Samstag, 19. Oktober 2019

Familie Moeller Der Patriarch und der Schwiegersohn

3. Teil: Wie doch noch der Verkauf glückte

Die kreditgebenden Banken wollten diesem Treiben schließlich nicht mehr länger tatenlos zusehen - und forderten die Zufuhr von liquiden Mitteln. Als dies die Familie verweigerte, wurde der Tonfall der Bankvertreter schärfer. Entweder ihr nickt die Käufersuche ab, oder wir drehen den Geldhahn zu - hieß das Motto.

Fast zwei Jahre wälzten immer wieder andere Konkurrenzunternehmen oder Finanzierungsgesellschaften die Bücher von Moeller - und verwarfen einen Einstieg. Hoffnung tat sich auf, als die Private-Equity-Gesellschaft Citigroup Venture Capital mit Moeller in diesem Frühling eine Grundsatzvereinbarung über einen Kauf abschloss. Die EU-Kommission gab ihr Plazet, und doch der Deal kam dennoch nicht zu Stande. Wie es hieß, habe eine der Gläubigerbanken ihr Veto eingelegt.

Mitte Dezember stieg schließlich der US-Investor Advent International ein. Die 20 Banken mit der Commerzbank Börsen-Chart zeigen als Konsortialführerin verzichten auf einen Teil der Außenstände. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Beobachter halten es aber durchaus für wahrscheinlich, dass die Altgesellschafter für ihre Firma dennoch kaum noch Bares erhalten haben.

Am Hungertuch jedoch wird Gert Moeller nicht nagen müssen. Umso mehr dürfte ihn mit Verdruss die Erinnerung an die vergangenen Jahre erfüllen. Vielleicht verwünscht er sogar die Entscheidung, das Erbe seines Vaters fortgeführt zu haben, statt von Anfang an dem Schreiben zu frönen. Denn nichts fasziniert Gert Moeller so sehr wie die schöngeistige Literatur. Und das Hobby hat gegenüber dem Beruf einen entscheidenden Vorteil: Es muss nicht auf wirtschaftlichem Erfolg angelegt sein.

Folgerichtig hat Moeller sein Märchenbuch "Jörgs große Reise" nicht für die Massen geschrieben. Der Band war eine Auftragsproduktion, die meisten gedruckten Exemplare gab Moeller unentgeltlich weiter.

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