Tchibo-Vorstand Ammers Auslese

Dieter Ammer ist erst kurze Zeit Chef bei Tchibo. Doch bald wird er die Ordnung hergestellt haben, die er so schätzt. Nicht nur John Karakadas, bisher Vorsitzender der Abteilung Frisch-Röst-Kaffee, muss gehen. Auch Vorstand Rainer Kutzner ist entlassen.
Von Petra Schlitt und Matthias Kaufmann

Hamburg - Am heutigen Montag um 17 Uhr hatte Dieter Ammer (53), seit kurzem Vorstandsvorsitzender des Hamburger Tchibo-Konzerns , seinen bislang wichtigsten Auftritt. Als Aufsichtsratschef der Tochtergesellschaft Tchibo Frisch-Röst-Kaffee verkündete der ehemalige Geschäftsführungs-Vorsitzende der Brauerei Beck gleich zwei Personalentscheidungen.

In der außerplanmäßigen Sitzung ging es nicht nur um die Trennung von John Karakadas (40), dem Chef der Frisch-Röst-Sparte, für den es vorerst keinen Nachfolger geben wird. Mit Karakadas wird auch Rainer Kutzner, Vorstand Zentrale Dienste der Tchibo Frisch-Röst-Kaffee GmbH, das Unternehmen verlassen.

Ammer hatte offenbar wichtige Gründe für seinen Doppelschlag. Bei Karakadas heißt es, dass er keinen Rückhalt im Kollegenkreis gefunden habe. Der Grieche gilt als nicht gerade freundlich im Umgang mit seinen Mitmenschen und soll sehr machtbewusst agiert haben.

Die große Überraschung: Kutzner geht

Aufgetreten sei Karakadas von Anfang an so, als sei er der oberste Tchibo-Chef. Ammer, der erst seit kurzem Vorstandsvorsitzender der Tchibo Holding AG ist, scheint nach Analyse der Lage zu dem Ergebnis gekommen zu sein, dass eine weitere Zusammenarbeit mit Karakadas nicht mehr möglich ist.

Dass auch Kutzner den Konzern verlassen muss, hat selbst Insider überrascht. Ammer macht mit der Neubesetzung des Vorstandspostens auf jeden Fall klar, dass bei Tchibo eine neue Ära angefangen hat. Mit Thomas Vollmöller, der bislang für Versand und Online-Handel der Tchibo Frisch-Röst-Kaffee zuständig war, beruft er erstmals einen Mann aus den eigenen Reihen in eine wichtige Führungsposition.

Dieter Ammer war im Frühling an die Spitze der Tchibo Holding gewechselt. Zuvor war er Geschäftsführer der Bremer Brauerei Beck. Ammer sah dort früh, dass sich das Unternehmen dem Konzentrationsprozess der Bierbranche nicht lange würde widersetzen können.

"Jede Woche eine neue Welt"

In einem Gutachten von Goldman Sachs ließ er alle Optionen von Expansion, Börsengang, Geschäftsallianzen bis hin zum Verkauf der Brauerei analysieren und forderte anschließend forsch von den Gesellschaftern "eine klare Aussage". Die bekam er: Ein Mandat, die Brauerei an den Biermulti Interbrew zu verkaufen.

Unter Karakadas Regie wurde das Tchibo-Geschäftsmodell erfolgreich auf den Internetbereich ausgedehnt: Unter dem Motto "Jede Woche eine neue Welt" verkauft der Kaffeeröster Gebrauchsartikel jeder Art, immer zeitlich begrenzt, um einen Sonderangebots-Run zu erzeugen.

Im Jahr 2002 setzte das Unternehmen rund drei Milliarden Euro um, davon etwa 60 Prozent mit Produkten wie Uhren, T-Shirts, Kochtöpfen, Füllfederhaltern und Toilettenbürsten.

Mit seinen Online-Shops nahm Tchibo im vergangenen Jahr 87 Millionen Euro ein, fast 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Dennoch modernisiert das Unternehmen derzeit seine rund 900 Deutschland-Filialen, um im Wettbewerb mit den Coffeeshops mithalten zu können. Eine Kernkritik an Karakadas war immer, dass er diesen Trend - der sich inzwischen als längst nicht so profitabel wie erwartet erwiesen hat - verschlafen habe.

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