WestLB Viele Frösche geküsst, kein Kronprinz gefunden

Das angschlagene Finanzinstitut hat es dieser Tage nicht leicht. Die britischen Investments liegen schwer im Magen, für das Tui-Paket findet sich kein Käufer und Gewinn ist nicht in Sicht. Auch der geeignete Kronprinz für Interimschef Ringel lässt auf sich warten.

Düsseldorf - Der Aufsichtsratschef der WestLB, Bernd Lüthje, will in Kürze einen Nachfolger für den derzeitigen Übergangschef Johannes Ringel finden.

"Der Zeitplan sieht vor, dass wir in zwei bis drei Wochen über konkrete Namen reden können", sagte Lüthje dem "Handelsblatt". Sollte ein Kandidat gefunden werden, wolle er ihn möglichst schnell dem Aufsichtsrat vorstellen. Der neue Chef solle deutlich jünger sein als der 62-jährige Ringel und noch einige Amtsperioden zur Verfügung stehen, sagte Lüthje. Ideal sei ein Alter von Anfang 50.

Ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Finanzministeriums, das sich ebenfalls in die Suche nach einem Nachfolger für Ringel eingeschaltet hatte, wollte die Äußerungen nicht kommentieren. In Kreisen der Landesregierung hatte es in der Vergangenheit geheißen, ein neuer Vorstandsvorsitzender solle bis zum Jahreswechsel gefunden werden.

Kein Kronprinz in Sicht

Insider kolportieren, die Suche nach einem neuen Chef für das durch riskante Auslandsgeschäfte unter Druck geratene Institut gestalte sich schwierig. Es sei kein geeigneter Kandidat in Sicht, der den ramponierten Posten von Ringel übernehmen will.

Bei dem neuen Chef könne es sich auch um einen erfahrenen Investmentbanker handeln, der aus der zweiten Reihe eines anderen Instituts stammen könnte. Eine Lösung binnen weniger Wochen erscheine aber entgegen Lüthjes Äußerungen eher als unwahrscheinlich.

In Branchenkreisen hatte es in den vergangenen Wochen immer wieder geheißen, die Bankenaufsicht dränge auf einen schnellen Wechsel an der Spitze der WestLB. Die Personalie solle bis Jahresende abgeschlossen sein, hieß es. Lüthje habe zudem bereits mit den Eigentümern der Bank - neben der Landesregierung sind dies Sparkassen- und Landschaftsverbände - Fragen für die Klärung der Nachfolge erörtert.

Personalberater eingeschaltet

Lüthje hatte erst in der vergangenen Woche am Rand einer Anhörung im nordrhein-westfälischen Landtag gesagt, für den Vorstandschef werde weiter ein Nachfolger gesucht.

Dazu sei eigens ein Personalberater eingeschaltet worden. Auf die Frage, wie lange er im Amt bleiben werde, hatte der amtierende Vorstandschef Ringel selbst gesagt: "Diese Frage müssen die Eigentümer beantworten."

Ringel hatte im Juli den Vorsitz der WestLB übernommen, nachdem Bankchef Jürgen Sengera den Chefposten knapp zwei Jahre nach Amtsantritt wegen millionenschwerer Verluste im Investmentgeschäft räumen musste. Er galt von vorneherein als Übergangskandidat, allerdings hatte es auch Spekulationen gegeben, dass er länger im Amt bleiben könnte als gedacht.

Ringel hatte sich nach seinem Amtsantritt mit der Ausarbeitung einer neuen Strategie für die Bank beschäftigt, die darauf abzielt, die internationalen Aktivitäten der Bank zu verschlanken und die Geschäfte mit dem Mittelstand und den Sparkassen zu intensivieren.

Die WestLB hatte im vergangenen Jahr einen Vorsteuerverlust von 1,7 Milliarden Euro verbucht. Im ersten Halbjahr 2003 verzeichnete sie einen Vorsteuerverlust von 359 Millionen Euro.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.