Boeing Mauschel-Vorstand fliegt

Kann ein Jobangebot Sünde sein? Schon, wenn damit die Ausschreibung eines Regierungsauftrags beeinflusst werden soll. Darum geht es in dem Skandal, mit dem sich der US-Flugzeugbauer Boeing derzeit plagt. Bevor es zu peinlich wurde, musste Finanzchef Mike Sears nun gehen.

Chicago - Der US-Flugzeughersteller Boeing hat mit sofortiger Wirkung Finanzchef Mike Sears entlassen. Sears habe konzerninterne Regelungen verletzt, als er mit der ehemaligen Regierungsbeamtin Darleen Druyun über eine Beschäftigung bei Boeing sprach, teilte das Unternehmen am Montag in Chicago mit.

Das pikante an dem Gespräch: Druyun hat zu diesem Zeitpunkt noch bei der Regierung gearbeitet und war mit der Auftragsvergabe der US-Regierung an Boeing befasst.

So begründete der Flugzeugbauer selbst die Entlassung. Druyun, die tatsächlich in die Dienste von Boeing trat, musste ihren Stuhl ebenfalls mit sofortiger Wirkung räumen.

Der peinliche Vorfall kommt für das Unternehmen zur Unzeit. Die Branchenkrise belastet Boeing stark. Erst kürzlich musste die Prognose für das laufende Jahr nach unten korrigiert werden.

Außerdem sollen von einem unabhängigen Team zehn bis fünfzehn der größten Projekte, an denen der Flugzeugbauer derzeit arbeitet, geprüft und gegebenenfalls gestrichen werden.

Für Boeing ist es nicht der erste Skandal in diesem Jahr. Erst im Juni wurden zwei frühere Manager der Verschwörung, des Diebstahls und der Industriespionage verdächtigt. Sie sollen im Kampf um einen Multimilliarden-Auftrag bei der Konkurrenz geheime Unterlagen geklaut haben.

Einziger Lichtstreif am Horizont ist US-Präsident George W. Bushs Krieg gegen den Terrorismus. Gerade wurden erhöhte Militärausgaben für das Fiskaljahr 2004 beschlossen. Das Pentagon erhielt dabei freie Bahn für das Leasen von 20 Flugzeugen des Typs Boeing 767 und den Kauf weiterer 80 für das Betanken von Militärjets in der Luft.

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