Dietmar Hopp Vadder Hopp

Zusammen mit vier Kollegen machte Dietmar Hopp aus SAP eine Weltmarke, doch trotz Milliardengewinnen blieb er immer bodenständig. Seit seinem Rückzug aus der Unternehmensspitze widmet er sich ausgiebig dem Sport - mit Erfolg. Anfang Dezember fegte sein innig geliebter TSG Hoffenheim die Profis von Bayer Leverkusen vom Platz.
Von Katy Weber und Matthias Kaufmann

Walldorf - Schon der Heidelberger Zungenschlag verbreitet Gemütlichkeit, die Erscheinung ist eher unscheinbar. Am liebsten entspannt er sich bei einem Glas Bier und parliert über seine große Leidenschaft, den Sport. Aber wenn sich Dietmar Hopp für etwas engagiert, ist er mit Leib und Seele dabei. Seine Erfolge beim Golf etwa, Handicap elf. Oder die großzügig ausgestattete Dietmar-Hopp-Stiftung, die der Krebsbekämpfung gewidmet ist.

Selbst als er in diesem Jahr persönlich angegriffen wurde, machte er daraus so etwas wie ein gesellschaftliches Engagement - freilich nicht ohne damit für das eigene Anliegen um Verständnis zu werben. Er hatte für Bernhard Termühlen, früherer Chef des Finanzdienstleisters MLP, mit seiner Stiftung, aber auf eigenes Risiko eine Bürgschaft übernommen und wurde deshalb der Untreue verdächtigt . Die Staatsanwaltschaft Mannheim durchsuchte daraufhin sein Privathaus, sein Büro bei SAP und die Kanzlei seines Steuerberaters. Hopp sprach von einem "Willkürakt".

"Was auch immer über SAP berichtet wird - wenn die Sprache auf mich kommt, fällt stets der Halbsatz: '... gegen den die Staatsanwaltschaft gerade ermittelt'", sagte er damals gegenüber manager-magazin.de und begründete damit seinen Anzeigenfeldzug gegen das Vorgehen der Ermittler: "Ich muss meine Ehre wieder herstellen." Doch selbst in der Schlammschlacht, die folgte, bewahrte er Fassung.

Die Bürger der Walldorfer Region lud er ein, sich bei seinen Anwälten zu melden, wenn auch sie schlechte Erfahrungen mit der Staatsanwaltschaft gemacht hätten. Eine gesellschaftliche Diskussion wolle er damit lostreten, über Vorverurteilungen und Rechtspolitik und ein bekanntes Problem in der Juristerei - Lehrsatz: "Der Rechtsschutz des Verdächtigten beginnt erst mit dem Hauptverfahren." Der Verdacht gegen Hopp wurde schließlich im Vorverfahren ausgeräumt.

Mehr Freude hat er beim Sport, für den er sich nicht minder engagiert. Dem am Boden liegenden Mannheimer Eishockeyclub "Adler" half er auf die Beine, ebenso seinem Heimatfußballverein TSG Hoffenheim, der als vorläufigen Höhepunkt seiner unverhofften Karriere Anfang Dezember die Profikicker von Bayer Leverkusen bis auf die Knochen blamierte. Kaum ein Spiel, das Hopp versäumt. Zur Not reist er mit dem Learjet an oder lässt sich die Partie via Webcam übertragen.

SAP, ein Computermärchen

SAP, ein Computermärchen

Aber statt sich mit Profis aus dem am Boden liegenden Spielermarkt einzudecken, zieht Hopp seine Mannschaften lieber selbst heran. Bedingung für alle Spieler: Sie müssen einen Job ausüben, zumindest halbtags. Die Ausnahmen werden gegenwärtig auf zwei beziffert.

Nichts allerdings spiegelt den sportlichen Ehrgeiz Dietmar Hopps annähernd wider wie die Erfolgsstory von SAP. Mit vier Mitstreitern gründete der heute 63-Jährige 1972 den Software-Riesen.

Er wurde schnell zur Integrationsfigur mit dem Spitznamen "Vadder Hopp". Nach dem Börsengang 1988 stand er als Vorstandschef lange Jahre an der Spitze des Unternehmens, das sich im Laufe der Jahre von einem Neun-Mann-Betrieb zu einem Weltkonzern mauserte.

Hopp, der nach dem Abitur Nachrichtentechnik studierte und das Studium als Diplomingenieur abschloss, startete seine berufliche Karriere bei IBM. Die Datenverarbeitung reizte ihn bereits zu Studienzeiten, bei IBM brachte er die Software-Entwicklung voran und arbeitete später als Systemberater.

1972 hielten er und seine vier Kollegen - Hasso Plattner, Klaus Tschira, Hans-Werner Hector und Klaus Wellreuther - die Zeit für gekommen, sich selbstständig zu machen. Sie waren davon überzeugt, dass sich bei Großunternehmen eingesetzte Computerprogramme vereinheitlichen und als Standardprodukte herstellen ließen.

In Walldorf gründeten sie die Firma, "Systeme, Anwendungen, Produkte in der Datenverarbeitung", kurz SAP , und strichen bereits am Ende ihres ersten Geschäftsjahres bei einem Umsatz von 620.000 Mark einen Gewinn ein.

Hopp klebt nicht an seinem Stuhl

Heute sind die Software-Lösungen des Konzerns weltweit verbreitet, der Konzern beschäftigt in über 50 Ländern rund 22.000 Menschen und machte im Geschäftsjahr 2002 rund 7,4 Milliarden Euro Umsatz.

Trotz seiner Erfolge und seiner emotionalen Bindung an SAP ist Hopp niemand, der alles an sich reißt und nicht erkennt, wann es Zeit ist zu gehen. Unerwartet schied er im Februar 1998 aus dem Vorstand aus, nachdem er sich ein Jahr lang den Platz an der Spitze mit Hasso Plattner geteilt hatte.

Die Auseinandersetzung mit der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre um angebliche persönliche Bereicherung der Vorstände und Schlagzeilen um Insidergeschäfte bei SAP hatten ihm zugesetzt. Zudem fiel es auch auf Hopp zurück, dass die Walldorfer den rechtzeitigen Einstieg ins Internetzeitalter beinahe verpasst hätten.

Zunächst kontrollierte der Milliardär die Geschicke bei SAP aus der Position des Aufsichtsratsvorsitzenden. Auch diesen Posten gab er 2003 auf. Das hat auch sein Gutes: Er hat nun Zeit , seine vielfältigen sportlichen Interessen vor allem auf dem Spielfeld auszuleben.

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