Hengstenberg Gib dem Weltmarkt Saures

Sauerkraut machte Hengstenberg groß - und dennoch gehört der Familienbetrieb zu den kleinen Krautern, die sich über ihre Position im Welthandel Gedanken machen müssen. Kein Grund, sauertöpfisch in die Zukunft zu blicken, befindet Hengstenberg und macht die saure Marke zum guten Spiel.

Esslingen - "Wir haben eine starke Marke mit hoher Bekanntheit. Auf der Preisschiene mischen wir nicht mit, wir bieten lieber einen attraktiven Mehrwert", erklärt Steffen Hengstenberg die Marschroute. Er trägt nicht nur den Namen eines bekannten Unternehmens, er ist tatsächlich auch Pressesprecher des 127 Jahre alten Familienbetriebs für feinsaure Lebensmittel, Hengstenberg.

Doch der Rückschluss, Hengstenberg sein bei Hengstenberg, weil er Hengstenberg heiße, ist falsch. Das Unternehmen habe eine sehr professionelle Struktur, betont denn auch der Geschäftsführende Gesellschafter, und der heißt Heinz von Kempen: "Familienmitglied sein reicht nicht, um hier einen verantwortlichen Posten zu besetzen. Die Funktionen werden nach Eignung vergeben."

So ähneln auch die Probleme und Perspektiven des Sauerkrauters denen der Konkurrenz. Trotz des wachsenden Angebots an Billigprodukten will sich das Traditionsunternehmen Hengstenberg nicht auf einen Preiskampf einlassen. Doch die Krise im Einzelhandel geht auch an dem Produzenten von Kraut- und Sauerkonserven, Essig und Tomatenprodukten nicht spurlos vorüber: "Wir werden unser Umsatzziel 2003 nicht erreichen."

Heißer Sommer, wenig Kohl

Verantwortlich dafür ist zum einen der Verkauf des Fleischsalatgeschäfts, vor allem aber der heiße, trockene Rekordsommer, wie von Kempen sagt. Die Hitze wirkte sich negativ auf den Absatz wichtiger Warengruppen aus, die Trockenheit führte zu Versorgungsschwierigkeiten bei den Kohlprodukten. Dennoch rechnet das Unternehmen für 2003 mit einem Ergebnis über dem des Vorjahres. Und da konnte Hengstenberg seinen Umsatz um immerhin drei Prozent auf 143,5 Millionen Euro steigern.

Die Zukunft sieht von Kempen im internationalen Wettbewerb. Die Globalisierung mache auch vor dem Familienbetrieb in Esslingen am Neckar nicht Halt, dem gelte es sich zu stellen. Das Unternehmen hat schon heute einen Exportanteil von zehn Prozent und hofft sowohl mit dem typisch deutschen Produkt Sauerkraut als auch sauer eingelegten Gemüsen in Europa, Japan und den USA auf ein großes Potenzial.

Also alles wie bei anderen Betrieben? Nicht ganz. Eine Standortverlagerung ins Ausland, wo sich vielleicht günstiger produzieren ließe, steht bei Hengstenberg - im Gegensatz zu manchem Großkonzern - nicht auf der Agenda. "Unsere hochtechnologische Produktion ist ein komplexes Gebilde und ist Teil unserer Qualitätsphilosophie", betont von Kempen.

Und schließlich pflegt man bei Hengstenberg auch das Besondere eines Familienunternehmens. Gerade bei all den Unwägbarkeiten des Marktes sieht der Chef in der Struktur eines Familienunternehmens Vorteile: "Das ist hier nicht wie in einem großen Konzern, wo Manager oft über Fremdbestimmtheit, Zentralisierung und Hierarchien klagen. Es gibt kurze, schnelle Entscheidungswege, die Mitarbeiter haben ein hohes Maß an Identifikation mit dem Unternehmen, und das Betriebsklima ist einfach besser." Vielleicht macht sauer ja tatsächlich lustig.

Antje Homburger, AP

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