DaimlerChrysler In aller Freundschaft

Es kommt immer seltener vor, dass der Personalchef eines Großkonzerns freundliche Kontakte zu einem Betriebsrat pflegt. Karriereschädigend wirkt so ein gutes Arbeitsklima aber nicht. Zum Beispiel wurde der Vertrag des allseits wohlgelittenen DaimlerChrysler-Vorstands Günther Fleig gerade verlängert.

Stuttgart - Erst im Herbst machte er von sich reden. Günther Fleigs Vorschlag, bei DaimlerChrysler  eine interne Jobagentur einzurichten, wirbelte einigen Staub auf. Damit will er unterschiedliche Werksauslastungen und kurzzeitige Personalüberhänge zusammenbringen. Gerade hat der Aufsichtsrat Fleig als Personalvorstand und Arbeitsdirektor bestätigt.

Sein Vertrag wurde um fünf Jahre bis 2009 verlängert. Seit Oktober 1999 hat der 54-jährige Schwarzwälder diesen Posten.

"Eine Verwirklichung dieser Pläne", so wetterte Arbeitnehmervertreter Erich Klemm über die Jobagentur, "hätte zur Folge, dass jeder künftige Beschäftigte in der Produktion als moderner Arbeitsnomade von Werk zu Werk ziehen müsste." Der Vorteil für die Arbeitnehmer wäre, dass sie bei Kürzungen in der Produktion nicht überflüssig würden, hielt Fleig ihm entgegen.

Die beiden kämpfen mit nicht weniger harten Bandagen als andere auch. Dennoch sind sie nicht nur Gegenspieler, sondern auch Partner bei DaimlerChrysler. Fast so, wie es das Idealbild der betrieblichen Mitbestimmung will. Dazu gehört, dass sie sich in Verhandlungen nichts schenken. Aber beide können einander zuhören und ganz pragmatisch zu Kompromissen finden. Nebenbei sollen sie persönlich sehr gut miteinander auskommen.

"Der Tarif hat uns stark gemacht"

Das überrascht nicht, hält doch Fleig, im Gegensatz zu vielen Berufsgenossen, das deutsche Tarifwesen für eine sinnvolle Sache. "Der Flächentarifvertrag hat mitgeholfen, die Automobilindustrie stark und produktiv zu machen", zitierte ihn kürzlich die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Ein gewichtiges Wort, und Fleigs Wort hat Gewicht. Unter anderem ist er Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Personalführung. Neben seiner langjährigen Erfahrung für den Stuttgarter Autoriesen kann er auf Führungstätigkeiten beim Konsumgüterhersteller WMF verweisen. Seine Karriere begann er bei KPMG.

Die Vertragsverlängerung in der Tasche, darf er sich also weiter mit Erich Klemm streiten. Worum es gehen wird, steht längst fest. Das Thema der Jobagentur ist noch nicht vom Tisch. Außerdem soll schon bald über die Zukunft der 2500 Dienstleistungsangestellten bei Daimler verhandelt werden.

Fleig würde für sie gerne eine billigere tarifliche Regelung finden als die bis dato üblichen Metallergehälter. Dabei hat er einen sicheren Trumpf in der Hand. Kommt ihm die Gewerkschaft nicht entgegen, wird er Aufträge wie Putz- und Kantinendienste über kurz oder lang an externe Firmen auslagern, die für weniger Geld länger arbeiten. Bei aller Freundschaft: Diese Trumpfkarte wird Fleig, wenn es sein muss, ausspielen.

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