Gründer-Kolumne Vitamin Euro für den Technologietransfer

Der von der Politik viel geforderte Technologietransfer von deutschen Universitäten in die Praxis stockt, häufig fehlt es an Startkapital. Die Briten machen vor, wie diese Finanzierungslücke geschlossen werden kann.

Das deutsche Hochschulrahmengesetz schreibt es unmissverständlich vor: "Die Hochschulen fördern den Wissens- und Technologietransfer". Damit ist außer Forschung und Lehre ein drittes Standbein für die hochschulpolitische Zukunft formuliert worden.

Was da ins akademische Stammbuch geschrieben wurde, wird aktuell auch durch die Agenda 2010 unterstrichen. Und man findet hier entsprechend die Forderung im Hinblick auf "eine Verbesserung der Rahmenbedingungen von Forschung und Technologie".

Doch für Politik und Wissenschaft gilt gleichermaßen: Wunsch und Wirklichkeit des Technologietransfers klaffen derzeit in Deutschland weit auseinander.

Dies trifft insbesondere auf Ausgründungen aus Universitäten zu. Einerseits fehlt die Motivation innerhalb einer Hochschule der Wichtigkeit des Technologietransfers Rechnung zu tragen. Andererseits mangelt es auch an finanziellen Möglichkeiten für die Unterstützung der wenigen Gründungswilligen.

Das Problem des Technologietransfers

Möchte ein Akademiker seine Forschungsergebnisse und innovativen Ideen aktiv vermarkten, kann er zwecks Hilfe bislang an zwei Türen klopfen: die des Technologiebeauftragten und/oder die der Abteilung für Forschungs- und Technologietransfer. Beide Anlaufstellen sind ihm vor allem mit Rat, weniger mit (finanzieller) Tat behilflich. Doch reicht der Rat allein aus? Kontakte und die Vermittlung von Gründungswissen sind mit Sicherheit notwendig und hilfreich, lösen aber das eigentliche Problem nicht.

So ist der Technologiebeauftragte eine wertvolle Person, der Ideen sondieren und weitere Wege aufzeigen kann. Das Problem liegt jedoch woanders: Forscher haben innovative Ideen und eventuell schon erste Prototypen, benötigen jedoch Geld für die Entwicklung einer marktreifen Technologie beziehungsweise eines marktreifen Produktes. Erst dann wird es für externe Kapitalgeber interessant. Doch woher kommen die Mittel für den Weg dorthin?

Das Problem der Finanzierungslücke

Das Problem der Finanzierungslücke

Zur konkreten Umsetzung einer Idee in eine Innovation und später in ein Produkt, wird zuerst Kapital benötigt. Während der erste Schritt oftmals noch durch allgemeine Forschungsgelder abgedeckt werden kann, fehlen für den zweiten Schritt wirkungsvolle Instrumente, da sich marktorientierte Risikokapitalgeber aus der Frühphasenfinanzierung (Seed) weitgehend zurückgezogen haben. Eine Finanzierungslücke ist entstanden!

Innovative Forschungsergebnisse allein überzeugen heute keinen Venture-Capital-Geber mehr, sich mit sechsstelligen Euro-Beträgen an einem Gründungsvorhaben zu beteiligen. Der gründungsinteressierte Forscher muss vielmehr die kommerzielle Nutzbarkeit seiner innovativen Idee nachweisen können. Doch das kostet Geld: Der Businessplan muss erstellt werden, nicht selten sind weitere F&E-Aktivitäten oder die Erstellung eines Prototypen erforderlich, der Bedarf beim Kunden muss nachgewiesen werden und, und, und ...

Fehlen die finanziellen Mittel für diese Aktivitäten, drohen die Geschäfts- und Produktideen für immer in einer Schublade zu verschwinden. Und nicht selten steht am Ende "lediglich" ein Patent. Patente haben jedoch nur einen Wert, wenn sie die Basis eines vermarktbaren Produktes sind.

