Bosch Reise nach Jerusalem

Die Ernennung Franz Fehrenbachs zum Bosch-Lenker sorgte vor einem Jahr für Überraschungen. Nun ist wieder Ruhe im Industriekonzern eingekehrt, die Top-Manager wechseln geräuschlos von einem Führungsgremium ins andere.

Stuttgart - Jetzt ist es offiziell: Der stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsführung und Arbeitsdirektor der Robert Bosch GmbH, Tilman Todenhöfer, wird zum 31. Dezember aus der Geschäftsführung ausscheiden und im Januar in den Aufsichtsrat des Unternehmens eintreten.

Lange galt Todenhöfer als Nachfolger von Ex-Konzernlenker Hermann Scholl. Als Ende Juni überraschend Franz Fehrenbach den Chefposten bei Bosch übernahm, gab Todenhöfer nur wenige Wochen später seine Demission bekannt. Doch sein Einfluss bei Bosch endet damit nicht. Der ehemalige Vize ist mit Wirkung vom 1. Januar 2004 zum Kommissar der Carl-Zeiss-Stiftung bestellt worden.

Doch er erhält dort nicht die Machtfülle, die heute mit dem Amt verbunden ist: Die Allgewalt ist nach Ansicht von Amtsinhaber Heinz Dürr (70), der sich aus Altersgründen zurückzieht, angesichts der Größe der Stiftungsunternehmen Carl Zeiss und Schott Glas nicht mehr zeitgemäß. Juristen tüfteln nun an einer neuen Stiftungssatzung, die den ersten Mann mehr unter Kontrolle stellt als heute.

Siegfried Dais rückt auf

Außerdem wird Todenhöfer zum Jahreswechsel als persönlich haftender Gesellschafter Mitglied des eigentlichen Machtzentrums im Konzern - der Robert Bosch Industrietreuhand KG, jener Gesellschaft, in der nur die handverlesene Führungselite aufgenommen wird.

Neuer stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung wird Siegfried Dais. Er ist seit Mitte 1999 Mitglied der Geschäftsführung. Der 55 Jahre alte promovierte Physiker ist bei Bosch für die Forschung und die Entwicklungskoordination in der Kraftfahrzeugtechnik sowie für Automobilelektronik zuständig.

Nach außen trat Dais bislang kaum in Erscheinung. Der Mann, der seine berufliche Laufbahn am Max-Planck-Institut begann, gilt als introvertiert - im technokratischen Bosch-Konzern nicht unbedingt ein Makel. Nachfolger von Todenhöfer als Arbeitsdirektor wird wie erwartet Wolfgang Malchow, der zum 1. Januar in die Geschäftsführung von Robert Bosch berufen worden ist.

Neu in die Geschäftsführung wird mit Wirkung vom 1. Januar Rudolf Colm berufen. Colm ist derzeit als Mitglied der Geschäftsleitung der Robert Bosch SpA, Mailand, zuständig für den Bereich Kaufmännische Aufgaben und Verkauf Handelserzeugnisse. Colm übernimmt den neu eingerichteten Regionalbereich Asien-Pazifik sowie die Zentralabteilung Einkauf und Logistik.

Gotthard Romberg, seit 1999 Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH, scheidet dagegen zum 31. Dezember wegen Erreichens der Altersgrenze aus dem Unternehmen aus.