Maut-Desaster Nach mir die Sintflut

Bei DaimlerChrysler sorgte Klaus Mangold dafür, dass die Sparte Services zur profitabelsten des Konzerns wurde. Heute wird er offiziell verabschiedet, aber in seinen Schlussakkord mischt sich ein Misston: Das Maut-Debakel.
Von Karsten Langer

Hamburg - Eigentlich ging in seinem Leben alles glatt: Studium in Heidelberg und am renommierten Institut Sciences Politiques et Èconomiques in Paris, Promotion zum Dr. jur., Geschäftsführer, Vorstandsmitglied, Spartenchef - an der Karriere des Klaus Mangold gab es bis vor kurzem nichts auszusetzen. Heute wird der respektierte DaimlerChrysler-Vorstand nach über acht Jahren Vorstandstätigkeit beim Autokonzern seinen Hut nehmen.

Alles in allem hinterlässt Mangold seinem Nachfolger Bodo Uebber ein geordnetes Haus: Das Ressort Services glänzt mit den besten Ergebnissen, die je erwirtschaftet wurden. Schon im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres hatte der Gewinn im operativen Geschäft die magische Milliarden-Euro-Marke geknackt. "Mit drei Prozent der Belegschaft erzielen wir zehn Prozent des Umsatzes und ein Drittel des Konzernergebnisses", sagte ein sichtlich zufriedener Mangold anlässlich der Bilanzpräsentation.

Vielleicht auch deshalb wird er nach seinem Abgang DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp weiter beratend zur Seite stehen und mit Gerhard Schröder und dessen Wirtschaftsdelegationen in der Weltgeschichte herumreisen. Nicht umsonst hat er beste Kontakte in den zukunftsträchtigen Osten.

Einmal im Leben hat sich Mangold verhoben

Seit März 2000 hat Mangold den Vorsitz des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft inne. Auch bei DaimlerChrysler soll Mangold nach seinem Ausscheiden die Region Osteuropa und Zentralasien weiter betreuen. Außerdem wird er fortan zusammen mit Jürgen Weber und Heinrich von Pierer im Namen der Bundesregierung die Wirtschaftsförderungsagentur "Invest in Germany" leiten.

Eigentlich also ist Klaus Mangold ein Mann, auf den man sich verlassen kann. Aber einmal in seinem Leben hat Klaus Mangold sich verhoben, und das gründlich. Innerhalb von elf Monaten wollte das Konsortium Toll-Collect, an dem DaimlerChrysler mit 45 Prozent beteiligt ist, ein funktionsfähiges Maut-System auf die bundesdeutschen Straßen bringen. Zusammen mit der Deutschen Telekom sollte das internet- und satelitengestützte Abrechnungssystem die Revolution in der Bewirtschaftung der transitgeplagten Autobahnen sein.

Klaus Mangold persönlich mit seinen guten Kontakten in die Politik sei es gewesen, der die Bundesregierung von den Plänen des Konsortiums überzeugte. "Mit Toll Collect bekommt Deutschland eines der weltweit modernsten und intelligentesten Systeme", sagte Mangold vor gut einem Jahr. Die Konkurrenz monierte später, bei der Ausschreibung des Milliardenauftrages sei es nicht mit rechten Dingen zugegangen, die Projektbeschreibung sei genau auf die deutschen Konzerne zurechtgeschnitten gewesen.

"An uns scheitert die Einführung nicht"

"An uns scheitert die Einführung nicht"

Die Bundesregierung hatte vollstes Vertrauen in das Konsortium. Übereifrig strich das Verkehrsministerium die Maut-Vignette für Spediteure zum Sommer dieses Jahres. Das hätte Verkehrsminister Stolpe besser sein lassen sollen. Denn bis heute funktioniert das System nicht, ein Starttermin ist nicht in Sicht und wird bisher - wahrscheinlich in Hinsicht auf Haftungsfragen - von Toll Collect auch nicht genannt.

Die Maut-Frage ist Mangold zur Gretchenfrage geworden. Als die Mängel im System ruchbar wurden, reagierte der erfolgsverwöhnte Manager nach der Devise: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. "An uns scheitert die Einführung nicht", wiederholte Mangolds Adlatus Michael Rummel ein ums andere Mal. Als die Einführung dann doch scheiterte, musste Rummel Mitte Oktober seinen Hut nehmen.

Mangolds Durchhalteparolen in Sachen Maut waren juristisch unverfänglicher. "Wir halten den Vertrag ein", sagte er noch im Sommer , als das Projekt zu scheitern drohte. Nun streiten sich die beteiligten Parteien, wie der Vertrag auszulegen ist. Es geht um Millionen, wenn nicht sogar um Milliarden Euro, der Staatshaushalt gerät wegen der horrenden Ausfälle ins Wanken. Verkehrsminister Stolpe droht mit Kündigung, sollte sich die Situation nicht umgehend bessern.

"Ich gehe dann in Pension"

Erster möglicher Kündigungstermin ist der 15. Dezember, Mangolds offizieller Ausscheidungstermin bei DaimlerChrysler. Welchen Ausgang die unendliche Mautgeschichte auch immer nehmen mag - der Imageschaden für die deutschen Konzerne ist schon jetzt immens. Und auch der Imageschaden für Klaus Mangold. "Das System wird im nächsten Jahr laufen", versichert Mangold tapfer, als sei die Sache damit aus der Welt. Außerdem, wiegelte Mangold gegenüber der "Stuttgarter Zeitung" ab, stelle DaimlerChrysler weder Software noch Hardware her, auf deren Fehler viele Toll-Collect-Verzögerungen gründen.

Auf die Frage, ob ihm unwohl sei in Hinblick auf den 15. Dezember, zitierte die "Süddeutsche Zeitung" Mangold noch im Oktober: "Wieso? Ich gehe dann in Pension." Damals wollte er wohl andeuten, dass bis zu diesem Termin alle Maut-Probleme beseitigt seien. Heute klingt es, als habe er sagen wollen: Nach mir die Sintflut.

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