Der hierfür notwendige Beweis kostet Geld. Geld, welches marktorientierte Kapitalgeber jedoch erst nach dem Beweis geben wollen. Und so heißt es auf der akademischen Gründerseite: "Erst Geld, dann wird der Beweis möglich" und auf der Kapitalgeberseite: "Erst der Beweis, dann gibt es Geld für den Unternehmensaufbau". Ein Teufelskreis?

Die Lösung aus Großbritannien?

Schon 1998 entwarfen unsere britischen Nachbarn ein Konzept zur Schließung der Lücke in der universitären Frühphasenfinanzierung: die University Seed Funds. In Kooperation mit Wohltätigkeitsorganisationen setzte die britische Regierung einen Fördertopf von anfangs über 45 Millionen Pfund ein, um "good research" in "good business" zu verwandeln.

Universitäten ebenso wie andere öffentliche Weiterbildungs- und Forschungseinrichtungen konnten sich fortan auf Zuschüsse von bis zu 250.000 Pfund bewerben, um eine Kommerzialisierung ihrer Forschungsergebnisse voranzutreiben.

Ziel der Seed Funds war es, eine Gründerkultur an englischen Universitäten zu etablieren und Wissenschaft und Wirtschaft einander näher zu bringen. Wichtig, gefördert wird nicht die Forschung, sondern der Technologietransfer. Das heißt die Forschungsergebnisse und/oder Patente müssen schon vorhanden sein.

Nach zwei Jahren Erhöhung des Budgets

Nach zwei Jahren Erhöhung des Budgets

Bereits zwei Jahre nach der Geburt des Programms erhöhte die britische Regierung - in Folge zahlreicher hochkarätiger Bewerbungen - ihr finanzielles Engagement um weitere 15 Millionen Pfund. Allein im vergangenen Jahr, wurden über 140 Projekte an 31 Universitäten und sieben öffentlichen Einrichtungen in Großbritannien durch Seed Funds unterstützt. Jeder Begünstigte erhielt durchschnittlich 90.000 Pfund.

Wer nun glaubt, die Initiative wurde nur aus politischen Imagegründen ins Leben gerufen, der irrt. Die Initiative stellt alles andere als eine riesige, wirkungslose Finanzierungsspritze der Regierung dar. 53 erfolgreiche Ausgründungen, mit zahlreichen Arbeitsplätzen, gingen aus den geförderten Forschungsprojekten hervor.

Die Vergabe von zugehörigen Lizenzen brachte Gesamteinnahmen in Höhe von 2,4 Millionen Pfund. Und vor allem: Am Ende der Finanzierungsbrücke standen für viele universitäre Startups weitere Investoren mit Beteiligungen von insgesamt über 17 Millionen Pfund.

Ein Modell für Deutschland?

Die University Seed Funds liefern einen möglichen Lösungsansatz, wie man Know-how aus Hochschulen hinaus in die Wirtschaft tragen und dabei noch innovative Unternehmen schaffen kann. In Großbritannien hat sich diese Idee bewährt und sie erscheint auch in Deutschland angesichts vieler noch brachliegender Patente viel versprechend. Auf Grund einer hochwertigen Forschung an deutschen Hochschulen besteht der Engpass nicht auf der Entwicklungsseite, sondern auf der Transferseite.

Wichtig für den sinnvollen Transfer ist jedoch die Qualität in der Zusammensetzung der Bewilligungskommission: Eine Mischung aus dem Technologiebeauftragten, einem Vertreter der Venture-Capital-Branche, einem Mitglied der jeweiligen Landes- beziehungsweise Investitionsbank und eventuell ein erfahrener Unternehmer (Business Angel) erscheinen sinnvoll. Dies vorausgesetzt, können University Seed Funds einen guten Nährboden bieten, um die Kultur der "Dichter und Denker" mit einer Kultur der "Existenzgründer" wirkungsvoll zu vermischen.

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