Pierre Gerckens Knallhart und jovial

"Ich sitze auf der Kasse, und die Kasse ist leer." Was Pierre Gerckens einst beim Südkurier sagte, trifft auch für den "Tagesspiegel" zu, den er nun kaufen will. Ein Porträt.

Stuttgart - Der 65 Jahre alte Pierre Gerckens gilt als knallharter Rechner und Sanierer, der sich in seiner Freizeit in einen jovialen Genussmenschen verwandeln kann. Der 1938 im belgischen Eupen geborene Manager ist ein echtes Kind der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Gleich nach seinem Studium an der Universität Köln trat der promovierte Diplomkaufmann 1968 in die Verlagsgruppe Handelsblatt ein.

Dort habe er sich mit seinem erfolgreichen Wirken das Prädikat "Mr. Handelsblatt" für alle Zeiten gesichert, sagte der damalige Chef der Verlagsgruppe, Dieter von Holtzbrinck, einmal. Mit ihm verbindet Gerckens eine enge Freundschaft. Der Umsatz der Düsseldorfer Handelsblatt-Gruppe stieg in seiner Zeit von knapp 30 Millionen DM auf über 800 Millionen DM (409 Mio Euro) im Jahr 2000.

Zum Erstaunen der Branche ging Gerckens in den 80er Jahren vom "Handelsblatt" zur Regionalzeitung "Südkurier" an den Bodensee nach Konstanz. Von Holtzbrinck nannte dies einen aufopfernden Freundschaftsdienst, der nötig war, weil die gerade mehrheitlich übernommene Tageszeitung ins Schlingern geraten war. "Ich sitze auf der Kasse und die Kasse ist leer" - an diesen Satz erinnern sich noch heute "Südkurier"-Mitarbeiter. Gerckens sorgte dafür, dass die Kasse bis heute wieder gut gefüllt ist.

Das Intermezzo am Bodensee war relativ kurz, aber in der Villa direkt am Ufer wohnt Gerckens noch heute. Nach dem "Südkurier" wechselte der Manager 1989 in die Geschäftsführung der Stuttgarter Holding der Verlagsgruppe.

Im Jahr 2001 gab er den Aufsichtsratsvorsitz der "Handelsblatt"-Gruppe ab, behielt aber - bis zum Erwerb des "Tagesspiegels" - zahlreiche Aufsichtsratsmandate der Holtzbrinck- Gruppe und bekleidet viele Ehrenämter. So ist er Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV).

Der verheiratete Gerckens, der drei Söhne hat, segelt gerne und ist ein Oldtimer-Fan. Eine Zigarre und ein Glas Rotwein gehören zu den Genüssen, die er sich in der Freizeit gönnt.

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