Gruner + Jahr Eine Verlagslegende geht

Bernd Kundrun verabschiedet sich von alten Bekannten. Rolf Wickmann verlässt den Vorstand, Axel Ganz begnügt sich mit Altersteilzeit. Verdiente Mitglieder aus der zweiten Führungsebene sollen die Urgesteine ersetzen.

Hamburg - Europas größter Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr baut die Chefetage um. Bis Ende 2004 werden Vorstandsbereiche neu strukturiert und neu besetzt, teilte der Hamburger Verlag mit.

Gleichzeitig soll der Innovationsprozess im Verlagshaus Gruner + Jahr auch nach dem für 2004 eingeläuteten Generationswechsel weitergehen. Das sagte der Vorstandsvorsitzende Bernd Kundrun. Seit seinem Wechsel an die Spitze des Verlags im November 2000 habe er sich auf die Erfahrung der älteren Kollegen gestützt.

"Nichtsdestotrotz ist es auf Grund des Alters der Vorstandsmitglieder an der Zeit, dass man sich über die Zukunft Gedanken macht", sagte Kundrun. "Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, die Weichen für 2004 zu stellen." Der Innovationsprozess werde selbstverständlich von der ganzen Vorstandsmannschaft getragen, unterstrich Kundrun.

Da gehn sie hin, des Lobes voll

Aus dem derzeit siebenköpfigen Gremium scheidet zum Jahreswechsel Rolf Wickmann (58) aus, der für die deutschen Zeitschriften zuständig ist. Wickmannn war über 30 Jahre im Verlag tätig, davon 20 Jahre als Chef des G+J-Zeitschriftengeschäfts. 1983 wurde er zunächst Leiter des Unternehmensbereiches Zeitschriften, 1985 rückte er als Leiter der Sparte Zeitschriften Deutschland in den Vorstand auf.

Bernd Buchholz, bisher Verlagsgeschäftsführer der Stern/Geo-Gruppe, rückt für ihn nach. "Diese Staffelübergabe bedeutet höchste Kontinuität und ist ein im besten Sinne vorbereiteter Generationenwechsel", sagte Kundrun. Er verwies darauf, dass Buchholz (41) schon als Assistent bei Wickmann angefangen hatte.

Unter Buchholz habe sich der "Stern" in den vergangenen beiden Jahren hervorragend entwickelt. Der Abwärtstrend bei der Auflage (derzeit rund 1,07 Millionen verkaufte Exemplare) sei gestoppt worden und das Anzeigengeschäft falle in schwierigem Umfeld besser als bei Wettbewerbern aus, sagte Kundrun. Die Geo-Gruppe bleibe ein "Fels in der Brandung".

Neue Strategie, neue Titel

Auch Torsten-Jörn Klein (39), Ex-Geschäftsführer des Berliner Verlags, soll 2004 in den Vorstand einrücken. Klein, der als früherer Verlagsgeschäftsführer vom Berliner Verlag ("Berliner Zeitung") kommt, soll "Fähnchen auf die weißen Flecken" stecken.

Vorstandsmitglied Axel Ganz (66) gibt einen Teil des von ihm geführten internationalen Zeitschriftengeschäfts an Klein ab und bleibt selbst für das USA- und Frankreich-Geschäft zuständig. Klein ist dann für das übrige Ausland verantwortlich.

Der Zeitschriftenchef für die deutschen Objekte, Rolf Wickmann (58), scheidet aus dem Gremium aus. Er war seit 31 Jahren im Verlag tätig. Unter seiner Führung stieg die Zahl der Zeitschriftentitel im Inland in gut 20 Jahren von 17 Objekten auf mehr als 37 Magazine.

Martin Stahel (59) dagegen scheidet vertragsgemäß Ende 2004 aus dem Gremium aus. Sein Ressort "Unternehmensentwicklung" fällt dann in die direkte Zuständigkeit von Bernd Kundrun. Als journalistisches Vorstandsmitglied bleibt Angelika Jahr im Gremium, die als Herausgeberin von Zeitschriften wie "Schöner Wohnen" und "Essen & Trinken" verantwortet.

Harter Kampf um Wirtschaftstitel

Bereits im Frühjahr hatte Gruner + Jahr einen Strategiewechsel forciert. Die Orientierung auf Kosten und Erträge - was vor dem Hintergrund der Werbe- und Anzeigenkrise in den Medien auch bei G+J in den vergangenen beiden Jahren zu einem Sparprogramm und Arbeitsplatzabbau geführt hatte - wurde um eine Innovations- und Wachstumsoffensive ergänzt. So erschienen in Deutschland neue Titel wie die Frauenzeitschrift "Woman", der Stern-Ableger "Neon" für junge Leute oder erstmals Kochzeitschriften im Taschenformat.

Die durch die allgemeine Wirtschaftskrise mit Anzeigen- und Auflagenrückgängen besonders gebeutelte Wirtschaftspresse soll bei G+J strategisch zusammengefasst werden. In Deutschland gibt der Verlag Titel wie "Capital", "Impulse" und "Börse Online" heraus.

"Es kann kein stärkeres Bekenntnis zur Wirtschaftspresse geben, als wir es mit der Neuorganisation vornehmen", sagte Kundrun. Doch zwängen die internationalen Wettbewerber wie Pearson mit seiner Financial Times Group, Dow Jones mit dem "Wall Street Journal" oder der Informationsdienstleister Bloomberg Gruner + Jahr zu einer fokussierten Strategie, sagte Kundrun. "Diese Anbieter sind im Bereich der Wirtschaftspresse konzentrierter aufgestellt."

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