Müller-Partei Subventionen und Steuerflucht

Müller macht ernst. Zwar gründet er keine Partei wie in der aktuellen Werbekampagne der Molkerei. Aber seinen Umzug in die Schweiz will er durchaus als politisches Signal gegen die deutsche Erbschaftssteuer verstanden wissen. Und Geld spart's ja auch.

Aretsried - Theo Müller hat gesprochen. Nicht Dieter Bohlen, Chef der spaßdebilen "Müller-Partei" in den Werbespots der deutschen Mega-Molkerei, nicht Else Kling, die sich noch immer vorstellen kann, Müller-Milch mache hübscher.

Dass sich der Chef der größten deutschen Milchmarke öffentlich äußert, ist etwas Besonderes. Denn so laut, wie die milchseligen Werbespots des Unternehmens, so undurchsichtig und verschwiegen führt er für gewöhnlich sein Geschäft. Diesmal aber hat er ein politisches Anliegen, und deshalb verriet er dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL, warum er auf gepackten Kisten und Koffern sitzt.

Bereits im August war gemeldet worden, der erfolgreiche Unternehmer wolle die Republik in Richtung Schweiz verlassen. Über vieles mussten Berichterstatter damals spekulieren, doch mit der plausiblen Vermutung, es gehe Müller um die Erbschaftssteuer, lagen sie richtig.

"Mitte November kommen die Möbelpacker"

Bei diesem Thema zog er richtig vom Leder. "Ich werde enteignet, beraubt, nennen Sie es wie Sie wollen", zitiert ihn der SPIEGEL. "Mitte November kommen die Möbelpacker", dann verlegt er seinen Wohnsitz und den seiner Söhne in die Nähe von Zürich, wo der deutsche Fiskus keinen Zugriff hat.

Ein Schelm, wer das selbstsüchtig nennt. Vielmehr sieht Müller seinen Exodus als politisch hochsymbolischen Akt, denn er will "auch den enormen Kollateralschaden thematisieren, den dieser Steuer-Irrsinn mit sich bringt". Eine 30-prozentige Erbschaftssteuer findet er "nicht mehr hinnehmbar", mit dem Schritt über die Grenze sichere er lediglich den Erhalt seines Unternehmens.

Sein Zorn gilt auch dem deutschen Subventionswesen, das "auf Dauer nicht funktionieren" könne. Kurzfristig muss Müller Subventionen aber wohl ganz gut finden, zumindest die für sein neues Milchwerk im sächsischen Leppersdorf.

Eigentlich muss sich Müller gar nicht mehr öffentlich äußern. Dieses Programm einer imaginären Müller-Partei spricht für sich.

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