WestLB Verschnupfte Weihnacht

Und plötzlich hatten alle Grippe: Das Weihnachtskonzert der WestLB, sonst einer der gesellschaftlichen Höhepunkte im Düsseldorfer Advent, geriet zum Desaster. Nach der Pause wurde die Halle geräumt.
Von Heide Neukirchen

Düsseldorf - Die vermeintliche Grippewelle nahm just am Wochenende die Ausmaße einer Epidemie an - zumindest bei den Ehrengästen des Weihnachtskonzerts 2003 der ehemaligen Westdeutschen Landesbank. Die Einladung in die Tonhalle war in früheren Jahren ein gesellschaftlicher Höhepunkt. Doch diesmal missriet die Veranstaltung.

So ließ sich der WestLB-Vorstandsvorsitzende Johannes Ringel wegen einer fiebrigen Erkältung entschuldigen. Statt seiner begrüßte Bernd Lüthje die Gäste, Vorsitzender Chef der Landesbank.

Lüthje musste eine Reihe weiterer Krankheitsfälle aufzählen. Dutzendweise waren die Plätze in den sonst so begehrten ersten Reihen leer geblieben. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen einige Vorstandsmitglieder der AG und eine Vorabmeldung des Magazins DER SPIEGEL hatten viele Promis bewogen, spontan zu Hause zu bleiben. Gut möglich, dass manch einer wegen des angeblich erwarteten Verlustes von mindestens 1,7 Milliarden Euro verschnupft war.

Stammgäste des Weihnachtskonzerts wie Krupp-Stiftungsvorsitzender Berthold Beitz hatten gar nicht erst zugesagt. Lediglich Ex-WestLB-Chef Friedel Neuber fühlte sich bei dem Konzert wie immer sichtlich wohl.

Auch die Polit-Prominenz glänzte durch Abwesenheit. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Peer Steinbrück hatte sich wie Ringel ausgerechnet zum Konzerttermin mit Fieber ins Bett gelegt. Er schickte Harald Schartau als Vertretung.

In der Pause war für Schartau wie für alle anderen Gäste unfreiwillig Schluss. Wegen einer Bombendrohung wurde die Tonhalle fluchtartig geräumt. Vermutlich der Racheakt von einem der über 3000 Mitarbeiter der Bank, die in den vergangenen Monaten entlassen wurden.

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