Bundesanstalt für Arbeit 251 Millionen Euro für Werbung

Kostet Florian Gersters Eitelkeit den Steuerzahler Millionen? Weil die BA unter schlechtem Image leidet, will der Chef der Bundesanstalt das Ansehen der Behörde aufpolieren. Allein sein Medienberater kostet 820.000 Euro.

Hamburg - Florian Gerster beschäftigt den Berliner PR-Berater und früheren Bertelsmann-Manager Bernd Schiphorst - nach Informationen der "Bild am Sonntag" zu einem Salär von 820.000 Euro.

Schiphorst ist PR-Spezialist der WMP Eurocom, er soll an ein bis zwei Tagen in der Woche für die BA aktiv werden. Hans-Erich Bilges gründete die Berliner Agentur gemeinsam mit seinem damaligen Kollegen, dem Ex-"Bild"-Chef Hans-Hermann Tiedje und Ex-FDP-Schatzmeister Günter Rexrodt.

Im Aufsichtsrat sitzen unter anderem Hans-Dietrich Genscher, Roland Berger, Ulrich Marseille und Ulf Rittinghaus. Neu im Bunde ist seit kurzem Rainer Wend, SPD-Bundestagsabgeordneter und Leiter des Ausschusses für Wirtschaft und Arbeit und Peter Heesen, der neue Chef des Deutschen Beamtenbundes.

"Die BA befindet sich in einer schwierigen Phase"

"Die BA befindet sich in einer schwierigen Phase", sagte Schiphorst schon Mitte Mai manager magazin.de. Seit April hat er den Beratungsposten bei der BfA. Vor allem Organisation und Effizienz müssten überprüft werden. Außerdem, so Schiphorst weiter, müssen die 90.000 Mitarbeiter der Behörde in die Reform eingebunden werden.

Keine leichte Aufgabe. Bis Ende 2004 läuft sein Vertrag, nicht viel Zeit für die Umstrukturierung eines Riesenapparates. "Die Bundesanstalt für Arbeit ist kein Privatbetrieb", gibt Schiphorst zu bedenken.

Gerster, gib' uns unsere Millionen wieder

Gerster, gib' uns unsere Millionen wieder

Auch dem Vorstand soll Schiphorst zur Seite stehen. Als Berater ausschließlich für den Chef der BA sei er aber nicht angestellt worden, betont der Kommunikationsmanager. Darüber kann er froh sein. Denn Florian Gerster hat es dieser Tage nicht leicht. Während die Regierung versucht, das Wort "Wirtschaftskrise" tunlichst nicht auszusprechen, versinkt der Behördenchef im Mahlstrom der Arbeitslosen.

Angetreten, um die schwerfällige Behörde zu reformieren, macht es inzwischen den Eindruck, als würde Gerster gegen Windmühlen kämpfen. Daran ist er zum Teil selbst schuld. Zuletzt untergrub die Affäre "goldene Wasserhähne" seine Glaubwürdigkeit. Gerster, der seiner Behörde einen strengen Sparkurs verordnet hatte, wollte die Vorstandsetage in Nürnberg für 1,8 Millionen Euro sanieren lassen.

Zugleich habe sich der Etat der Bundesanstalt für Öffentlichkeitsarbeit unter der Führung Gersters von 135 Millionen Euro im Jahr 2002 auf 251 Millionen Euro im kommenden Jahr nahezu verdoppelt.

"Die Beträge sind abenteuerlich"

Das Mitglied im Verwaltungsrat der Bundesanstalt, Jürgen Heike, sagte der "BamS": "In der Bundesanstalt für Arbeit schüttelt man nur noch den Kopf. Die Beträge sind abenteuerlich." Der CSU-Politiker verlangte von Gerster die umgehende Offenlegung der Verträge. "Wir lassen uns nicht länger veräppeln", sagte der Staatssekretär im bayerischen Arbeitsministerium.

Auch im Bundeswirtschaftsministerium wird die Verpflichtung des Medienberaters laut "BamS" mit Skepsis gesehen. Offiziell hieß es aber nur: "Das ist eine Angelegenheit des Vorstands der Bundesanstalt für Arbeit."

Gersters Behörde verteidigte den Vertrag mit der Beraterfirma. "Wir brauchen externe Berater, um den Kommunikationsbereich neu zu ordnen", sagte eine Sprecherin. Der Vertrag erstrecke sich von April 2003 bis Ende 2004, die Konditionen seien marktgerecht.

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