Skandia-Skandal "Unmoralisch, gierig, kriminell"

Der schwedische Assekuranz-Gigant Skandia wird von einer Skandalserie erschüttert. Immer neue Details über Entlohnung und Luxus-Apartments früherer Spitzenmanager werden bekannt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Stockholm - Der seit Monaten schwelende Skandal ist eskaliert. Zunächst stellte Skandia  einen internen Untersuchungsbericht über das Geschäftsgebahren seiner früheren Führung vor. Daraufhin trat der erst in diesem Jahr gewählte Aufsichtsratschef Bengt Braun mit sofortiger Wirkung zurück.

Zugleich hat auch die Stockholmer Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue eingeleitet. Der Konzern selbst will gegen drei Ex-Spitzenmanager Schadenersatzklagen wegen "zutiefst unmoralischer, gieriger und möglicherweise krimineller" Inanspruchnahme nicht genehmigter Bonuszahlungen und anderer Leistungen erheben.

Hauptfigur des Skandals, den die schwedische Presse mit teils bitterbösen Schlagzeilen begleitet, ist der Ex-Vorstandschef Lars-Eric Petersson. Er war bereits im April geschasst worden. Petersson und zwei weitere ehemalige Spitzenmanager sollen nun vom Konzern auf Rückerstattung der strittigen Bonuszahlungen in Höhe von 550 Millionen Kronen (61 Millionen Euro) verklagt werden.

Boni und Luxus-Apartments

Weitere Details ergeben sich aus dem Bericht des Rechtsanwaltes Otto Rydbeck. Er enthüllte am Montag unter anderem, dass sich insgesamt 80 Mitglieder der Führungsspitze in den Jahren 1997 bis 2000 gegenseitig Bonusleistungen über zwei Milliarden Kronen (220 Millionen Euro) ausgezahlt haben. Ein erheblicher Teil der Summe sei nicht durch Beschlüsse des Aufsichtsrates gedeckt gewesen. Zugleich gab es in der Presse Berichte über die rechtswidrige Nutzung und Weitergabe von Luxuswohnungen durch Spitzenmanager.

Ausgelöst wurden die Skandalwelle schon vor Monaten durch Kritik an Geschäften zwischen dem Mutterkonzern und der Skandia Lebensversicherung. Bei ihnen sollen bis zu 3,2 Milliarden Kronen an Kapital zu Lasten von einer Million Sparern in die Konzernkasse umgelenkt worden sein. Untersuchungsleiter Rydbeck erklärte indes, dass dieser Vorwurf durch seine Untersuchung nicht erhärtet werden konnte.

Für Januar hat Skandia eine außerordentliche Hauptversammlung angekündigt. Mehrere Großaktionäre wollen hier die komplette Auswechslung des Aufsichtsrates verlangen. Der Publizist Arne Ruth, Sprecher von 7000 empörten Policen-Sparern, kündigte zudem umfangreiche Schadenersatzklagen an.

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