Kündigung Von 100 auf 0 in einer Sekunde

Du sollst nicht Arbeit verweigern, unpünktlich sein, geschäftsschädigendes Verhalten an den Tag legen oder deinem Arbeitgeber untreu werden. Im Zweifel genügt ein Stück Bienenstich als Grund für die fristlose Kündigung.

Berlin - Das Ende des Urlaubs naht. Frau M., Mitarbeiterin einer Heizungsinstallationsfirma, ruft ihren Chef an und bittet um eine Woche Verlängerung, weil das Wetter noch so schön sei.

Doch der lehnt ab. Er braucht seine Sekretärin dringend, um den liegen gebliebenen Schriftverkehr zu erledigen. "Dann werde ich eben krank", sagt Frau M. und beendet das Gespräch.

Ein schwerer Fehler, der den Job kosten kann. Denn die Androhung einer Krankheit ist ein wichtiger Grund für eine fristlose verhaltensbedingte Kündigung, vorausgesetzt, es gibt keine Anhaltshaltspunkte dafür, dass der Mitarbeiter wirklich krank ist, so ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts.

Rauchen ist ungesund

Eine verhaltensbedingte Kündigung darf immer dann ausgesprochen werden, wenn der Arbeitnehmer schuldhaft seine Pflichten verletzt hat. Dazu gehören zum Beispiel Arbeitsverweigerung, Unpünktlichkeit, geschäftsschädigendes Verhalten oder Untreue gegenüber dem Arbeitgeber. In der Regel muss der Chef den Mitarbeiter zuvor mündlich oder schriftlich abmahnen. Im Wiederholungsfall kann er dann die Kündigung aussprechen.

Zum Beispiel beim Verstoß gegen ein betriebliches Rauchverbot. Der Verstoß gilt als Verletzung der arbeitsvertraglichen Nebenpflichten und kann nach der Abmahnung eine verhaltensbedingte Kündigung nach sich ziehen.

Ebenso trifft das auf Alkoholkonsum am Arbeitsplatz zu (siehe "Selbsttest: Prüfen Sie Ihren Alkoholkonsum"). Liegt allerdings eine krankhafte Trunksucht vor, ist der Arbeitgeber verpflichtet, dem Arbeitnehmer zunächst eine Entziehungskur zu ermöglichen. Nur wenn diese keinen Erfolg hat oder der Arbeitnehmer die Kur ablehnt, rechtfertigt das eine krankheitsbedingte Kündigung, urteilte das Bundesarbeitsgericht.

Gut geschmiert, schnell entlassen

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Auch wer wiederholt unentschuldigt fehlt, notorisch zu spät kommt oder seine Nase in fremde Unterlagen steckt, riskiert seine Arbeitsstelle. Das Amtsgericht Marburg gab einem Arbeitgeber Recht, der einer Schreibkraft gekündigt hatte, weil sie unerlaubt in Personalakten und Gehaltsunterlagen ihrer Kollegen geschaut hatte.

Diebstahl ist selbstverständlich ein Entlassungsgrund. Das gilt auch dann, wenn das Diebesgut nur geringen Wert hat. So wurde der Verkäuferin in einer Bäckerei rechtmäßig gekündigt, weil sie ohne zu bezahlen ein Stück Bienenstich aus der Ladentheke genommen und gegessen hatte.

In schwerwiegenden Fällen kann ohne Abmahnung gekündigt werden. So musste ein Einkäufer eines Einzelhandelsunternehmens seine Stelle räumen, weil er von Lieferanten Schmiergeld akzeptiert hatte. Das untergrub das Vertrauensverhältnis zum Arbeitnehmer so sehr, dass eine außerordentliche Kündigung angemessen war. Auch Tätlichkeiten unter Arbeitskollegen können zu einer sofortigen Kündigung führen.

Den Chef verhaften lassen

Ganz schlechte Karten haben Mitarbeiter, die sich auf kriminelle Weise mit ihrem Chef anlegen. Wie ein Bremer Taxifahrer, der während der Fahrt die Polizei alarmierte, um seinen Chef verhaften zu lassen, der hinten im Wagen saß. Er habe ihn angeblich bedroht.

Die Richter sahen in dem Verhalten des Taxifahrers einen hinreichenden Grund für die fristlose Kündigung: Der Mitarbeiter habe seinen Arbeitgeber bei der Polizei falsch verdächtigt, was eine Straftat darstellt, urteilte das Landesarbeitsgericht Bremen.

Reiner Fischer ddp.vwd

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