Bertelsmann Die Gentlemen bitten zur Kasse

Weder die Fürsprache von Thomas Middelhoff noch die Unterstützung von Steve Case halfen: Bertelsmann muss zwei Ex-Managern über 250 Millionen Dollar zahlen. Die beiden Manager hatten vor Gericht behauptet, ihnen sei eine Beteiligung am Verkaufserlös der früheren Konzerntochter AOL Europe versprochen worden.

Santa Barbara - Nach dem Urteil einer US-Jury muss der Medienkonzern Bertelsmann zwei Ex-Angestellten über 250 Millionen Dollar zahlen. Die beiden Manager hatten auf einen "fairen Anteil" am Verkaufserlös der früheren Konzerntochter AOL Europe geklagt.

Die Geschworenen im kalifornischen Santa Barbara warfen dem Konzern Vertragsbruch vor. Bertelsmann-Anwalt Anthony Murray sagte nach der Urteilsverkündung, dass es für den Konzern "nicht akzeptabel" sei, den beiden Klägern die von der Jury vorgeschlagene Summe von insgesamt 254 Millionen Dollar zu zahlen.

Die früheren Bertelsmann-Beschäftigten Andreas von Blottnitz und Jan Henric Buettner hatten das Unternehmen auf einen "fairen Anteil" am Erlös aus dem Verkauf der Bertelsmann-Beteiligung an AOL Europe verklagt. Dabei war seitens der Kläger anfangs von 3,5 Milliarden US-Dollar die Rede. Bertelsmann hatte seine Anteile für über 6,5 Milliarden Dollar an den US-Konzern AOL Time Warner (heute Time Warner) veräußert.

Ulrich Koch, Chef-Syndikus von Bertelmann, bezeichnete das Urteil als "zwiespältig". Er werte es als einen Erfolg, dass die Milliardenforderung abgewiesen wurde, bezeichnete aber die von der Jury verhängte Millionensumme als "viel zu viel". Er halte es für wahrscheinlich, dass der zuständige Richter in den kommenden zwei Wochen der Juryentscheidung zustimme. Koch und Murray stellten in Aussicht, dann einen neuen Prozess zu beantragen oder gegen das Urteil Berufung einzulegen.

In dem im September begonnenen Prozess argumentierten die Kläger, ihnen sei während ihrer Zeit bei Bertelsmann eine Erfolgsbeteiligung zugesichert worden, als sie maßgeblich zum Aufbau von AOL-Europe beigetragen hätten. Koch zufolge wurde den beiden Managern zwar eine "unternehmerische Beteiligung" an einem Programm für Führungskräfte angeboten, aber keine "Kapitalbeteiligung". Die Juroren in Kalifornien hätten dies fälschlicherweise als Erfolgsbeteiligung angesehen.

Für den Prozess wurden nach Murrays Angaben Tausende Seiten mit deutschem Text ins Englische übersetzt. Die Geschworenen hörten unter anderem Zeugenaussagen von dem früheren Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff und dem Ex-Vorsitzenden von AOL, Stephen Case, die beide die Ansprüche der Kläger zurückwiesen.

Von 1995 bis 1997 war Buettner Geschäftsführer von AOL Deutschland. Von Blottnitz übernahm seinen Posten bis 1999. Heute ist Buettner Geschäftsführer des US-Unternehmens BV Capital. Von Blottnitz leitet eine Bertelsmann-Tochterfirma in Kalifornien.