Geschäftsfeld Verbrechen Der Chef der Mafia feiert Jubiläum

Er ist eine lebende Legende, die kaum einer zu Gesicht bekommt. Die Polizei geht davon aus, dass er in den Bergen von Sizilien lebt und nennt ihn nur "das Gespenst". Bernardo Provenzano, der Kopf der italienischen Mafia, versteckt sich seit 40 Jahren erfolgreich.

Rom - Die Briefe an seine Familie beendet er gerne mit Sätzen wie "Küsse mir die Kinder" oder auch "Der Herr segne und behüte Euch". Es heißt, er sei ein zärtlicher Vater, gläubiger Katholik und ein Mitglied der "ehrenwerten Gesellschaft". Viele kennen ihn allerdings nur als "das Gespenst".

Am Donnerstag feiert Bernardo Provenzano ein rundes Jubiläum. Seit 40 Jahren verfolgen ihn die Mafiajäger ohne jeden Erfolg. Für die italienische Polizei ist er der "Mann ohne Gesicht". 1993 ging der italienischen Polizei der "Boss der Bosse", Toto Riina ins Netz. Seitdem stehe Provenzano an der Spitze der Cosa Nostra, glauben die Ermittler. "Ich bin der Boss und lebe in Palermo", habe er dem Staatsanwalt geschrieben. Der Mann im Dunkeln gebe die Aufträge beim Geschäft mit Drogen und Erpressung, so die Fahnder.

Man sei sich ziemlich sicher, dass er sich in der Nähe seines Heimatdorfes Corleone in den Bergen Siziliens versteckt halte. "Viele Bauern bei Corleone könnten uns sagen, dass er vor zehn Minuten vorbeigekommen ist. Aber sie tun es nicht", sagte der Staatsanwalt von Palermo vor ein paar Jahren. Das Gesetz des Schweigens, die Omertà, funktioniert. Das "Phantom" ist nach wie vor auf der Flucht.

In jedem Polizeiauto findet sich ein Phantombild des "Paten", berichten italienische Medien zum ungewöhnlichen Jubiläum. Das letzte Foto Provenzanos ist jedoch genau so alt, wie die Geschichte seiner Flucht: 40 Jahre. Sechsmal schon bekam er lebenslänglich und wurde nicht einmal auch nur in der Nähe eines Gefängnisses gesehen.

Erwischt - aber nur den Doppelgänger

Angeblich sei er Ende der neunziger Jahre in eine Polizeikontrolle geraten - die Beamten erkannte ihn aber nicht. Dann hieß es, er habe sich wegen eines Nierenleidens in Kliniken in Palermo und Genua behandeln lassen - Beweise und Zeugenaussagen? Fehlanzeige.

Fahnder gehen davon aus, dass Provenzanos Ehefrau und seine beiden Söhne Angelo und Paolo zeitweise in Deutschland gelebt haben. Anfang der Neunziger seien sie wieder in der Mafia-Hochburg Corleone zurückgekehrt. Dort betrieben sie eine Wäscherei, bis die Behörden ihnen das untersagten.

Als ihnen vor ein paar Jahren eine der engsten Vertrauten Provenzanos in die Falle ging, keimte bei den Fahndern Hoffnung auf, ihn doch fassen zu können. Im April glaubte eine Sondereinheit der Polizei von Palermo Provenzano verhaftet zu haben, berichtete die Tageszeitung "Il Messaggero". Tatsächlich handelte es sich aber nur um einen Doppelgänger. Bis heute bleibt Bernardo Provenzano ein Phantom.