Wall Street Raubritter vor Gericht

Die amerikanische New Economy wird erwachsen. Als letzte Nachwehen der Vergangenheit werden die Exzesse der späten Neunziger jetzt vor Gericht verhandelt. Für die Bilanzskandale sucht Justitia Schuldige. Aber die Beweislage ist dünn.

New York - Im Zuge der Aufarbeitung der Bilanzskandale an der Wall Street haben in den USA erste Gerichtsprozesse begonnen.

Der Ex-Chef des Mischkonzerns Tyco International Dennis Kozlowski (56) und der ehemalige Tyco-Finanzchef Mark H. Swartz (43) müssen sich vom New Yorker High Court verantworten. Sie sollen Tyco und Investoren um insgesamt 600 Millionen Dollar (524 Millionen Euro) geschädigt haben.

Kozlowski soll mit Unternehmensgeldern eine Millionen-Party für seine Frau auf Sardinien, den Kauf von Luxus-Appartements und Häusern sowie teuren Schmuck bezahlt haben. Kozlowski und Swartz wird vorgeworfen, von Tyco 170 Millionen Dollar gestohlen zu haben.

Organisierte Kriminalität

Sie hätten zusätzlich 430 Millionen Dollar eingenommen, indem sie heimlich Tyco-Aktien verkauften und zugleich den Aktienkurs künstlich aufblähten.

Ihnen wird auch Unternehmenskorruption vorgeworfen. Diese Anschuldigung werde oft in Klagen gegen das organisierte Verbrechen verwendet, berichtete die "New York Times".

Das Verfahren beginnt mit der Auswahl der Juroren. Es könnte nach Ansicht von Rechtsexperten drei Monate dauern. Im Falle eines Schuldspruchs drohen Kozwlowski und Swartz nach Angaben der Zeitung Gefängnisstrafen von bis zu 25 Jahren. Die beiden ehemaligen Tyco-Spitzenmanager hatten sich nicht schuldig bekannt.

Eine E-Mail als Zeugin der Anklage

Auch der ehemalige Internet-Analyst der Credit Suisse First Boston (CSFB), Frank Quattrone (47), steht vor Gericht. Dem ehemaligen Branchenstar, der während des Internet-Höhenflugs dutzende Online- und Technologiefirmen mit an die Börse gebracht hatte, wird vor einem Bundesgericht in New York Justizbehinderung vorgeworfen.

Quattrone soll sich wegen angeblicher Justizbehinderung und Zeugenbeeinflussung verantworten. Dem früheren Bankier wird vorgeworfen, er habe Angestellte aufgefordert, Dokumente zu zerstören als Ermittler die Zuteilung stark gefragter Aktienemissionen untersuchten. Das Verfahren gegen Quattrone dürfte zwei Wochen dauern.

Quattrone, der während des Technologie-Booms bis zu 200 Millionen Dollar verdient hat, repräsentiere für viele amerikanische Kleinaktionäre die Exzesse der späten neunziger Jahre. Für Freunde und Kollegen im Silicon Valley repräsentierte er hingegen immer noch den Visionär der New Economy. Quattrone war unter anderen an den Börsengängen von Amazon.com  und Cisco Systems  beteiligt.

Quattrone drohe eine Gefängnisstrafe von bis zu 25 Jahren. Er wird jedoch im Falle eines Schuldspruchs wahrscheinlich eine geringere Strafe erhalten.

Eine Verurteilung ist laut Rechtsexperten aber keineswegs sicher. Denn die Anschuldigungen gegen Quattrone basierten auf einer E-Mail. Darin wurde erklärt, es sei an der Zeit, Unterlagen zu säubern.

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