Dienstag, 10. Dezember 2019

Hanser "Die Bohlens hießen früher Konsaliks"

"Trend ist bei uns out", sagt Michael Krüger und umreißt so in knappen Worten das Programm seines Verlags. Das Münchener Familienunternhemen kämpft seit Jahrzehnten erfolgreich gegen den Mainstream und für seine Unabhängigkeit.

München - Verleger Michael Krüger regt sich gern mal über zeitgenössische "Scheißromane" oder Mainstream-Bestseller auf - um gleich darauf einzuräumen, dass niveauarme Erfolgstitel wie zuletzt die Bohlen- oder die Effenberg-Biografie den Buchläden immerhin Käufer bescheren.

Streitbarer Geist: Verlagsleiter und Autor Michael Krüger
Denn ohne funktionierenden Buchhandel und engagierte Buchhändler hätte auch die anspruchsvolle Literatur, die Krüger für seinen Verlag Hanser reklamiert, keine Chance. Er sucht Wege abseits des Mainstreams - und hat damit Erfolg: Dem Verlag, der am 1. Oktober 75 Jahre alt wird, geht es nicht nur wirtschaftlich den Umständen entsprechend gut, sondern er genießt auch einen ausgezeichneten Ruf in der Branche.

"In der vernetzten Welt ist es ganz einfach, für fünf oder sechs Millionen Euro 20 erstklassige Bücher zu kaufen, eine große Werbekampagne zu machen und eine gute Vertreter-Crew zu engagieren", sagte Krüger kürzlich in einem Interview der "Welt", "trotzdem ergibt die Summe teurer Bücher noch kein Programm."

Sein Programm ist im Prinzip ganz einfach: "Trend war und ist bei uns out. Uns ist nur wichtig, ob es ein interessantes Buch ist." Dabei bekennt sich der Gedichte-Fan Krüger, der nicht erst seit dem Tod von Suhrkamp-Chef Siegfried Unseld 2002 als eine der größten deutschen Verlegerpersönlichkeiten gilt, besonders zur meist schwer verkäuflichen Lyrik.

Erfolg mit "Der Name der Rose"

Neben Gedichten macht Hanser Kinderbücher und die renommierte Zeitschrift "Akzente". Das Programm listet mehr als 3400 lieferbare Titel, darunter namhafte Autoren wie etwa Jostein Gaarder, Elias Canetti, Peter Hoeg, Milan Kundera und Susan Sontag, die im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wird. Umberto Ecos "Der Name der Rose" zählt noch immer zu den erfolgreichsten Hanser-Büchern.

Die Umsatzrückgänge in der Buchbranche hat jedoch auch Hanser zu spüren bekommen. Der Rettungsanker ist für Krüger und seinen kaufmännischen Geschäftsführer Stephan Joß Fachliteratur: Neben der Belletristik hat Hanser, was viele nicht wissen, auch eine Sparte für Fachbücher und -zeitschriften, die von Wolfgang Beisler geleitet wird.

Fachliteratur ist bislang generell weniger von Umsatzeinbrüchen betroffen. "Diese Zweigleisigkeit war von Anfang an charakteristisch für den Verlag und hat mit dazu beigetragen, dass er alle politischen und wirtschaftlichen Krisen unbeschadet überlebt hat", schreibt der Verlag über sich selbst.

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