Karriere Europa schlägt Amerika

Für High Potentials ist der MBA ein Türöffner - vor allem, wenn der Titel an einem Eliteinstitut erworben wurde. Lange galten die Talentschmieden in den USA als beste Adressen. Doch ein neues Ranking zeigt: Europas Schulen toppen die US-Konkurrenz.
Von Jörg Hackhausen

Business Schools sind die Kaderschmieden für Management-Talente mit großen Ambitionen.

Wer heute Karriere als Top-Manager machen will, kommt mit dem Titel "Master of Business Administration" flotter und sicherer ans Ziel. Inzwischen werden 40 der 100 größten US-Unternehmen von MBA-Absolventen geführt, wie das Magazin "The Economist" berichtet.

Dabei ist der Titel an sich nicht allein entscheidend. Für die Personaler zum Beispiel bei Investmentbanken, Unternehmensberatungen oder anderen Firmen zählt vor allem, an welcher Business School und bei welchen Professoren man seinen Abschluss macht. Vom MBA-Abschluss an einer Top-Uni versprechen sich Absolventen sagenhafte Gehaltssprünge; über Master von Managementschulen, die keiner kennt, rümpfen Personalchefs dagegen eher die Nase.

Nicht bei allen Personalchefs liegen US-Schulen vorn

Ihr Renommee lassen sich die Topschulen teuer bezahlen. In Harvard etwa muss der Absolvent für das MBA-Studium jährlich 32.000 US-Dollar ausgeben, plus 10.000 Dollar für die Unterbringung.

Gut 100.000 Dollar insgesamt kann eine Ausbildung zum Master of Business Administration an einer amerikanischen Top-Uni kosten. Ein Schnäppchen dagegen ist ein MBA an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik, hier kostet ein Jahr 62 Euro.

Der MBA hat in den USA hundert Jahre Tradition, er ist eine amerikanische Erfindung. Und daher sind auch regelmäßig die Rankings von US-Experten fast ausschließlich voll mit den amerikanischen Schools.

Fast 2200 Personalchefs, überwiegend aus den USA, befragte jetzt das "Wall Street Journal" nach ihren Vorlieben für Business Schools. Die Galerie der Besten schmücken die üblichen Verdächtigen, etwa die Wharton School, die Tuck School oder die MBA-Programme aus Michigan, Chicago, Harvard und Yale.

In die Top 50 schafften es dabei gerade einmal vier europäische MBA-Anbieter: die London Business School (LBS), die Pariser HEC Management School und zwei spanische Vertreter - und sie landeten allesamt auf hinteren Plätzen.

Dass US-Schools im Ranking hervorragend abschneiden, würde immerhin deren zum Teil gespenstisch hohen Gebühren rechtfertigen. Personalchefs aus dem Rest der Welt sehen das allerdings vollkommen anders. Denn das "Wall Street Journal" befragte auch knapp 450 Personaler von Unternehmen, die vor allem außerhalb der USA im Geschäft sind.

Deutschland, Entwicklungsland

Andre Läner, andre Sitten

Das verblüffende Ergebnis: Nicht eine einzige US-Uni schaffte es dabei unter die besten zehn. Den ersten Rang eroberte die London Business School, gefolgt von drei spanischen und jeweils zwei mexikanischen, französischen sowie kanadischen Instituten. Darunter sind zum Beispiel die renommierten Elite-Institute Insead und HEC aus Frankreich.

Allerdings kamen 24 Prozent der vom "Wall Street Journal" befragten Personaler aus Spanien, 22 Prozent aus Kanada und weitere 13 Prozent aus Mexiko. Ist das Ergebnis also nichts weiter als eine heimliche Revanche gegen Amerika, zugunsten der MBA-Schools im eigenen Land? Nicht unbedingt, denn durchaus gute Gründe sprechen für die Unis zum Beispiel in Europa.

Das Studium in Europa ist oft viel mehr als bei den amerikanischen Konkurrenten auf Internationalität ausgerichtet. Das zeigt sich schon an Personal und Studentenschaft - 70 Prozent der Lehrkräfte an der Londoner Business School kommen von außerhalb Großbritanniens; 80 Prozent der Absolventen sind keine Briten, sondern stammen aus allen Teilen der Welt. Und an einem Austausch nehmen immer etwa 35 Prozent der MBA-Studenten eines Jahrgangs teil.

Europas Unis punkten durch internationale Orientierung

Das spanische Instituto de Empresa (IE) in Madrid beispielsweise ist für den Unternehmungsgeist seiner Studenten bekannt. 15 Prozent der Absolventen gründen eine eigene Firma - ein Spitzenwert, der auch US-Schools neidisch machen könnte.

Längst können gute europäische Business Schools mit amerikanischen Konkurrenten nicht nur mithalten. Die Ausnahme ist Deutschland. Hier gibt es MBA-Studiengänge erst seit wenigen Jahren, und sie setzen sich nur langsam durch. Die Programme sind in erster Linie für Teilnehmer geeignet, die zum Beispiel auf ihren ersten Studienabschluss als Ingenieur- oder Naturwissenschaftler eine Ökonomie-Zusatzqualifikation draufsatteln wollen.

Die Zahl der MBA-Absolventen ist in Deutschland derzeit gut überschaubar: Insgesamt etwa 1600 gibt es jährlich; in Großbritannien dagegen sind es 13.000. Sowohl quantitativ als auch qualitativ werden zumindest die deutschen MBA-Studiengänge den Talent-Schmieden in den USA wohl noch eine ganze Weile nicht den Rang ablaufen.

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