SAP Hopps Verein düpiert Bayer Leverkusen

Es war ein Kampf David gegen Goliath: Im Achtelfinale des DFB-Pokals traf der TSG Hoffenheim, Heimatverein und Steckenpferd des SAP-Mitbegründers Dietmar Hopp, auf Bayer Leverkusen. Nach 90 Minuten hatten die Provinzler die Profis bis auf die Knochen blamiert.
Von Karsten Langer

Hamburg - Normalerweise verpasst Dietmar Hopp, SAP-Mitbegründer im Ruhestand, kein wichtiges Spiel seines heimatlichen Fußballvereins, dem TSG Hoffenheim.

Wenn es sein muss, lässt er sich sogar per Learjet in das von ihm gesponserte Dietmar-Hopp-Stadion einfliegen. In die Arena passen 6500 Zuschauer - Hoffenheim selbst ist eine winzige 3000-Seelen-Gemeinde.

Ein einziges Mal nun hatte sich Hopp gegen seinen Verein und fürs Golfen im fernen Florida entschieden. So musste er den Sieg seiner Mannschaft gegen Bayer Leverkusen via Handy mitverfolgen. Zum Abschlag auf dem Fairway in Tampa wird Hopp schwerlich gekommen sein. Denn mit dem Sieg über den Erstligisten hat Hopps Heimatverein den Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals geschafft.

Die Underdogs schlagen die Profis

Der Sieg der Hoffenheimer über die Profis war eigentlich ein Kampf David gegen Goliath. Alle Spieler des TSG sind Amateure. Die meisten Kicker arbeiten werktags bei SAP und trainieren, wenn sie Feierabend haben. Lediglich zwei ehemalige Profis konnte der TSG in der jüngeren Vergangenheit verpflichten.

Ganz anders sieht es dagegen bei der Mannschaft von Bayer Leverkusen, immerhin an dritter Stelle in der Bundesliga-Tabelle, aus. Ob Nowotny, Berbatow oder Lucio - die Bayer-Profis sind altgediente Recken, viele von ihnen haben internationale Erfahrung.

"Dieser Tag wird in die Vereinsgeschichte eingehen"

"Dieser Tag wird in die Vereinsgeschichte eingehen"

In Hoffenheim aber nützte alle Routine nichts. Das Team aus dem 3000-Seelen-Dorf blamierte Bayer Leverkusen bis auf die Knochen.

Stefan Sieger traf in der siebten Minute per Foul-Elfmeter, Heiko Throm in der dreißigsten, Kai Herdling machte 13 Minuten vor Spielende die Sensation perfekt.

Der Endstand: 3 : 2 für Hoffenheim. Für Bayer hatten Lucio (54.) und Dimitar Berbatow (67.) zwar für den 2 : 2-Ausgleich gesorgt. Vor 6500 Zuschauern im ausverkauften Dietmar-Hopp-Stadion hatten Leverkusens Bundesliga-Stars vor allem in der ersten Halbzeit eine indiskutable Leistung geboten.

Leverkusens Trainer Klaus Augenthaler war nach dem Spiel außer sich vor Wut: "Wir haben heute unterirdisch gespielt. Lediglich in der zweiten Halbzeit sind meine Spieler teilweise aufgewacht. Ich habe meine Mannschaft gewarnt, aber wenn sie meint, mit angezogener Handbremse spielen zu können, dann hat sie sich getäuscht. Vielleicht geht es einigen hier schon wieder zu gut."

Dietmar Hopp dagegen wird sich gefreut haben. Seine Strategie und die seines Trainers Hansi Flick, der lange für Bayern München gearbeitet hatte, ging offensichtlich auf. Alle Spieler kommen aus der Region, kennen sich teilweise von frühester Kindheit an, viele von ihnen arbeiten zusammen.

Schon jetzt wird der Teamgeist des TSG mit dem des legendären SC Freiburg verglichen. Die Mannschaft versteht sich als Familie, nicht als zusammengekaufter Söldnerhaufen. Hansi Flicks Kommentar nach dem Spiel wird die Stimmung aller Spieler ausgedrückt haben: "Dieser Tag", so Flick, "wird in die Vereinsgeschichte eingehen."