Sonntag, 19. Januar 2020

Hanser "Die Bohlens hießen früher Konsaliks"

2. Teil: Noch immer in Familienbesitz

Noch immer in Familienbesitz

Etwa 50 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet Hanser im Jahr. Das Fachmagazin "buchreport" listet ihn auf Platz 36 der 100 größten Verlage im deutschsprachigen Raum.

Bestseller-Autor: Umberto Eco
Und Hanser hat sich bis heute seine Unabhängigkeit gegenüber den Branchenriesen Bertelsmann und Holtzbrinck bewahrt. Der Verlag gehört nach wie vor der Gründerfamilie, bis heute sitzt er in München in zwei Villen im Nobelviertel Bogenhausen - eines davon ist das umgebaute Wohnhaus des 1985 gestorbenen Carl Hanser. 200 Mitarbeiter sind an den Standorten München und Leipzig beschäftigt. Krüger leitet den Verlag seit 1986 und jongliert dabei mit seiner Zeit, führt er doch ein "Doppelleben" als Verlagsleiter und Schriftsteller in einer Person.

Der Fachverlag wendet sich vor allem an Ingenieure und Techniker, gibt neben Zeitschriften Lehr-, Computer- und Wirtschaftsbücher heraus. Seit der Übernahme des Fachbuchverlags Leipzig 1995 hat Hanser dort einen zweiten Standort neben München. Mit dem Erwerb des österreichischen Verlags Zsolnay (bei dem etwa die Krimi-Bestseller von Henning Mankell erscheinen), dem Geschenkbuchverlag Sanssouci und dem Zürcher Verlag Nagel & Kimche expandierte Hanser in den gesamten deutschsprachigen Raum.

"Ich möchte nicht sieben Mal Joop sehen"

Hanser selbst veröffentlicht keine Taschenbücher, ist jedoch Gesellschafter beim Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv). 1993 wurde zur Unterstützung der englischen Produktion Hanser Gardner in Cincinnati gegründet. Im gleichen Jahr legte Hanser zum ersten Mal ein Kinder- und Jugendbuchprogramm auf, eine Sparte, die nach den Worten Krügers weiter ausgebaut werden soll.

Die Hanser-Chefs sehen keine allgemeine Verflachung des Buchmarktes. "Die Bohlens hießen früher eben Konsaliks", sagt Joß. Heute werde das Ganze nur mehr aufgebauscht. Krüger ärgert nur, dass Autoren wie Dieter Bohlen und Stefan Effenberg ständig im Fernsehen auftreten. "Ich möchte nicht sieben Mal Joop sehen", sagt er. "Die wirklich guten Schriftsteller in diesem Land werden nie in eine dieser zahlreichen Talkshows eingeladen."

Kristina Pezzei und Nicola Prietze, dpa

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