Hamburg Media School Eliteschmiede der Medien

Der Medienstandort Hamburg blutet aus. Um den Aderlass zu stoppen, hat die Hansestadt zusammen mit Verlagen, Werbern und Filmfirmen die erste private Medienhochschule gegründet. In zwei Jahren werden hier die künftigen Medienmanager ausgebildet.

Hamburg - Früher war Jan Mojto nur ein klassischer Unternehmer. Für den untergegangen Kirch-Konzern kaufte und verkaufte er Filmrechte. Jetzt hat der 55-jährige Händler und Filmproduzent eine weiteres Betätigungsfeld gefunden: Ökonomisches Wissen und mediale Kreativität wolle die Hochschule vermitteln, sagte Mojto in seiner Funktion als Schirmherr der frisch aus der Taufe gehobenen Hamburg Media School (HMS).

Die HMS, in direkter Nachbarschaft der renommierten Hochschule für bildende Künste gelegen, hat Anfang November ihre Pforten für die ersten 15 Studenten geöffnet. In zwei Jahren werden sie zum Medienmanager mit Master-Abschluss (MBA) ausgebildet - Führungsnachwuchs für die darbende Medienszene. Das ehrgeizige Projekt wurde innerhalb von nur einem Jahr aus dem Boden gestampft. Den Ruf der Hansestadt als Medienstandort soll die HMS wieder stärken, hoffen Politik und Wirtschaft.

Zwar behauptet Hamburg von sich selbst, "Lieblingsort der Medienszene" zu sein, aber leider sieht sich eben jene Medienszene immer öfter nach anderen Standorten um: Fernsehsender wie Premiere und MTV haben der Stadt schon vor Jahren den Rücken gekehrt, die Musik- und Filmindustrie erliegt immer mehr dem Buhlen Berlins. Auch Axel Springer, größtes Verlagshaus am Platz, ist de facto in die Hauptstadt abgewandert.

Aktuelle und künftige Medienelite: Jan Mojto, Ines Plog, Jörg Dräger, Annegreth Witt-Barthel, Vorsitzende der Hamburg Stiftung für Presse mit den Studenten des 1. Jahrgangs (von rechts)

Aktuelle und künftige Medienelite: Jan Mojto, Ines Plog, Jörg Dräger, Annegreth Witt-Barthel, Vorsitzende der Hamburg Stiftung für Presse mit den Studenten des 1. Jahrgangs (von rechts)

Foto: HMS
Prominenz: SPIEGEL-Chefredakteur Stefan Aust (l.) und Hamburgs Wissenschaftssenator Jörg Dräger

Prominenz: SPIEGEL-Chefredakteur Stefan Aust (l.) und Hamburgs Wissenschaftssenator Jörg Dräger

Foto: HMS
Kreißsaal der Kreativen: Rund 400 Gäste kamen zur Eröffnung der HMS

Kreißsaal der Kreativen: Rund 400 Gäste kamen zur Eröffnung der HMS

Foto: HMS


Titel:
Bitte klicken Sie einfach auf ein Bild,
um zur Großansicht zu gelangen.

Die Idee wurde aus der tiefsten Krise geboren

Damit die Elbmetropole medienmäßig nicht völlig ausblutet, brachte der Senat mitten in der Medienkrise 2002 die Idee einer privaten Medienhochschule auf den Weg. Und stieß damit auf offene Ohren. Ines Plog, Geschäftsführerin NDR Media und Aufsichtsratsvorsitzende der Hochschule war in ihrer Eröffnungsrede begeistert über das "unbürokratische und zupackende" Verhalten aller Beteiligten.

Der HMS-Geschäftsführer Jan Henne De Dijn, früherer Benelux-Geschäftsführer beim TV-Einkaufskanal Home Shopping Europe, überzeugte binnen eines Jahres mehr und mehr Vertreter der Branche vom Konzept eines interdisziplinären Mediencampus. Und alle namhaften Hamburger Medienunternehmen spielten mit: Verlage wie G+J ("Stern", "Geo") Axel Springer ("Bild"), Heinrich Bauer ("TV Movie", "Maxi"), Milchstrasse ("TV Spielfilm", "Max") und der SPIEGEL sind vertreten, sowie TV- und Filmproduzenten wie Studio Hamburg und die Trebitsch-Holding.

