SAP Der unaufhaltsame Aufstieg der Hopp-Kicker

Seit 13 Jahren fördert SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp die Fußballer seines Heimatvereins TSG Hoffenheim. Auch hier hat Hopp ganze Arbeit geleistet: Heute besiegen die Amateure altgediente Bundesligaclubs. Hopps Ziel: "Ein Hoffenheimer soll beim WM- Eröffnungsspiel in der deutschen Mannschaft stehen."

Hoffenheim - Der Aufstieg des Fußball-Regionalligisten TSG Hoffenheim begann vor 13 Jahren mit einer Zeitungsmeldung.

Bei der morgendlichen Lektüre erfuhr Dietmar Hopp, dass sein Heimatclub in die A-Klasse abgestiegen war. Der schwerreiche Mitbegründer des Software-Entwicklers SAP  beschloss, dem Verein aus der 3300-Einwohner-Gemeinde zwischen Heidelberg und Heilbronn zu helfen. Allerdings nicht auf die übliche Art. "Eine Mannschaft zusammen kaufen kann jeder", sagte der Gönner.

Deshalb verknüpft er sein Mäzenatentum mit einem sozialen Anspruch. Wer bei der TSG Hoffenheim spielt, sollte möglichst aus der Region kommen und er muss neben dem Fußball eine Ausbildung absolvieren oder einem Beruf nachgehen. Hopp investierte weniger in Beine als in Steine, ließ zwei Jugendförderzentren und ein Trainingszentrum errichten. Das schmucke Stadion trägt seinen Namen. Die kleine Arena wird am Dienstag (19.00 Uhr) im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen Bayer Leverkusen zum sechsten Mal ausverkauft sein. Dank einer Zusatztribüne können 6400 Zuschauer das Spiel sehen.

Christian Möckel (früher 1. FC Nürnberg) und Jochen Endress (SSV Reutlingen und VfB Stuttgart) sind die einzigen Ex-Profis beim Regionalligisten, bei dem alle Akteure einen deutschen Pass haben. Der Rest der Mannschaft setzt sich überwiegend aus Spielern zusammen, die Trainer Hansi Flick aus den umliegenden Verbands- und Oberliga- Vereinen geholt hat.

Unter Flick blühte vor allem Thomas Ollhoff auf, der in der vergangenen Saison 19 Tore schoss und in dieser Spielzeit sieben Mal erfolgreich war. Der Star ist jedoch der Trainer, der mit Bayern München vier Mal Deutscher Meister wurde.

Kaiser Franz als Streitschlichter

"Wie Volker Finke in Freiburg"

"Hansi Flick hat bei uns einen Status wie Volker Finke in Freiburg", sagt Hopp. Demnächst soll der bis 2006 laufenden Vertrag vorzeitig verlängert werden. Schließlich hat der frisch gebackene Fußballlehrer noch viel vor.

Die 2. Bundesliga wird nach dem vorjährigen fünften Platz im dritten Regionalliga-Jahr fest ins Auge gefasst. Dafür genehmigte der Mäzen eine Kurskorrektur des bisherigen Modells der "Feierabend-Profis". Derzeit wird geprüft, inwieweit Spieler von ihrem Arbeitgeber, vornehmlich die SAP, für eine gewisse Zeit beurlaubt werden können.

"Vielleicht schaffen wir den Aufstieg sogar schon in dieser Saison, die Chance war noch nie so groß", hofft Präsident Peter Hofmann. "In der Regionalliga Süd gibt es keine Ausnahme- Mannschaft." Momentan belegt Hoffenheim den fünften Platz. Dass der Club im bezahlten Fußball mithalten könnte, bewies die Mannschaft eindrucksvoll im Pokal. In den ersten beiden Runden schlug die TSG Eintracht Trier (4:3) und den Karlsruher SC (4:0).

Kaiser Franz als Streitschlichter

Nachwuchs-Förderer Hopp, der sich zu den Spielen auch schon mal im Learjet einfliegen lässt, hat allerdings andere Prioritäten. "Mein größter Wunsch ist es, dass 2006 ein Hoffenheimer beim WM- Eröffnungsspiel in der deutschen Mannschaft steht."

Dass Hopp aber auch im Tagesgeschäft mit ganzem Herzen bei der Sache ist, bekam unlängst Hermann Gerland zu spüren. Als der Trainer der Amateure von Bayern München nach dem Regionalliga-Spiel in Hoffenheim aus der Rolle fiel, griff Hopp sofort zum Handy und beschwerte sich bei Franz Beckenbauer. Der Bayern-Präsident ist nicht nur Golfpartner, sondern auch ein persönlicher Freund des Milliardärs aus dem Kraichgau.

Wolfgang Brück, dpa

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