Dienstag, 28. Januar 2020

Erivan Haub Menschensammler und Ladenhüter

3. Teil: Sanierungsfall Tengelmann

Das Traditionshaus gerät zum Sanierungsfall

Allzu lange hatte der allein geschäftsführende Gesellschafter unrentable Unternehmensbereiche durchgeschleppt, statt sie zu straffen oder ganz abzugeben. Verlustreiche Filialen hatte Haub stets lieber umgewidmet, Supermärkte zu Drogerien gemacht oder in einen Kleidermarkt verwandelt, als sie zu schließen. Bisweilen entschied er sich gar für kostspielige Modernisierungen, ohne seine Profitaussichten damit wirklich zu verbessern.

 Bekannt für Bilanzpressekonferenzen mit politischer Botschaft: Karl-Erivan Haub
DPA
Bekannt für Bilanzpressekonferenzen mit politischer Botschaft: Karl-Erivan Haub
Sein oberstes Ziel sei es, das Unternehmen mit allen Mitarbeitern zu erhalten und dabei Ethik und Sozialverträglichkeit zu wahren, erklärte Haub seine Motive. Andere sammelten Bilder und Autos, er dagegen Läden und Menschen. Ein teures Hobby: Dem Vernehmen nach hat Haub einen dreistelligen Millionenbetrag aus seinem Privatvermögen zuschießen müssen.

Die Herkulesaufgabe der Tengelmann-Sanierung hat der Senior inzwischen der nächsten Generation übertragen. In einer der kritischsten Phasen der Unternehmensgeschichte hat er sich zur Jahrtausendwende "schweren Herzens" - und nicht ganz reibungslos - von seinem Chefposten zurückgezogen, die 50-Prozent-Beteiligung am Konzern gleichwohl behalten. Das operative Geschäft leiten nun die Söhne Karl-Erivan, Georg und Christian Haub.

Tengelmann wird normal

Sie teilen sich auch das Eigentum an der anderen Hälfte von Tengelmann. Karl-Erivan, der älteste und langjährige Stellvertreter des Vaters, kümmert sich um das Europa-Geschäft und ist Vorsitzender der Geschäftsleitung der Unternehmensgruppe.

Verantwortlich für das US-Geschäft: Christian Haub
Der jüngste Sohn, Christian Haub, bestimmt nach wie vor die Geschicke der US-Tochter A&P, während Georg Haub die Immobilien der Gruppe betreut. Die Arbeitsteilung funktioniert gut: 2001/2002 überraschte Tengelmann mit Zahlen, die alle Erwartungen übertrafen.

Zwar sind längst nicht alle Tochtergesellschaften über den Berg. Die Supermärkte leiden unter der Konsumflaute, A&P schreibt hohe Verluste. Doch 2003, nachdem sich die Tengelmänner von zahlreichen Geschäftsbereichen getrennt und einen Beirat eingeführt haben, können sie unwidersprochen behaupten: "Bei uns kehrt wieder Normalität ein."

Damit tritt der wichtigste Unterschied der jungen Generation zum Patriarchen Erivan Haub zutage. Karl-Erivan, der mit betriebswirtschaftlicher Professionalität vorgeht, sagte einmal, das Unternehmen sei für seinen Vater nicht irgendein Investment. "Tengelmann ist sein Lebenswerk", so der Junior.

Deutschland, deine Unternehmer: Von Siegern und Verlierern


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