Müller Exodus des Milchschäumers

Theobald Müller, der erfolgreichste Milchmann der Republik, geht. Zuletzt hat er mit eigenen Ideen für das deutsche Erbschaftsrecht Schaum geschlagen, doch ohne Erfolg. Jetzt will er offenbar seinen Söhnen das Milch-Imperium von der Schweiz aus vermachen.

Aretsried - "Aretsried ist der ideale Standort. Da kann ich machen, was ich will." Es ist schon ein paar Jahre her, dass Theobald Müller diese schlichte Einsicht einem SPIEGEL-Reporter ins Notizbuch diktierte.

Tatsächlich: Hier im Augsburger Land konnte der Milch- und Joghurt-König nach Belieben expandieren, schalten und walten, getreu dem zugkräftigen Werbemotto: Alles Müller oder was? Heute ist Müller die einzige nennenswerte bundesweite Milchmarke, macht Geschäfte in England, Italien und Spanien und setzt im Jahr rund 1,8 Milliarden Euro um. Und noch immer gehört Müller zu Aretsried wie der Eimer zum Euter.

Doch irgendwann, so scheint es, reißt auch das stärkste Band zur Heimat. Müller will in die Schweiz. Die Pläne seien schon fertig, im Oktober soll es losgehen, meldet der journalistische Lieblingsfeind des Milch-Barons, die "Augsburger Allgemeine". In der Eidgenossenschaft kann er zwar vielleicht nicht machen was er will, aber billig vererben. Und darum, so die Zeitung, gehe es ihm.

Gerüchte um Müllers langfristigen Verbleib gab es schon lange. "Was wird aus dem Imperium", zitiert die Lokalzeitung den Bürgermeister von Müllers Wohnort Aystetten, Max Rindle, "wenn Müller 62, 63 Jahre alt ist?" Die Frage scheint geklärt. Im Unternehmen haben sich schon seine Söhne Stefan, Theo und Christian warmgelaufen. Der 63-Jährige könnte sich nach und nach zurückziehen und sein Eigentum vom Fiskus halbwegs unberührt vererben. Mit welcher rechtlichen Konstruktion das vonstatten gehen soll, ist jedoch nicht ganz klar.

Die Müller-Partei: Vom Staat nehmen und gehen

Die "Lebensmittelzeitung" zitiert Müller, wie er kürzlich von der Politik forderte, Betriebsvermögen im Falle von Erbschaften "unbedingt steuerfrei" zu stellen. Sonst werde "die Substanz der vererbten Unternehmen in gefährlichem Maße ausgehöhlt". Dafür engagieren sich die Müllers auch politisch - bislang erfolglos. Ein Schelm, wer das mit der jüngsten Werbekampagne verwechselt, in der Pop-Prolet Dieter Bohlen als Vorsitzender einer imaginären "Müller-Partei" ("Alles wird Becher") nervt.

Nun zieht Megamilchmann Müller also persönliche Konsequenzen. Allzu schwer dürfte es ihm nicht fallen, ist er doch schon seit einigen Jahren mit einer Schweizerin liiert und verbringt viel Zeit in der Alpenrepublik.

Derweil macht eine andere bange Frage die Runde: Wenn schon nicht Müller selbst, wird wenigstens die Produktion in Aretsried bleiben? Immerhin, er hat in den vergangenen Jahren eifrig investiert - vornehmlich in die Sachsenmilch AG, denn da sorgte schon der Fiskus mit allerlei Förderung und Abschreibungsmöglichkeiten dafür, dass es sich lohnt. Die Genehmigungsverfahren für Erweiterungsgebäude in Aretsried gingen indes schleppend voran, weil die Gemeinde eben doch nicht alles mit sich machen lassen wollte.

Trotzdem gibt sich Bürgermeister Josef Fischer, der aus der Zeitung von Müllers Wegzug erfuhr, demonstrativ gelassen. Er mache sich keine Sorgen um die 1200 Arbeitsplätze.