Disney "Habgierig und seelenlos"

Disney ist bekannt für familientaugliche und konfliktfreie Unterhaltung. Dafür geriet der Rückzug des letzten Mitglieds der Familie Disney aus dem Konzernmanagement ungewohnt konfliktgeladen. Roy Disney Jr. findet, dass nicht er Entenhausen verlassen sollte, sondern Vorstandschef Eisner.

Los Angeles - Das letzte Mitglied der Familie Disney ist aus dem Vorstand des gleichnamigen Medienkonzerns ausgeschieden: Roy Disney, der Neffe von Firmengründer Walt, legte am Sonntag sein Amt als stellvertretender Vorstandsvorsitzender nieder.

So harmlos, wie das klingt ist es nicht: In einem gepfefferten Brief, den das "Wall Street Journal" zitiert, forderte Disney den Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden und Geschäftsführers Michael Eisner. Mit seiner Amtsaufgabe kam Roy Disney nach Angaben des Unternehmens einem Ausschluss aus Altersgründen zuvor.

Die Walt Disney Company habe dem 73-Jährigen vor kurzem mitgeteilt, dass die Altersgrenze für das Management von 72 Jahren auch auf ihn angewandt werden müsse, teilte das Unternehmen in einer Erklärung mit. Der Vorstand hätte darüber wahrscheinlich bei seiner am (heutigen) Montag beginnenden zweitägigen Sitzung entschieden. Das Unternehmen bedauerte, dass Disney aus diesem Anlass "nach einem Managementwechsel ruft, der vom Vorstand bereits abgelehnt wurde."

"Sie müssten gehen, nicht ich"

In seinem Brief wirft Disney Eisner vor, das Unternehmen werde als "habgierig, seelenlos und stets auf der Suche nach dem schnellen Dollar" wahrgenommen. "Es ist mein fester Glaube", wetterte er weiter gegen Eisner, "dass Sie es sind, der gehen müsste, und nicht ich." Er kritisierte dessen Führungsstil, die wirtschaftliche Lage der Vergnügungsparks und die Krise beim Fernsehsender ABC, der zum Konzern gehört.

Eisner habe zu viele talentierte Manager verloren, weil er keinen klaren Nachfolgeplan gehabt habe. Außerdem betreibe er "Mikro-Management". Der 61 Jahre alte Konzernchef habe keine starken Beziehungen zu kreativen Partnern wie dem Pixar-Filmstudio gebildet.

Roy Disney hatte 1984 eine Restrukturierung des Unternehmens eingeleitet und Eisner selbst in die Führungsetage geholt. Er lobte die ersten zehn Jahre der Eisner-Führungszeit, als Disney sein Freizeitpark- und sein Filmgeschäft stark ausgebaut hatte.

Disney will 43 Prozent seiner Anteile loswerden

Disney will 43 Prozent seiner Anteile loswerden

Der 73-Jährige Disney, ein Neffe Walt Disneys und Sohn des Firmenmitgründers Roy O. Disney, war das letzte Mitglied der Disney- Familie in der Führungsspitze des Unterhaltungs- und Medienriesen. Er saß mit kurzer Unterbrechung seit 1967 im Aufsichtsgremium.

Die Beziehungen zwischen Disney und Eisner hatten sich nach Angaben der Zeitung in den vergangenen 18 Monaten verschlechtert. Die Gesellschaft litt im Fernsehbereich und nach den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 auch stark im Freizeitpark-Geschäft.

Inzwischen hat sich die Lage bei dem Unterhaltungskonzern wieder gebessert. Die Disney-Aktien sind in diesem Jahr um 42 Prozent gestiegen, doch liegen sie mit 23,09 Dollar noch immer weit unter ihrem Hoch von 43,63 US-Dollar im April 2000. Die Disney-Familie hält nur noch weniger als ein Prozent der Disney-Papiere. Roy Disney hatte vor kurzem angekündigt, er wolle 7,5 Millionen Disney-Aktien oder 43 Prozent seiner Beteiligung verkaufen.

Zuletzt hatte der Disney-Konzern wieder gut verdient. Im Schlussquartal des Geschäftsjahres 2002/2003 (30. September) war der Überschuss von 175 Millionen auf 415 Millionen Dollar (348 Mio Euro) gestiegen. Der Quartalsumsatz hatte sich um 5,3 Prozent auf 7,01 Milliarden Dollar erhöht. Im Gesamtjahr legte der Gewinn von 1,236 auf 1,267 Milliarden Dollar zu. Der Umsatz lag bei 27,1 (25,3) Milliarden Dollar.

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