Für fünf Jahre ist die HMS gesichert

Für fünf Jahre ist die HMS gesichert

Ihre Aufnahmegebühr für den "Verein zur Gründung und Förderung der Hamburg Media School" von je 25.000 Euro sowie ein jährlicher Mitgliedsbeitrag von 1500 Euro sichern das HMS-Fundament. Der Verein ist mit 50 Prozent größter Gesellschafter der Hochschule. Außerdem unterstützte die Stadt das Projekt im Gründungsjahr 2002 mit einer Million Euro; für fünf Jahre ist die Finanzierung des Lehrbetriebs gesichert. Die Hansestadt Hamburg hält 37,5 Prozent und die Universität Hamburg 12,5 Prozent der restlichen Anteile.

Jörg Dräger, parteiloser Wissenschaftssenator der Stadt, findet, dass die HMS ein gutes Beispiel für Public Private Partnership sei: die Zusammenarbeit von Firmen und Personen sowie dem Staat bei der Finanzierung öffentlicher Vorhaben: "Dass zwischen Idee und Realisierung nur so kurze Zeit vergangen ist, ist dem herausragenden Engagement aller Beteiligten zu verdanken. Jetzt kann auf dem Gelände der ehemaligen Frauenklinik Finkenau ein Kreißsaal für Kreativität entsteht", sagt der Senator. Er appellierte an die Elite-Studenten: "Lassen Sie sich anstecken vom Pioniergeist, der mit der Aufbauphase einhergeht."

Wie bei vielen Privathochschulen schlägt auch die Ausbildung zum Medienmanager kräftig ins Kontor: 12.500 Euro müssen die Studenten pro Jahr überweisen. Weitere Voraussetzung: ein abgeschlossenes Studium sowie sehr gute Englischkenntnisse. "Die Herkunft unserer Studienanfänger ist so heterogen wie die Branche", sagt Jan Henne De Dijn: "Sie haben Betriebswirtschaft, Operndramaturgie oder Literaturwissenschaften studiert. Auch Jungunternehmer sind darunter."

Damit würden sie das Ziel der HMS widerspiegeln: "Voneinander zu lernen und die Hürden abzubauen, die zwischen den Kreativen und den Kaufleuten gerade in der Medienbranche manchmal wie zementiert wirken." Die Barriere abzubauen ist erklärter Wille De Dijns, denn "der Bedarf an Führungskräften, die sicher in verschiedenen medialen Gattungen denken können, wird künftig sehr groß sein."

BWL-Grundlagen genauso wichtig wie publizistische Inhalte

Ausgebildet werden die 15 Studenten in den zwei Jahren von sechs Wissenschaftlern und mehr als 30 teilweise prominenten Dozenten aus Verlagen, Universitäten und dem Filmgeschäft. Dabei soll genauso viel Wert auf die Vermittlung betriebswirtschaftlicher Grundlagen gelegt werden wie auf die Entwicklung publizistischer Inhalte und Formate sowie Medienethik und -recht.

Einer der bekanntesten Dozenten ist der Regisseur Hark Bohm. Er wird seinen noch an der Hamburger Universität angesiedelten Filmstudiengang 2004 unter das Dach der HMS bringen. Auch die Eliteschule für die Kreativen der Werbeszene, die Miami Ad School, hat sich auf dem Campus Finkenau niedergelassen.

Dessen Ausbau sei aber noch längst nicht abgeschlossen. "Wir reden als weiteres Standbein über den Aufbau eines Studiengangs audiovisuelle Dokumentation", sagt de Dijn. Daran seien beispielsweise der NDR und SPIEGEL TV interessiert, so der Geschäftsführer. Geplant sei die Eröffnung des Fachbereichs für 2004. Dann sollen an der HMS 40 Studenten ihre All-in-one-Ausbildung bekommen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.