Netzwerke Seilschaften für den Karriere-Olymp

Kontaktpflege, so glauben viele Deutsche, ist für die Karriere ebenso wichtig wie Leistung - mindestens. Doch das Netzwerk für den Aufstieg kommt nicht von ungefähr. Eine Handvoll Regeln hilft, das Beziehungsgeflecht systematisch zu knüpfen.

Paderborn - Das Pflegen von Kontakten in der Firma ist nach Ansicht der meisten Bundesbürger mindestens so wichtig für die Karriere wie die eigentliche Leistung. Bei einer neuen Umfrage unter 3500 Arbeitnehmern gaben 41 Prozent sogar an, dass Seilschaften im Unternehmen einen höheren Rang als die Arbeitsergebnisse hätten.

Das teilte das Arbeitsmarkt-Internetportal Jobware in Paderborn mit. 40 Prozent hielten beides für gleichrangig. Nur etwa jeder fünfte sagte, in seiner Firma seien Leistung und Kompetenz entscheidend.

Das größte Vertrauen in die Gerechtigkeit ihrer Vorgesetzten hatten nach der Umfrage Beschäftigte aus dem Öffentlichen Dienst. Hier glaubten 27 Prozent, dass bei der Beförderung nur Leistung zählt. Im Handel seien es 25 Prozent. Im Bereich Werbung und PR schmelze der Anteil schon auf 21 Prozent.

"Ohne den Draht zum Chef geht nichts"

Am skeptischsten zeigten sich bei der Umfrage die Arbeitnehmer bei Banken, Finanzdienstleistern und Versicherung. Dort setzen nur 13 Prozent auf die reine Überzeugungskraft ihrer Leistung. Knapp jeder Zweite stimmte hier jedoch der Aussage zu: "Ohne den Draht zum Chef und die richtige Seilschaft geht in unserem Unternehmen nichts."

Gerade angesichts wachsender Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt neigen viele Berufstätige dazu, ihre Kollegen als Widersacher anzusehen. Dabei könnten geschickt geknüpfte Kontakte beim Karrieresprung helfen, so Ulla Pöllinger, Vorstandsmitglied des EWMD (European Women's Management Development Network). "Uns liegt eine Studie vor, die besagt, dass für beruflichen Erfolg 60 Prozent Kontakte, 30 Prozent Selbst-PR und nur 10 Prozent Wissen und Know How ausschlaggebend sind"

Pöllinger gibt auch Tipps, wie der Aufbau des eigenen Netzwerkes funktionieren kann. Wer von beruflichen Kontakten profitieren will, der muss zunächst seine eigenen Ziele festlegen. Danach wird das bestehende Umfeld danach analysiert, welche Personen dabei helfen können, die festgesteckten Ziele zu erreichen.

Geben ist seliger als Nehmen

Geben ist seliger als Nehmen

Beim Aufbau und bei der Pflege dieser Kontakte ist Sensibilität gefragt. So sollte man derartige Beziehungen behutsam aufbauen und immer darauf achten, dass sich das gegenseitige Geben und Nehmen die Waage hält. Denn wenn nicht beide Seiten von der Beziehung profitieren können, weiß Pöllinger, funktioniert das Netzwerk-Prinzip nicht und der Kontakt bleibt nicht dauerhaft bestehen.

Um das eigene Netzwerk aufzubauen oder zu vervollständigen, bieten sich geschäftliche Treffen ebenso an wie die Mitgliedschaft in bereits bestehenden Organisationen. Ob in einer Organisation oder privat: Am Anfang des Kontaktknüpfens sollten ein nettes Gespräch und der Austausch von Visitenkarten stehen.

Nach diesem ersten Kennenlernen sollte man maximal drei Tage verstreichen lassen, bis man sich dem Gegenüber unaufdringlich durch ein Telefonat oder eine E-Mail ins Gedächtnis ruft. Am besten funktioniert das, wenn man sich nach dem Treffen die Vorlieben und Schwerpunkte der neuen Bekanntschaft notiert hat. So finden sich leicht Anknüpfungspunkte.

Nach der ersten Kontaktaufnahme sollte die neue Bekanntschaft regelmäßig und vor allem feinfühlig gepflegt werden: Denn häufig verstreicht eine geraume Zeit, bis aus der lockeren Job-Bekanntschaft eine für beide Seiten nützliche Beziehung entsteht.

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