Wall Street Neuer NYSE-Chef arbeitet für einen Dollar

John Reed, ehemaliger Spitzenmanager der Citigroup, wird neuer Vorsitzender der NYSE. Er folgt Richard Grasso auf den Chefsessel, der in der vergangenen Woche nach scharfer Kritik an seinen exorbitanten Bezügen abdankte.

New York - Die New Yorker Börse hat einen Interims-Nachfolger für den vergangene Woche zurückgetretenen Börsenchef Richard Grasso gefunden. Der frühere Chairman und Co-Executive-Chef der Citigroup, John Reed (64), werde ab dem 30. September übergangsweise die NYSE leiten, teilte die Börse am Sonntag in New York mit.

Der zuvor eingesetzte Suchausschuss habe Freitagnacht und das Wochenende durchgearbeitet und zwölf mögliche Kandidaten geprüft, sagte der Ausschussvorsitzende Laurence Fink.

Grasso war am Mittwoch zurückgetreten, nachdem sein in den vergangenen Jahren angehäuftes Pensions- und Entlohnungspaket von rund 140 Millionen Dollar (125 Millionen Euro) auf immer größere Kritik gestoßen war.

Reed wird seine offiziell erst am 30. September aufnehmen. Er wolle aber bereits am Montag erste Gespräche mit anderen Vorstandsmitgliedern der Börse führen, sagte er. Zu den Umständen des Rücktritts seines Vorgängers wollte sich Reed nicht äußern. Ganz allgemein sagte Reed allerdings, es habe Fehler in der Unternehmensführung gegeben. Er wolle diesem Thema Priorität einräumen. Nach eigenen Angaben wird Reed für seine Tätigkeit ein symbolisches Gehalt von einem Dollar beziehen.

Reed hatte Citigroup im April 2000 verlassen, nachdem er einen Machtkampf um die Spitzenposition bei dem Finanzkonzern verloren hatte. Reed bestätigte am Sonntag, er betrachte sich lediglich als Übergangskandidat für den Chefposten der weltgrößten Börse. Grasso habe er bei seinen wenigen Kontakten zur NYSE nie getroffen.

Grasso hatte seine Karriere an der Börse 1968 als einfacher Angestellter begonnen. Der 57-jährige war seit 1995 Chef der größten Börse der Welt. Erste Einzelheiten über das Gehaltspaket waren Ende August an die Öffentlichkeit durchgesickert, als der Vertrag bis 2007 verlängert wurde. Kritiker verurteilten die Summe als völlig überzogen. Die New York Stock Exchange ist ein Non-Profit-Unternehmen, das unter anderem auch die Aufgabe hat, die an ihr notierten Firmen zu kontrollieren.

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