Max Strauß Doch ein Wabag-Zampano?

Max Strauß, Sohn des unvergessenen bayerischen Ministerpräsidenten, ist wegen Beihilfe zum Betrug in neun Fällen angeklagt. Bisher ließ er ausrichten, er habe das Unternehmen als juristischer Berater kaum gekannt. Neu aufgetauchte Dokumente legen aber einen anderen Schluss nahe.

München - Der Münchner Ex-Anwalt Max Strauß hat nach einem Bericht des "Focus" bei der Anlagefirma Wirtschaftsanalyse- und Beratung-Aktiengesellschaft Wabag eine viel bedeutendere Rolle gespielt als bisher angenommen. Wie das Nachrichtenmagazin in seiner neuen Ausgabe berichtet, entließ der älteste Sohn von Franz Josef Strauß im Mai 1998 eigenmächtig Dietrich Marquardt als Vorstand der Wabag-Projektgesellschaft Trentec AG, obwohl für diese Kündigung kein Aufsichtsratsbeschluss vorgelegen habe.

Die Anwälte von Strauß hatten bisher stets betont, ihr Mandant sei als langjähriger Justiziar der Wabag für die Firma nur beratend tätig gewesen und habe deren kompliziertes Firmengeflecht nicht überblickt. Das inzwischen Pleite gegangene Unternehmen aus Oberhaching bei München soll Anleger um rund 100 Millionen Euro geprellt haben.

Wie "Focus" weiter berichtet, habe sich Strauß mehrmals persönlich für die Bewilligung von Fördergeldern für Wabag-Projekte eingesetzt. Als ein entsprechender Antrag der Wabag-Projektgesellschaft Sachsenholz AG abgelehnt worden sei, intervenierte er dem Bericht zu Folge bei seinem Parteifreund Wolfgang Gröbl (CSU) und lud den damaligen Parlamentarischen Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium Ende 1997 zu einer Besprechung in die Wabag-Zentrale.

Strauß setzte sich persönlich bei Biedenkopf ein

Anfang 1997 habe Strauß den damaligen sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf (CDU) schriftlich gebeten, im Vorstand der Landesbank Sachsen auf einen Kreditantrag für die Wabag-Projektgesellschaft Trentec AG Einfluss zu nehmen. Auch bei dem ehemaligen Wirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Jürgen Seidel (CDU), habe sich Strauß 1996 um einen geeigneten Standort für ein Wabag-Projekt bemüht.

Nach "Focus"-Informationen ging Strauß mit einigen der inzwischen zu Haftstrafen verurteilten Wabag-Chefs auch in den USA auf Investorensuche. Die Kontakte für die USA-Reise Anfang 1998 habe Strauß hergestellt. Eine Rechnung des Waldorf-Astoria-Hotels in New York soll rund 50.000 Mark betragen haben.

Als langjähriger Justiziar der Wabag muss sich Strauß in der Affäre um die Anlagefirma in neun Fällen wegen Beihilfe zum Betrug verantworten. Ob und wann der Prozess gegen Strauß beginnt, steht noch nicht fest. Wegen eines psychischen Zusammenbruchs wollen seine Verteidiger ihn für nicht verhandlungs- und vermutlich auch für nicht schuldfähig erklären lassen.

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