Dienstag, 28. Januar 2020

Erivan Haub Menschensammler und Ladenhüter

2. Teil: Kampf den Froschschenkeln

Kampf den Froschschenkeln

Ähnlich unternehmungslustig zeigte sich der Großkrämer im Inland. Den Tengelmann-Supermärkten stellte er nicht allein den Markendiscounter Plus sowie die Grosso- und Magnet-SB-Warenhäuser zur Seite.

Von der Ruhr in die ganze Welt: Tengelmann-Zentrale in Mülheim
Hinzu kamen die Obi Bau- und Heimwerkermärkte sowie Kik, eine Ladenkette für Billigtextilien. Kaum ein Artikel des täglichen Gebrauchs also, den Höker Haub seiner Millionenkundschaft nicht feilbot.

Nach innen pflegte der expansionsfreudige Eigentümer-Unternehmer dabei einen patriarchalischen Führungsstil alter Fasson. Motto: Einmal ein Tengelmann, immer ein Tengelmann. Oder wie Haub es formulierte: "Wenn sich jemand für uns entschieden und keine goldenen Löffel geklaut hat, dann sollte er bei uns seine Heimat finden."

Arbeitnehmervertreter schätzten es, dass der Firmenlenker ihren Vorschlägen bisweilen auch gegen den Willen seines Managements folgte. Um sein hohes Ansehen bei den Mitarbeitern nicht zu gefährden, überließ der Patron das Überbringen schlechter Nachrichten denn auch für gewöhnlich anderen.

Öffentlich für Furore sorgte Haub indes weniger mit seiner bemüht sozialen Art der Unternehmensleitung als durch sein ausgeprägtes ökologisches Verantwortungsbewusstsein. Schildkrötensuppe und Froschschenkel strich er frühzeitig aus dem Sortiment, er nahm keine phosphathaltigen Waschpulver mehr ab, orderte nur noch Sprays mit umweltverträglichen Treibgasen und ließ vor dem Hintergrund des Brent-Spar-Debakels die firmeneigenen Fahrzeuge Shell-Tankstellen boykottieren, um gegen die geplante Versenkung der Ölplattform im Meer Stellung zu beziehen.

So konsequent Haub sich dem Naturschutz verschrieb, dafür auch ökonomische Einbußen hinnahm, so konsequent schob er aber auch überfällige Einschnitte und Restrukturierungsmaßnahmen auf die lange Bank. Die Quittung erhielt der Tengelmann-Herrscher vor zehn Jahren, als sich in der Kasse ein Milliardenloch auftat.

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