der 61-Jährige Thielen beim zweitgrößten Medienkonzern Europas vor allem damit beschäftigt sein, den Gewinnbringer RTL gegen die neue Konkurrenz von ProSiebenSat1 mit US-Medienmogul Haim Saban an der Spitze richtig aufzustellen. Die Buch- und Musikclubs der Direct Group sollen die Gewinnschwelle überschreiten und die erst vor wenigen Tagen ausgehandelte Hochzeit im Musikgeschäft mit dem japanischen Elektronikriesen Sony muss gut über die Bühne gebracht werden.

Und auch die Umsatzrendite von derzeit rund fünf Prozent soll "mittelfristig" wie es aus Gütersloh heißt, auf die anvisierten zehn Prozent gehoben werden. Allein dafür wird Thielen vermutlich länger als nur bis 2005 benötigen.

Michael Donhauser, dpa

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