RWE Gas Flüchtige Basis der Zusammenarbeit

Der Energieversorger RWE und der Chef der Gas-Tochter, Manfred Scholle, haben sich auseinander gelebt und sehen "keine Basis für eine funktionierende Zusammenarbeit" mehr. Doch die Personalie ist mehr als bloß eine Missstimmung. Es geht um die grundsätzliche Ausrichtung des Gasgeschäfts.

Hamburg - Der RWE-Konzern  trennt sich Medienberichten zufolge vom Chef der Tochtergesellschaft RWE Gas, Manfred Scholle.

Der zum Jahresende auslaufende Vertrag des 57-jährigen Managers werde wegen des Streits um die Umstrukturierung des Konzerns nicht verlängert, berichtet die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Unternehmenskreise. "Es gibt keine Basis für eine funktionierende Zusammenarbeit mehr", sage ein Kenner der Vorgänge. RWE denke zudem an eine Beendigung der Handelsaktivitäten mit Öl und Gas in den USA. "Wir prüfen alle Optionen", sagte ein Konzernsprecher.

Mit der Trennung von Scholle ziehe Konzernchef Harry Roels Konsequenzen aus dem Konflikt um die Zukunft von RWE Gas. Der Konzernvorstand werfe Scholle vor, die von Roels konzipierte neue Konzernstruktur zu unterlaufen. Scholle stehe auf der Seite der 46 kommunalen Minderheitsaktionäre, die zusammen 20,03 Prozent von RWE Gas besitzen. Sie sperren sich gegen die Zusammenlegung der Gastochter mit den Stromgesellschaften RWE Net und Plus. Roels will, dass regionale RWE-Töchter künftig Strom und Gas aus einer Hand anbieten. Dagegen sträuben sich jedoch die Kommunalaktionäre.

Wegen ihres Widerstands kann Roels die neue Konzernstruktur zum vorgesehenen Termin am 1. Oktober nach den Angaben nur unvollständig umsetzen. Verhandlungsführer für die 46 Kommunen ist der Direktor des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe, Wolfgang Schäfer. Seinen Posten hatte vor ihm Scholle inne, der noch im Juli als Vorstandschef der neuen Vertriebstochter Nord vorgesehen war.

Vertreter der 46 Kommunen wollen an diesem Dienstag bei einem Treffen entscheiden, ob Schäfer ein Mandat für Verhandlungen mit der RWE-Führung über einen Kompromiss erhält, wie es hieß. Dieser könnte in einer Abfindung für die Minderheitsaktionäre oder einem Umtausch ihrer Aktien in Anteile der Vertriebsgesellschaft Nord bestehen. Die Preisvorstellungen lägen aber weit auseinander.

Kommunalvertreter nannten kürzlich 2 Milliarden Euro als Untergrenze, während RWE den Wert ihres Anteils auf 668 Millionen Euro beziffere. Dazu komme eine bis 2027 vereinbarte Garantiedividende von jährlich 40 Millionen Euro. Als mögliche Kompromisslinie zeichne sich eine Erhöhung der Garantiedividende bei gleichzeitigem Aktienumtausch ab, verlaute aus Verhandlungskreisen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.