VW Wolfsburger Revolutionär

Bernd Pischetsrieder setzt sich durch, leise, aber beharrlich: Jedes Jahr will der VW-Chef eine Milliarde Euro sparen, die Manager-Boni sollen sich in Zukunft nach der Rendite richten. Das Bugatti-Debakel ist bereinigt, jetzt will VW ins Roadster-Segment vorstoßen.

Wolfsburg - Im Zentrum der Wolfsburger Macht ist es in den vergangenen Wochen und Monaten deutlich zu spüren: Bei VW  weht mit Bernd Pischetsrieder ein anderer Wind.

Zwar hat der erste Mann von Europas Automarktführers einen anderen Stil als sein Vorgänger Ferdinand Piech, geht behutsamer und kooperativer vor bei seinen Entscheidungen, wie seine engsten Mitarbeiter immer wieder betonen. Trotzdem: Eineinhalb Jahre nach Amtsantritt zieht Pischetsrieder die Zügel immer fester an. Er drückt dem Autobauer seinen Stempel auf und arbeitet eine Baustelle nach der anderen in Wolfsburg ab; leise, aber bestimmt.

Erste Baustelle - Bezahlung des Top-Managements. Künftig werden Teile der Bonus-Zahlungen von der Rendite der Investitionen abhängig gemacht, sagte ein VW-Sprecher am Montag und bestätigte einen Bericht der "Financial Times Deutschland".

Einsparungsziel: Eine Milliarde Euro pro Jahr

Pischetsrieder will die Manager damit künftig mehr in die persönliche Pflicht nehmen, um zu erreichen, dass sie bei der Entscheidung über zum Teil milliardenschwere Investitionen behutsamer vorgehen, wie es in Konzernkreisen heißt. Wer mit seinem eigenen Gehalt dran hängt, überlege eben drei Mal mehr, ob er die Summe tatsächlich freigibt, sagte ein Insider.

Ziel der Umstellung der Boni sei nicht die geringere Bezahlung der Führungskräfte, sondern vielmehr die ausufernden Investitionen - vor allem im Bereich Forschung und Entwicklung - besser in den Griff zu bekommen. Sie sollen in der Vergangenheit sehr ausgeufert sein, heißt es bei VW. Und Pischetsrieder hatte schließlich öffentlich die Zielmarke erklärt, jedes Jahr eine Milliarde Euro zu sparen. Die Bonusumstellung sei der Weg, das Sparen vernünftig und vor allem nicht an den falschen Stellen zu erreichen.

Nie wieder "beschauliches Heidedesign"

Baustelle zwei - Personalentscheidungen. Pischetsrieder fällt sie klar und kompromisslos, streng nach dem Motto mehr Verantwortung für die Marken, weniger Konzern.

Nicht nur, dass er im April Vertriebsvorstand Robert Büchelhofer an die Luft setze und die Verantwortung auf die Chefs der beiden von Pischetsrieder gegründeten Markengruppen um VW auf der einen und Audi auf der anderen Seite verschob.

Nach der verpatzten Premiere des 1001 PS starken Bugatti Veyron für eine Million Euro wird spätestens nach der Automobilausstellung IAA in Frankfurt Bugatti-Präsident Karl-Heinz Neumann abgelöst. Eine Woche vor dem Start der IAA war in Wolfsburg noch nicht einmal sicher, ob Neumann überhaupt noch in Frankfurt auftreten wird.

"Aus Liebe zum Automobil"

Baustelle drei - Die VW-Modellpalette. Beharrlich baut VW unter Pischetsrieders Führung unter der Marke VW immer neue Modelle: Minivan Touran, Oberklasse-Phaeton, Geländewagen Touareg. Der neue Golf kommt schon bald mit eigenem Gesicht auch als GTI-Version auf den Markt. Und am Montagabend will Pischetsrieder endlich mit dem Vorurteil aufräumen, VW betreibe nur "beschauliches Heidedesign" bei den Autos. Dann will er eine Studie für einen Roadster vorstellen, zunächst nur ein Prototyp. Aber er soll schon in einigen Jahren so oder ähnlich auf den Straßen rollen.

Baustelle vier - VW-Werbung. Pischetsrieder kümmert sich auch im kleineren - wie etwa den Auftritt von VW in der Öffentlichkeit. Hatte VW unter Piech auf ein übergeordnetes Motto bei der Markenwerbung verzichtet, wird es nun eingeführt. "Aus Liebe zum Automobil" wird es heißen. Es sei in der Diskussion mit Pischetsrieder gefunden worden und werde nun verwendet, erklärte VW-Marketingleiter Jörn Hinrichs.

Hartwig von Saß, dpa

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