Geldwäsche Der Asyl-Milliardär und die Russen-Mafia

Die Schweizerische Bundesanwaltschaft ermittelt gegen eine graue Eminenz des ehemaligen russischen Präsidenten Boris Jelzin. Der russische Milliardär Boris Beresowski wird verdächtigt, Geldwäsche betrieben zu haben und Mitglied einer kriminellen Organisation zu sein.

Zürich/Bern - In dem Ermittlungsverfahren soll abgeklärt werden, welche von Beresowskis Aktivitäten in der Schweiz legal und welche möglicherweise illegal waren, sagte Bundesanwalt Valentin Roschacher in einem Interview der "SonntagsZeitung".

Roschacher fügte hinzu: "Innerhalb dieses Verfahrens wollen wir ohne Rücksicht auf Ansehen der Personen minutiös und rechtsstaatlich sauber abklären, ob sich der Verdacht auf Geldwäscherei erhärtet oder entkräftet."

Das Verfahren wurde vor einigen Wochen eröffnet. Neben Geldwäscherei geht es um den Verdacht der organisierten Kriminalität. Roschacher betonte in dem Interview, es gehe nicht darum, an Beresowski ein Exempel zu statuieren. Er gehe davon aus, dass auch Beresowski ein Interesse daran habe, bei den Ermittlungen aktiv mitzuarbeiten, und Vorladungen zu Befragungen in der Schweiz Folge leisten werde. Laut Wiedmer sind in dem Verfahren bisher aber keine formellen Rechtshilfegesuchen gestellt worden.

Im Zusammenhang damit eröffnete die Bundesanwaltschaft auch ein Verfahren gegen einen auf Zypern lebenden Schweizer Treuhänder. Es geht um den Verdacht der Geldwäscherei, der Beteiligung an einer kriminellen Organisation sowie der Teilnahme und Gehilfenschaft bei strafbaren Handlungen gegen das Vermögen beziehungsweise ungetreuer Geschäftsbesorgung.

Beresowski war in den vergangenen Jahren bereits Gegenstand umfangreicher Rechtshilfeermittlungen der Bundesanwaltschaft zu Gunsten Russlands im Zusammenhang mit der Aeroflot-Affäre. Der 57-Jährige stieg unter Präsident Jelzin zu einem der einflussreichsten Unternehmer und Kreml-Funktionäre auf. Unter Wladimir Putin wurde er wegen Finanzdelikten angeklagt. Im September erhielt er in Großbritannien Asyl.