Sun Microsystems Sonnenuntergang

Immer, wenn Sun Microsystems innovativ war, hatte Bill Joy seine Finger im Spiel. Und das war nicht selten. Der Programmierer entwickelte Java und eine frühe Version von Unix. Jetzt kehrt er dem Unternehmen den Rücken - ein böses Omen für Sun?

Santa Clara - Der US-Computerhersteller Sun Microsystems hat einen seiner führenden Wissenschaftler verloren. Der Mitbegründer des Unternehmens und langjährige Forschungschef William N. Joy verließ Sun am für viele überraschend nach 21 Jahren.

Mit Joy kehrt einer der einflussreichsten Software-Architekten dem Unternehmen im Silicon Valley den Rücken. Er lässt Firmenchef Scott McNeally als letzten des Gründerquartetts zurück. Er habe bereits seit einiger Zeit über seinen Weggang nachgedacht, sagte Joy dem "Wall Street Journal".

Joy gilt seit den siebziger Jahren als einer der weltbesten Computer- Programmierer und wurde in der Presse vielfach als "Genie" und "Visionär" des Silicon Valley bezeichnet. "Wenn es eine technologische Entwicklung bei Sun gab, hatte er normalerweise seine Finger mit im Spiel", sagte Rob Enderle, Analyst der Enderle Group. "Er wusste, wie man bei Sun Berge versetzt", sagte Arthur van Hoff, ein Programmierer, der in den frühen neunziger Jahren mit Joy an der weit verbreiteten Programmiersprache Java gearbeitet hatte.

Der IBM das Fürchten lehrte

Bereits während seines Studiums an der Berkeley Universität in Kalifornien entwickelte Joy in den eine frühe Version des späteren Unix-Betriebssystems. Bei Sun Microsystems leitete er die Weiterentwicklung von Unix, des Betriebssystems Solaris und des Ultrasparc-Prozessors sowie die Programmierung der für Internet- und Handy-Anwendungen populären Programmiersprache Java. Unter seiner Mithilfe gelang es dem Unternehmen Mitte der Neunziger auch, mit kostengünstig hergestellten Unix-Servern dem großen Konkurrenten IBM Marktanteile abzuringen.

In den vergangenen Jahren schlug der Wissenschaftler allerdings auch kritischere Töne an. So stieß Joy im Jahre 2000 eine in Branchenkreisen viel beachtete Diskussion um die Risiken der Gentechnik an. In einem Essay des Online-Magazins "Wired" warnte er davor, dass die Erkenntnisse der Bio- und Nanotechnologie sowie der Robotik in den falschen Händen verheerende Auswirkungen für die Menschheit haben könnten.

Nun sei es an der Zeit, sich neuen Herausforderungen zu stellen, sagte Joy. "Wenn wir uns heute das Internet anschauen, ist es sehr unsicher und wird häufig attackiert", sagte er laut Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Seine Aufmerksamkeit gelte derzeit der Entwicklung von Software, die Netzwerke sicherer machen können. "Ich möchte interessante Dinge entwickeln, die einen wirklichen Beitrag zur Verbesserung darstellen und die kein anderer tut."

Der 48-Jährige plant derzeit auch mögliche Projekte mit seinem Freund John Doerr von der Firma Kleiner Perkins Caufield & Byers. Joy wolle in kleineren Gruppen mit sechs bis acht Ingenieuren arbeiten, hieß es.

Sun in der Krise

Mit Joy verlässt eine weitere hochkarätige Führungskraft das Unternehmen. Im vergangenen Jahr kehrten innerhalb von nur drei Wochen Sun-Präsident Ed Zander, Finanzchef Mike Lehman und zwei weitere Vizepräsidenten der Computerfirma den Rücken. Seit rund drei Jahren hat Sun mit wachsender Konkurrenz und sinkenden Preisen auf dem Servermarkt zu kämpfen.

Kleinere Maschinen mit Betriebssystemen wie Linux oder Microsofts Windows gruben dem kalifornische Unternehmen Marktanteile ab. Die Umsätze sanken in den vergangenen neun Quartalen und der Fehlbetrag belief sich in den letzten zwei Geschäftsjahren laut Bloomberg auf insgesamt 3 Milliarden US-Dollar.

Renate Grimming, DPA

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