Karriere Aufstieg als Telekommunikator

Die Boomphase der Telekombranche ist vorbei. Trotzdem werden Ingenieure nach wie vor gesucht. Die besten Chancen haben Elektro- und Nachrichtentechniker. Wer sich als Projekt- oder Abteilungsleiter wirtschaftliche Kompetenzen aneignet, hat gute Chancen auf einen Managerposten.

Berlin/München - In der Boomphase Hochzeiten der New Economy galt die Telekommunikationsbranche (TK) als Jobmarkt für alle. Firmen, die genügend Wagniskapital hatten, rekrutierten reihenweise Mitarbeiter.

Inzwischen aber ist die Euphorie dahin. "Zwar hat sich der TK-Markt in der Krise der vergangenen zwei Jahre besser behauptet als viele andere Branchen. Dennoch wird es keine Beschäftigungsausweitung geben. Nur einzelne Jobs werden sehr gezielt nachbesetzt", sagt Stephan Pfisterer, Bereichleiter für Bildung und Personal beim Branchenverband BITKOM in Berlin. Einzig im Bereich der Endgeräte und bei den Diensten sieht er Potenzial für neue Stellen.

Auch der anstehende UMTS-Start wird Pfisterers Einschätzung nach nicht zum Beschäftigungsmotor: "Da findet bei den Netzbetreibern eher eine Umschichtung statt, Nachrichteningenieure werden eher weitergebildet als neue angestellt."

Allein die Telekom will 50.000 Stellen einsparen

Die Einschätzung bestätigt auch die Deutsche Telekom: "Wir nehmen zur Zeit nur in äußerst geringem Umfang externe Einstellungen vor, da wir von 2001 bis 2005 weltweit rund 50.000 Stellen einsparen müssen", sagt Peter Kespohl, Telekom-Sprecher in Bonn. Allerdings bildet der ehemals staatseigenen Betrieb momentan 11.300 junge Leute in 11 Berufen aus.

Die besten Chancen haben nach Pfisterers Einschätzung Elektro- und Nachrichtentechniker mit Spezialkenntnissen im Mobilfunk-Bereich. "Der Bedarf an Ingenieuren wird bestehen bleiben, hin und wieder wird auch mal ein Physiker eingestellt", sagt er.

Gute englische Sprachkenntnisse sind eine Schlüsselqualifikation. "Wer da massive Schwächen hat, kommt nicht in die engere Wahl." Die Branche sei so international, dass man sich auf Englisch verständigen und Projekte präsentieren können muss.

Gefragt: Flexibilität und Teamfähigkeit

Gefragt: Flexibilität und Teamfähigkeit

Das sieht Christina Dinné, Sprecherin von Siemens mobile in München, ebenso: "Zu den Kernkompetenzen gehören sehr gute Englischkenntnisse, eine überzeugende Persönlichkeit, insbesondere Teamfähigkeit und interkulturelle Aufgeschlossenheit, da gerade im Bereich Mobilfunk international in Netzwerken zusammengearbeitet wird."

Auch Pfisterer betont die Soft Skills: "Kommunikationsfähigkeit sowohl innerhalb der Firma als auch in den Kontakten nach außen ist immens wichtig." Zudem sollten sich Mitarbeiter nicht schwer tun, sich in verschiedenen Mentalitäten zu bewegen. Auch das, was Pfisterer einen "mündigen Umgang mit der eigenen Karriereentwicklung" umschreibt, ist in dem sich ständig verändernden Markt wichtig: "Ständige Weiterbildung muss sein, fachlich, aber auch an sich selbst muss man immer arbeiten, um Schwächen auszubügeln."

Auch Siemens-Sprecherin Dinné stellt hohe Anforderungen an die Persönlichkeit: "Durch die Schnelllebigkeit des Mobilfunkbereichs sind Flexibilität, hohe Einsatzbereitschaft und die Fähigkeit, sich selbst und andere zu motivieren, unabdingbar."

Fachfremde haben keine Chance

Bei Siemens mobile haben Seiteneinsteiger noch Chancen: "Sie sind durchaus gefragt, wenn sie über Berufserfahrung in anderen Consumerbereichen verfügen und diese Erfahrung in die Mobilfunkbranche einbringen wollen", sagt Dinné. Allgemein haben die Fachfremden inzwischen aber schlechtere Chancen als noch vor wenigen Jahren. "Für Ingenieure aus anderen Bereichen sieht es ganz gut aus, aber wer aus einem ganz anderen Fach kommt, hat wegen des benötigten speziellen Wissens keine guten Karten", sagt Pfisterer.

Auch Kai Deininger, Geschäftsführer des Online-Jobvermittlers Monster Deutschland in Wiesbaden, sieht die zertifizierten Spezialisten im Vorteil: "Die Zeiten, in denen lediglich formal qualifizierte Mitarbeiter eingestellt wurden, sind vorbei."

"Die Entwicklung standardisierter Berufsbilder zeigt, dass sich die Lage normalisiert und handfeste, geprüfte Kenntnisse für die Unternehmen Vorrang haben - wie auch in vielen anderen Berufen und Branchen", sagt Deininger. Nach seiner Einschätzung hat sich der Markt bereits konsolidiert: "Seit Ende 2002 bis Mitte 2003 ist bei Monster Deutschland der Anteil der angebotenen Jobs um acht Prozent gestiegen."

Noch immer seien die Verdienstmöglichkeiten bei den Unternehmen gut. "Allerdings werden keine Fantasiegehälter wie noch zu Ende des vergangenen Jahrtausends gezahlt", sagt Pfisterer. Dafür kommen mit einer Anstellung gute Aufstiegschancen: Wer sich als Projekt- oder Abteilungsleiter wirtschaftliche Kompetenzen aneignet, stehe bei der Vergabe höherer Posten ganz vorn.

Verena Wolff, dpa

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