Versace Ein Paradiesvogel lässt Federn

Als Donatella Versace vor sechs Jahren das Erbe ihres Bruders Gianni antrat, übernahm sie einen florierenden Lifestyle-Konzern. Nach überstürzter Expansion droht dem Modehaus jetzt die Pleite. Wird der Stardesigner Tom Ford die Nobelmarke retten?
Von Karsten Langer

Donatella Versace (48) ist selbstbewusst. Kein tragisches Ereignis, keine noch so widrige Situation scheint sie aus der Bahn zu werfen.

Vor sechs Jahren fragte die "Business Week" kurz nach dem Tod ihres Bruders: "Kann das Unternehmen ohne ihn überleben?" Die Antwort war eindeutig: "Natürlich", sagte sie, "ich bin eine Versace von Kopf bis Fuß".

Auch die Trennung von ihrem Gatten vor drei Jahren hat sie inzwischen überwunden. Ihren Ex-Mann sehe sie regelmäßig, man verstehe sich gut, auch die Kinder würden mit der Situation hervorragend klarkommen, kommentierte sie frohgemut auf Nachfrage.

Bruder Santo ist Vorstandschef bei Versace

Wenn Donatella Versace in der Öffentlichkeit auftritt, dann meistens anlässlich der Präsentation ihrer Kollektionen. Zusammen mit ihrem Bruder Santo, der gleichzeitig Vorstandschef bei Versace ist, zeigt sie sich gerne in Begleitung ihrer Models oder sonnt sich im Glanze von Elton John und Madonna.

Aufgeschlitzt: Schwarzes Kleid und viel Haut

Aufgeschlitzt: Schwarzes Kleid und viel Haut

Foto: DPA
Pinke Strähnen zu Schwarz: Hautenge Kreation

Pinke Strähnen zu Schwarz: Hautenge Kreation

Foto: REUTERS
Vorsicht, bissige Raubkatze

Vorsicht, bissige Raubkatze

Foto: REUTERS
Im Winter bitte asymmetrisch schließen: Stahlblauer Ledermantel mit raffiniertem Reißverschluss

Im Winter bitte asymmetrisch schließen: Stahlblauer Ledermantel mit raffiniertem Reißverschluss

Foto: AP
In Szene gesetzt: Mit dieser violetten Kreation kommt man glänzend durch den Winter

In Szene gesetzt: Mit dieser violetten Kreation kommt man glänzend durch den Winter

Foto: REUTERS
Manche mögen's pelzig, manche üppig pelzig

Manche mögen's pelzig, manche üppig pelzig

Foto: REUTERS
Der rosa-rote Panther lässt grüßen: Hauchdünnes Kleidchen in Pink

Der rosa-rote Panther lässt grüßen: Hauchdünnes Kleidchen in Pink

Foto: AP
Lodernde Flammen auf nackter Haut

Lodernde Flammen auf nackter Haut

Foto: AP

"Die Welt beherrschen mit meinem Stil"

Dem Anschein nach ist Donatella Versace also kein Kind von Traurigkeit. Das wäre auch nicht gut fürs Geschäft, denn die Schönen und Reichen wollen umworben werden.






Klicken Sie einfach auf ein Bild, um zur Großansicht zu gelangen!



Auch den vordergründigen Zahlen zufolge hat Donatella das Lebenswerk ihres Bruders erfolgreich fortgeführt. In 60 Ländern ist der Lifestyle-Konzern präsent. Zwölf Kollektionen entstehen jährlich unter Aufsicht der umtriebigen Designerin, zu jeder Modenschau klatschen Stars und Sternchen begeistert Beifall. Doch der schöne Schein trügt: Die Schwester des Konzerngründers steckt in finanziellen Schwierigkeiten.

Bilanz geschönt?

Die Wirtschaftsflaute ist auch an Versace nicht spurlos vorbeigegangen. Während in den Metropolen dieser Welt jahrelang eine Nobelboutique nach der anderen ihre blank polierten Pforten öffnete, blieben die potenziellen Kunden nach Terror und SARS verschreckt zu Hause.

So brach auch bei Versace der Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr um acht Prozent ein, unterm Strich verbuchte der Konzern einen schnöden Verlust von 5,5 Millionen Euro. Damit nicht genug: Die italienische Tageszeitung "Il Tempo" kolportierte kürzlich, Santo Versace hätte die Bilanz geschönt.

Versteckte Finanzspritze von 25 Millionen Euro?

Um 25 Millionen Euro geht es, die der Chef des Brillenkonzerns Luxottica Leonardo Del Vecchio dafür bezahlt hat, dass er den Namen "Versace" auf die Gestelle der begehrten Accessoires drucken darf. Zehn Jahre gilt der Vertrag, für eine Vertragsverlängerung um weitere zehn Jahre besteht eine Option.

Just für diese Option soll Del Vecchio schon jetzt besagte 25 Millionen Euro überwiesen haben. Eine versteckte Finanzspritze sei das, mutmaßen Insider. Skeptiker unken sogar, dass Del Vecchio mit der Bilanzhilfe den Einstieg für die Versace-Übernahme eingeleitet hat.



"Die Welt beherrschen mit meinem Stil"

Aber nicht nur die undurchsichtige Bilanzierung ist ein Indiz für den schleichenden Niedergang des Modekonzerns. Die "Sunday Times" hatte berichtet, dass Versace sich in den Jahren nach dem Tod des Gründers allein durch den Verkauf der Villa in Miami und der Picasso-Sammlung habe über Wasser halten können.

Zudem steht in naher Zukunft ein weiterer Aderlass an: Im nächsten Jahr muss Donatella Versace 35 Millionen Euro Erbschaftsteuer zahlen. Dann wird ihre Tochter Allegra volljährig und erbt nach dem letzten Willen von Gianni Versace die Hälfte des Unternehmens.

Angeblich, so berichtet das "Hamburger Abendblatt", ruhen jetzt die Hoffnungen auf Stardesigner Tom Ford, der noch für Gucci  und Yves-Saint-Laurent arbeitet. Ford, der einmal gesagt hat, "mein Ziel ist es, die Welt zu beherrschen mit meinem Stil", soll Versace ab 2004 wieder auf Kurs bringen.

Den angestaubten Modekonzern Gucci hatte Ford innerhalb weniger Jahre saniert. Doch auch für Gucci lief es im vergangenen Jahr miserabel. Im ersten Quartal 2003 fiel der Umsatz im Vergleich zum bereits miserablen Vorjahr um sieben Prozent, der Verlust betrug 24,4 Millionen Euro. Vorbei die goldenen Zeiten?

Designer, plündert die Regale

Die guten Geister der Branche streiten sich, ob der Stern des gealterten Designstars Ford nicht ebenso verblasst ist wie der Glanz der gesamten Branche. Zuletzt soll Ford von eher schlichten Ideen inspiriert gewesen sein: Als Chefdesigner von Yves-Saint Laurent lautete sein Auftrag an die Design-Abteilung angeblich, ein paar schicke Klamotten aus den Sechzigern zusammenzusuchen. Die Ausschnitte größer, die Röcke kürzer und alles in Farbe - fertig war die neue Kollektion.

Auch wenn es sich bei der Inspirations-Version um ein Märchen aus der neiderfüllten Welt der Mode handeln sollte - ein sicheres Mittel gegen die Krise hat Ford längst gefunden: Im Sommer verkaufte er einen Teil seiner Gucci-Aktien im Wert von 38 Millionen Dollar.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.