Eklat bei Beru Bumm

Der frühere Vorstandschef des Autozulieferers Beru spielte Zündkerze: Auf der Hauptversammlung brachte er eine hochverdichtete Mischung aus Unzufriedenheit und Investorenmisstrauen zur Explosion. Doch als sich der Rauch lichtete, war alles wie vorher - nur, dass sich die Kleinaktionäre verkohlt fühlen.

Ludwigsburg - Auf der Hauptversammlung bei Beru  krachte es. So, als habe der Funken einer Zündkerze aus dem firmeneigenen Sortiment ein leicht entzündliches Gemisch zur Explosion gebracht.

Dabei hätte es ein ausgesprochen harmonisches Treffen werden können: Beru geht es gut, der Dieselboom befeuert das Geschäft. Der Marktanteil bei Glühkerzen für Selbstzünder konnte auf weltweit führende 40 Prozent ausgebaut werden, und gerade wurde noch ein großer Deal mit Renault/Nissan festgeklopft.

Trotzdem, Aufsichtsratschef Gerhard Wacker wurde ausgebuht. Der frühere Vorstandschef Ulrich Ruetz schleuderte ihm entgegen: "Gier frisst den Verstand". Ein Kleinaktionär behauptete, er sei von Wacker gedrängt worden, einen Antrag zurückzuziehen. Schließlich forderten die Anwesenden vom Aufsichtsrat: "Raus!" und "Abtreten!"

Der Gang in den Aufsichtsrat schien besiegelt

Die Fronten sind verhärtet zwischen den Kleinaktionären bei Beru und den großen Anteilseignern. Der bedrängte Kleinaktionär zog zwar seinen ungeliebten Antrag nicht zurück, konnte sich aber gegen die Übermacht der Gründerfamilie und vor allem der Kapitalgesellschaft Carlyle nicht durchsetzen. Dass der Aufstand der Randständigen verpuffte, reflektiert die tatsächlichen Kräfteverhältnisse.

Und so wurde Ex-Chef Ruetz eben nicht, wie beantragt, Aufsichtsratschef. Das ist der Hintergrund der funkenstiebenden Ausfälligkeiten. Ruetz nämlich findet, dass ihm ein Platz in dem Kontrollgremium zusteht. Das hat er sogar schriftlich. Im Geschäftsbericht wird ihm nicht nur für seine Verdienste im Laufe der 20-jährigen Firmenzugehörigkeit gedankt, sondern auch festgestellt: "Herr Ruetz soll der nächsten Hauptversammlung am 16. September 2003 zur Wahl in den Aufsichtsrat vorgeschlagen werden."

"Nichts weiter als eine Absichtserklärung"

Das ist zwar für einen Geschäftsbericht ungewöhnlich, aber schließlich ist es in Deutschland ja gang und gäbe, dass Vorstände in den Aufsichtsrat wechseln, so sehr mancher das auch beklagen mag. Ruetz jedenfalls wähnte sich seiner Sache sicher - und war ganz baff, als in den Einladungen zur Hauptversammlung ein anderer Name in der Vorschlagsliste stand, der von Heiner Rutt.

Rutt ist Geschäftsführer der Investmentgesellschaft Carlyle Group Private Equity GmbH. Fällt der Name dieser Gesellschaft, sträuben sich noch heute Ruetzens Nackenhaare. Carlyle machte bereits 1999 ein Übernahmeangebot für Beru. Dass die Gruppe keine Mehrheit erwerben konnte, hält Ruetz vor allem sich selbst zugute. Die Gefahr einer Übernahme sieht er aber wohl langfristig weiter gegeben. Carlyle begnügte sich damals mit einer Drittel-Beteiligung.

Aus dieser Perspektive erscheint die Nominierung Rutts als strategischer Schachzug des Investors, der seither seine Beteiligung von 32 auf 37,5 Prozent steigern konnte. Bei Beru nennt man die Passage im Geschäftsbericht, die Ruetz für den Aufsichtsratsvorsitz vorschlägt, nur noch "eine Absichtserklärung".

Alles nur Verschwörungstheorie?

Alles nur Verschwörungstheorie?

Ruetz fühlt sich verprellt. Vielleicht aber, wenden Kenner des Unternehmens ein, handelt es sich auch um eine bloße Ungeschicklichkeit. Aufsichtsratschef Wacker hätte den Konflikt mit dem Vorschlag umgehen können, einen weiteren Sitz in seinem Gremium einzurichten.

Auf der Hauptversammlung, Aug' in Aug' mit dem Zorn der Kleinaktionäre, reagierte er verunsichert. Sein Einwand, dass er nur Kandidaten vorschlagen wolle, die auch eine Chance auf eine Mehrheit hätten, klang bemüht und verlegen. Auch, als es um den Anstieg seiner Bezüge ging, war er in der Defensive, musste sich Gier vorwerfen lassen.

Am Ergebnis ändert Wackers schwache Vorstellung nichts. Rutt, nicht Ruetz, wurde in den Aufsichtsrat gewählt. Die Stimmenzahl allerdings ist eine Abstrafe: Nur 89 Prozent votierten für den Carlyle-Mann, angesichts der Mehrheitsverhältnisse wenig.

Dazu trug Rutt auch selber bei. Zwar stellte er sich den Versammelten kurz vor, ging aber nicht auf die Pläne der Investmentgesellschaft ein. Das mag manchen Aktionär nachdenklich gestimmt haben: Vielleicht hat der alte Chef, der jetzt außen vor bleibt, ja doch Recht mit seiner Verschwörungstheorie.

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